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Dozentenleben
Praktikum 4.0

Kennen Sie das sicherste Mittel, ein Kind unglücklich zu machen? Sie müssen es daran gewöhnen, dass es alles bekommt."

Diese Erkenntnis stammt nicht von mir, sondern schon aus dem 18. Jahrhundert, von dem Philosophen und Pädagogen Jean-Jacques Rousseau. Dummerweise denken die meisten Eltern heute genau umgekehrt: Das Kind bekommt wirklich alles, damit es nur glücklich ist. So kommt es erst spät mit dem wahren Leben und der Erfahrung, dass einmal etwas nicht nach den eigenen Vorstellungen geht, in Berührung; in einem Praktikum zum Beispiel. Arbeitgeber hingegen denken, dass der Praktikant oder die Praktikantin etwas lernen möchte, und hoffen zugleich auf Unterstützung und Entlastung bei der täglichen Arbeit. In einer PR-Agentur gehört es zum Alltag, Warenproben und Muster zu verschicken. Ach nein, sagt die Praktikantin, Päckchen packen sei nicht so ihr Ding, und überhaupt mache das zuhause die Mama.

In einer Werbeagentur mit der Aufgabe betraut, mögliche Lieferanten anzurufen, verkündet der Praktikant, er habe nicht vier Semester studiert, um so einen doofen Telefonjob zu machen. Aber selbst wenn solche Arbeiten gar nicht anfallen, in der Lokalredaktion einer großen Tageszeitung zum Beispiel sind Praktikanten nicht wirklich glücklich zu machen. Eine Studentin bricht ihr journalistisches Praktikum schon nach dem ersten Tag ab. Ihre Begründung: Man habe sich dort nicht genügend über ihr Kommen gefreut.

Also, liebe Arbeitgeber, bitte macht die langweiligen Arbeiten zukünftig selber und übt euch darin, überschwängliche Freude zu zeigen. Dann klappt's auch mit den Praktikanten.

Quelle: RP
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