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Berlin
Im Fernstudium ist Disziplin gefragt

Berlin. Quatschen in der Vorlesung und ein ausgedehnter Mensabesuch: Bei einem Fernstudium fallen viele Uni-Gewohnheiten einfach weg. Gleichzeitig müssen Studierende viel selbst organisieren. Wie klappt es trotzdem mit der Motivation? Von Marie Blöcher

Für ein Fernstudium gibt es viele Gründe. Manche Studierende sind berufstätig, andere pflegen Angehörige oder sind alleinerziehend, wieder andere sind in ihrer Bewegung so eingeschränkt, dass ein Präsenzstudium schwierig ist. Für alle gilt: "Ein Vorteil beim Fernstudium ist die Flexibilität, das Studium ist weitgehend unabhängig von Zeiten oder Orten", erklärt Gerd Dapprich von der Fern-Universität in Hagen. Deshalb fordert diese Form des Studiums allerdings auch ein besonders hohes Maß an Disziplin und eine genaue Planung, warnt Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk. Damit das Fernstudium trotzdem gelingt, sollten Studierende auf einige Dinge besonders achten.

Der realistische Zeitplan

"Vor Beginn eines Fernstudiums sollte sich jeder Interessent fragen, wie das Studium mit den eigenen Verpflichtungen koordiniert werden kann - mit dem Beruf, mit der Familie, mit Hobbys", rät Dapprich. Zu jedem Kurs gibt es Angaben zu den Semesterwochenstunden. Wer allerdings ein Vollzeitstudium mit 40 Wochenstunden nicht in seinem Alltag unterbringen kann, sollte sich für ein Teilzeitstudium entscheiden, zum Beispiel mit 20 Wochenstunden. Hilfe bei der Suche nach der richtigen Variante gibt es von der Studienberatung.

Der richtige Lernort

Nicht nur über den zeitlichen Rahmen sollte man sich rechtzeitig Gedanken machen: "Ich muss mich als Lerntyp kennen und mir überlegen, wo ich mich am besten konzentrieren kann und während des Fernstudiums lerne", erklärt Grob. Ob daheim, in einer Bibliothek oder in einem Café - der richtige Lernort ist für jeden ein anderer.

Ziele setzen

Sind die Vorbereitungen geschafft, beginnt die konkrete Organisation: Trifft das Lernmaterial per Post ein, sollten sich Studierende einen Zeitplan erstellen, so Dapprich. "Am besten setzt man sich konkrete Ziele, wie viele Prüfungen man in einem Semester absolvieren möchte. So erstellt man - ausgehend vom anstehenden Klausurtermin - seinen individuellen Lernplan." Geht der Plan nicht auf, lässt sich die Arbeitsbelastung noch immer reduzieren: "Wer sich zu viel aufgeladen hat, kann auch im Laufe des Studiums von einem Vollzeit- auf ein Teilzeitstudium umstellen, in dem die zeitliche Belastung frei wählbar ist", so der Experte.

Puffer einplanen

In einem realistischen Zeitplan sollte auch Platz für Unvorhergesehenes sein, rät Stefan Grob. "Man sollte in jedem Fall Puffer einplanen - damit man nicht unter Druck gerät, wenn man krank wird oder eine Familienfeier ansteht." Auf der einen Seite fordert ein Fernstudium vom Studenten besonders viel Disziplin, gleichzeitig muss man auch den Ausgleich im Blick behalten: "Wer keinen Urlaub einplant, der macht auch keinen, obwohl er ihn nötig hat", so Grob. Ohne lässt sich der Zeitplan aber kaum durchhalten.

Abschluss im Blick

Besonders wichtig für den Erfolg im Fernstudium ist es, sich das Ziel dahinter immer wieder klarzumachen, betont Psychologin Tanja Schuck. "Ich muss mich von Anfang an fragen, was mir das Fernstudium bringt und warum ich es unbedingt durchziehen will." Nur dann bringen Studierende genug Disziplin auf, um für das Lernen auf angenehmere Dinge im Alltag zu verzichten: "Wer genau weiß, dass der Abschluss ihn weiterbringt, der steht auch auf und lernt, wenn die Familie noch schläft."

Teilziele feiern

Im Idealfall trainiert ein Fernstudium so das eigene Zeitmanagement, Disziplin und Willenskraft, sagt Schuck. Diese Fähigkeiten helfen nicht nur im Berufsleben, sondern sind auch für spätere Arbeitgeber attraktiv. Die Psychologin empfiehlt außerdem, erreichte Teilziele zu feiern: "Mit Freunden essen gehen oder sich einen Wunsch erfüllen - wer sich etwas gönnt, weil er einen bestimmten Teil des Stoffes geschafft hat, motiviert sich immer wieder neu."

Austausch mit anderen Studenten

Neben Disziplin und Motivation braucht es für ein Fernstudium aber auch Kommunikation. "Wer sich mit anderen Studierenden austauscht, kann Verständnisfragen klären und von den Erfahrungen der anderen profitieren", sagt Gerd Dapprich. Mit Online-Lernplattformen, Videokonferenzen oder Chats sind Lerngruppen selbst über Hunderte Kilometer kein Problem.

Das Orientierungsjahr

Doch was, wenn trotz eines genauen Ziels und eines gut durchdachten Zeitplans Zweifel aufkommen? Dranbleiben! Wer im ersten Jahr einen Durchhänger bekommt und am Fernstudium zweifelt, sollte nicht gleich aufgeben, rät Dapprich. Das erste Jahr im Fernstudium sei ein Jahr der Orientierung, in dem Studierende herausfinden, wie belastbar sie sind und wie sie sich am besten organisieren. "Beides kann man üben und verbessern."

Quelle: RP
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