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Numerus-Clausus-Urteil
Was sich für angehende Medizinstudenten jetzt ändern soll

NC-Urteil: Was soll sich für Studien-Anwärter in Medizin jetzt ändern?
Reicht nicht immer gleich für ein Medizinstudium: Abi-Zeugnis mit Durschnittsnote 1,4 (Symbolbild). FOTO: dpa, kjh;cse htf
Karlsruhe/Düsseldorf. Auch künftig werden viele Bewerber um einen Studienplatz in Humanmedizin leer ausgehen: Der NC darf laut Bundesverfassungsgericht bleiben. Der Staat muss die Vergabe der Studienplätze aber gerechter regeln. Vor allem eine umstrittene Praxis mancher Unis soll beendet werden. Von Olivia Konieczny

Zwei Studienbewerber aus Schleswig-Holstein und Hamburg haben vor dem Bundesverfassungsgericht einen Sieg für viele angehende Medizinstudenten errungen: Die Richter in Karlsruhe erklärten am Dienstag den Numerus Clausus (NC) im Studienfach Humanmedizin zwar als mit dem Grundgesetz vereinbar - das Verfahren zur Vergabe der Studienplätze jedoch als teilweise verfassungswidrig.

Da auf jeden Studienplatz in Humanmedizin etwa fünf Bewerber kommen, läuft die Verteilung derzeit so: Rund 20 Prozent der Plätze werden über die besten Schulnoten vergeben, 20 Prozent über eine Wartezeit und 60 Prozent über ein Auswahlverfahren direkt bei den Hochschulen, bei dem die Abiturnote auch eine wichtige Rolle spielt. Ein Teil der Studienplätze, etwa bei Härtefällen, wird vorab nach speziellen Kriterien vergeben.

Grundsätzlich sei diese Vergabepraxis mit dem Grundgesetz vereinbar, meint das Bundesverfassungsgericht. Mehrere Punkte dieser Regelung von Bund und Ländern verletzten jedoch das Recht der Studienplatzbewerber auf gleiche Teilhabe am staatlichen Bildungsangebot. Vor allem diese Dinge müssten sich ändern: 

  • Die Zahl der Wartesemester liegt im Schnitt aktuell bei etwa 15 - das muss laut Bundesverfassungsgericht enger begrenzt werden.
  • Im Auswahlverfahren der einzelnen Hochschulen werden auch die Abiturnoten berücksichtigt - hier muss künftig erstens eine Vergleichbarkeit der Abiturnoten über die Bundesländer hinweg gegeben sein. Und zweitens muss es mindestens ein weiteres Kriterium als diese Note geben.
  • Derzeit müssen sich Medizinstudenten auf höchstens sechs Wunsch-Studienorte festlegen. Das führt mitunter dazu, dass Bewerber, die grundsätzlich erfolgreich wären, am Ende leer ausgehen. Auch das dürfe es künftig nicht mehr geben, fordern die Karlsruher Richter.

"Wir begrüßen dieses Urteil ganz ausdrücklich", sagte Isabel Molwitz von der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (bvmd), unserer Redaktion. "Es sind viele Punkte aufgenommen worden, die wir schon seit Jahren fordern."

Besonders wichtig sei der Wegfall der Ortspräferenzen, die oft von den Hochschulen als Selektionskriterien genutzt wurden - eine umstrittene Praxis. "Bislang war es so, dass die Studierenden sechs Wunsch-Studienorte angeben mussten", erklärt Molwitz. "Viele Hochschulen haben dann einfach gesagt: Wenn Sie uns hier nicht an erster Stelle nennen, dann dürfen Sie bei uns nicht am Auswahlverfahren teilnehmen." Für viele Studierende ein Dilemma, das dazu führen konnte, dass sie am Ende leer ausgingen, obwohl sie grundsätzlich für das Studium geeignet waren. "Künftig wird es meist so sein, dass die Studierenden erst die Auswahlverfahren durchlaufen, bestenfalls angenommen werden und sich dann erst für einen Ort entscheiden müssen." Die Beschränkung auf sechs Ortsangaben fällt ganz weg.

Auch dass die Hochschulen bei der Auswahl künftig ein weiteres Kriterium neben der Abiturnote hinzuziehen müssen, sei positiv: "Bislang konnten die Hochschulen mehrere Kriterien anwenden, mussten es aber nicht. Das hat dazu geführt, dass einige trotzdem nur auf den NC geschaut haben, weil das am einfachsten war", sagt Molwitz. Viele weitere hätten nur die Abinote und einen Test verwendet.

Künftig soll es für die Eignungsprüfungen und -gespräche an den einzelnen Hochschulen einheitliche, transparente Vorgaben geben. Wichtig seien zudem die Ausgleichsmechanismen für die Abiturnoten, erklärt die Studierendenvertreterin: Weil das Abitur in manchen Bundesländern schwerer ist als in anderen, müssen die Durchschnittsnoten künftig vergleichbar gemacht werden.

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Wann das neue Vergabeverfahren zur Anwendung kommt und wie es konkret aussehen wird, ist offen. Der Gesetzgeber - sprich die Kultusministerkonferenz (KMK) - hat laut Vorgabe aus Karlsruhe bis Ende 2019 Zeit, eine neue Regelung zu finden. Dass diese schon früher gefunden wird, halten sowohl KMK als auch die Stiftung für Hochschulzulassung für möglich. 

Mit Material der dpa.

 
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