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Studentenleben
Sauber ist nicht gleich sauber

Die Studentenzeit ist, glaubt man den älteren Generationen, die prägendste Zeit im Leben. Doch wenn die Eltern und Großeltern das so sagen, klingt es, als wäre es die Universität, die unseren Charakter formt und die Professoren wären die, die uns auf das Leben vorbereiten. In Wirklichkeit aber spielt das Studentenleben zumindest anfangs noch abseits von Hörsaal und Bibliothek. Es spielt in Clubs und Cafés und vor allem spielt es in den Studentenbuden.

Wie und mit wem der Student dort wohnt entscheidet wirklich darüber, wie tolerant und nervenstark er später durchs Leben geht. Demnach bin ich sicher, dass mich nichts mehr schocken kann. Vier Leute wohnen mit mir zusammen, zwei Franzosen, ein Ire, eine Spanierin. Ein ständiges Chaos zwischen den Sprachen also und ein noch viel schlimmeres Chaos in der Wohnung. Mit anderen Worten: Bei uns sieht es aus wie sau und ich - die überordentliche Deutsche - habe heute Putzplan Nummer sechs an die Wand gepinnt.

Mittlerweile konnte ich mich damit abfinden, dass alle eher vor als nach dem Essen abspülen. Aber es wäre schön, über den Fliesenboden laufen zu können, ohne mit dem Socken kleben zu bleiben. Oder wieder zwei funktionsfähige Waschbecken zu haben. Bei dem einen ist leider der Wasserhahn abgebrochen. Der nie entfernte Kalk hat sein Werk vollendet. Deshalb funktioniert es bei uns jetzt wie auf den Toiletten an Tankstellen: Wer geputzt hat, muss unterschreiben.

Mit Datum und Uhrzeit. Denn das Problem bei uns ist nicht, dass keiner was tut. Das Problem ist, dass es gerade bei den drei Herren hinterher schmutziger ist als vorher. Daher die Kontrolle: um dem Verantwortlichen zu zeigen, dass sein Verständnis von Sauberkeit ausbaufähig ist. Und wenn das nicht klappt, entwickle ich Putzplan Nummer sieben. Meine WG hat mich deutlich entspannter gemacht - sofern das bei einer überordentlichen Deutschen möglich ist.

Und meine Körperspannung hat sich ebenfalls verbessert: Es fühlt sich an, als könnte ich laufen, ohne mit meinen Socken tatsächlich den Boden zu berühren.

Quelle: RP
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