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Düsseldorf
"Last-Minute" zum Studienplatz

Düsseldorf. Wer eine Absage für sein Wunsch-Studium erhalten oder sich bisher gar nicht beworben hat, kann sich noch auf einen Studiengang bewerben, der zulassungsfrei ist. Von Isabelle de Bortoli

Beim Abi hat es nicht für Top-Noten gereicht, und so gab es keine Zusage für das Wunschstudium? Oder nach dem Schulabschluss herrschte erst einmal Ratlosigkeit, sodass die Bewerbung für einen zulassungsbeschränkten Studiengang nicht rechtzeitig Ende Juli herausging? Macht nichts! Für den Großteil der Studiengänge in NRW kann man sich sogar noch bis Oktober einschreiben. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Kann ich jetzt noch einen Studienplatz finden?
Absolut. Denn grundsätzlich kann man sich bis Anfang/Mitte Oktober bei den Hochschulen einschreiben. Ausnahme: Fächer mit Numerus clausus. Diese machen aber lediglich 37,9 Prozent aller Studiengänge in NRW aus. Die im Ländervergleich höchsten Quoten, also den Anteil zulassungsbeschränkter Studiengänge, gibt es in den beiden Stadtstaaten Hamburg und Bremen mit 72,3 bzw. 60,8 Prozent. Das ergab eine Studie des CHE Zentrum für Hochschulentwicklung. Die niedrigsten Werte finden sich in Rheinland-Pfalz (23 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (23,6 Prozent). Deutschlandweit liegt die Quote bei 47,6 Prozent. Das bedeutet eben auch: In über die Hälfte aller Fächer kann man sich einfach so einschreiben, sie sind zulassungsfrei. Und die Auswahl ist wirklich groß: Knapp zehntausend Studiengänge für Studienanfänger gibt es an 427 Hochschulen in Deutschland.

Welche Fächer sind wo zulassungsbeschränkt?
Bundesweit ist in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften mehr als jeder zweite Studiengang mit einem NC belegt. In der Fächergruppe der Sprach- und Kulturwissenschaften stehen Studieninteressierten dagegen knapp 70 Prozent aller Studiengänge ohne zahlenmäßige Beschränkungen offen, so die CHE-Studie.

Viele zulassungsbeschränkte Studiengänge gibt es in Großstädten wie Köln (66,3 Prozent), Bochum (59,5), Karlsruhe (59,7) oder Hannover (72,1). Nahezu NC-frei studiert es sich dagegen beispielsweise in Würzburg - mit einem Anteil von etwa 17 Prozent.

Wo suche ich denn konkret nach einem zulassungsfreien Studienplatz?
Unter www.hochschulkompass.de, der Seite der Hochschulrektorenkonferenz, finden sich alle Studiengänge der Fachhochschulen, Universitäten und privaten Hochschulen in Deutschland. Per Filtersuche lassen sich auch nur die Angebote ohne Numerus clausus anzeigen. Wer unsicher ist, sollte die Studienberatungen der Hochschulen aufsuchen.

Ich hatte mich für ein Wunschfach beworben, aber eine Absage bekommen. Was jetzt?
In einigen Fällen wird man fündig, und das eigene Wunschfach wird an einer kleineren Universität oder in einer anderen Stadt zulassungsfrei angeboten. Vielleicht ist es nicht genau der Wunschstudiengang, aber möglicherweise ein verwandtes Fach. Etwa Wirtschaftspsychologie statt Psychologie?

Welche Fächer sind an den Unis in NRW konkret zulassungsfrei?
An der Heinrich-Heine-Uni in Düsseldorf beispielsweise die Bachelor-Fächer Chemie, Mathematik und Physik; außerdem Germanistik, Geschichte und Romanistik. Eine ganze Reihe zulassungsfreier Fächer bietet auch die Uni Bonn. Einschreiben kann man sich in Archäologien, Chemie, Französistik, Geschichte oder Hispanistik. Auch eher exotische Fächer wie Meteorologie, Tibetologie und Südostasienwissenschaft sind dort nicht mit einem NC belegt. In Münster kann man zum Beispiel Geografie, Landschaftsökologie, Wirtschaftsinformatik und Islamische Theologie studieren. Die Einschreibefrist für zahlreiche Studiengänge der Hochschule Rhein-Waal in Kleve und Kamp-Lintfort wurde verlängert - und diese sind nahezu alle zulassungsfrei. Das sind beispielsweise Electronics, Agribusiness, Gender and Diversity, Kindheitspädagogik oder E-Government. Unter den Ingenieur-Studiengängen der RWTH Aachen finden sich zulassungsfreie Fächer. Dazu gehören Elektrotechnik, Materialwissenschaften, Rohstoffingenieurwesen und auch das Fach Werkstoffingenieurwesen. 

Wie läuft die Einschreibung?
Bei den allermeisten Hochschulen geht das einfach online. Allerdings gibt es quasi für jede Uni unterschiedliche Fristen - deshalb sollte man sich frühzeitig kümmern. Und: An der Uni Bonn etwa muss man sich noch persönlich einschreiben - sich dafür aber vorher online registrieren. Heißt also: gut informieren, um keine Fristen zu verpassen.

Gibt es auch noch freie Plätze im Fach Medizin?
Normalerweise gibt es die nicht. Die Studiengänge Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie sind grundsätzlich nicht zulassungsfrei. Bewerben kann man sich für 2017 zentral unter www.hochschulstart.de. Es gibt aber noch eine Chance: die Medizinische Hochschule Brandenburg. Die private Einrichtung bietet die Studiengänge Medizin und Psychologie an - und hier zählt Persönlichkeit mehr als Noten. So erfolgt die Auswahl der Studierenden nach Kriterien wie Motivation, Praxiserfahrung und Persönlichkeit. Bis zum 4. Oktober kann man sich für den Studienstart im Frühjahr 2017 bewerben. Allerdings: Das Studium kostet 115.000 Euro. Diese Summe kann per Darlehensvertrag mit einer kooperierenden Klinik auf 35.000 Euro reduziert werden. Dann verpflichtet man sich aber, dort fünf Jahre als Arzt zu arbeiten.

Quelle: RP
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