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Vier Hochschullehrer berichten
So lehrt man mit Erfolg

Vier Hochschullehrer berichten: So lehrt man mit Erfolg
Forschendes Lernen: Miriam Seidler (rechts) macht ihre Studenten – darunter Arnela Mujovic (links) und Eleonore Midel – zu Wissenschaftlern und ließ sie eine internationale germanistische Tagung organisieren. Hier präsentieren sie auf einem Poster die Ergebnisse ihrer Arbeit. FOTO: ANDREAS ENDERMANN
Düsseldorf. Der Professor hält dieselbe Vorlesung wie vor 20 Jahren, die Studenten träumen vor sich hin: Dass Hochschul-Lehre auch anders aussehen kann, beweisen die Träger des Lehrpreises der Universität Düsseldorf. Sie schafften es, ihre Studenten zu motivieren – und wurden von ihnen ausgezeichnet. Von Isabelle de Bortoli

Sie arbeiten in ganz unterschiedlichen Fächern mit völlig verschiedenen Themen und haben dennoch eine Gemeinsamkeit: Nadine Oberste-Hetbleck (Kunstgeschichte), Thomas Rotthoff (Medizin), Stefan Beutner (Chemie) und Miriam Seidler (Germanistik) haben gezeigt, wie man den universitären Lehrstoff packend und interessant vermittelt. Dafür bekamen sie den Lehrpreis der Heinrich-Heine- Universität Düsseldorf – nominiert wurden sie von den Studenten selbst. Wir stellen die vier Hochschullehrer vor.

Nadine Oberste-Hetbleck (Kunstgeschichte): Von Beginn ihrer Hochschulkarriere an hat Nadine Oberste-Hetbleck die Lehre als Chance verstanden, den Studenten ihre eigene Begeisterung für Themen zu vermitteln und sie zu motivieren, sich selbst mit dem Stoff intensiv zu beschäftigen. Die 33-Jährige arbeitet seit drei Jahren als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kunstgeschichte.

"Ich verstehe mich nicht primär als Wissensvermittlerin, sondern stärker als Lernberaterin und -begleiterin, die die Veranstaltungen so umfassend wie möglich vorbereitet, Material zu Verfügung stellt, eigene Fachkenntnisse einbringt und moderiert", sagt sie. Den Lehrpreis bekam sie für die Übung "Positionen expressiver figurativer Malerei, das Ausstellungsgeschehen und der Kunstmarkt der 1960er bis 1980er Jahre", in der es darum ging, Kunstwerke zu beschreiben, zu analysieren und in einen Kontext zu stellen.

Statt die Werke nur in Büchern oder auf dem Computer anzusehen, fuhr die Kunsthistorikerin mit den Studenten ins Museum. Die Gruppe sprach dort mit Verantwortlichen und erhielt so auch Einblicke in die Konzeption einer Ausstellung. "Gute, packende Lehre ist für mich gekennzeichnet durch die eigene Begeisterung für ein Thema, Authentizität des Lehrenden, Praxisbezug und damit ein forschendes Lehren und Lernen."

Thomas Rotthoff (Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Rheumatologie): In seiner eigenen Studienzeit erlebte Thomas Rotthoff viel Frontalunterricht. Da der Arzt aber vor seiner Rückkehr an der Uni in der Schulung von Diabetes-Patienten arbeitete, wusste er: Es geht auch anders. "Ich wollte mich mehr professionalisieren. Also habe ich den Master of Medical Education absolviert."

Der 44-Jährige versucht, den Studierenden Raum für eigene Entfaltung, Selbstständigkeit und Unabhängigkeit zu geben – damit Zufriedenheit und Leistung steigen. Ausgezeichnet wurde er für das Modul "Diabetes", in dem die Studierenden Behandlungskonzepte für Menschen mit Diabetes erarbeiten. "In interaktiven Arbeitsgruppen verknüpfen sie Grundlagenwissen mit konkreten Patientenfällen, lernen verschiedene Therapieformen anzuwenden, üben praktische Untersuchungstechniken und erfahren das Erleben der Krankheit aus der Sicht von Patienten. Und das über Workshops, E-Learning, Reflexionsübungen und Unterricht am Krankenbett."

Stefan Beutner (Organische Chemie): Mehrere Gruppen pro Jahr unterrichtet Stefan Beutner in der Übung "Organische Chemie". "Ich finde, dass gute, packende Lehre von heute sich nicht unbedingt von guter Lehre von vor 100 Jahren unterscheiden muss", sagt der 49-Jährige. "Das Wichtigste ist: Man muss den Studenten das Gefühl vermitteln, dass man selbst Spaß an der Sache hat. Wer als Lehrer nicht motiviert ist, kann auch sein Gegenüber nicht motivieren."

Die Übung, für die er den Lehrpreis bekam, ist eine Vorbereitung für eine Klausur und eigentlich sehr lehrerzentriert und rein theoretisch. "Aber auch bei solch einem Unterrichtsformat kommt es eben auf die Art an, wie man das Wissen präsentiert. Ich zum Beispiel arbeite viel mit Farben, wähle Darstellungen an der Tafel, die für die Studierenden einleuchtend sind.

Bunte Modelle veranschaulichen chemische Prozesse. Und ich arbeite nicht nur Aufgabe für Aufgabe ab, sondern versuche, eine Diskussion zu entfachen – und damit das Mitdenken. Denn in der Chemie gibt es meist nicht nur eine richtige Lösung." Sich auf jede Studentengruppe neu einstellen, Zugang finden und authentisch sein – das sind für Stefan Beutner die Grundpfeiler guter Hochschullehre.

Miriam Seidler (Germanistik): Für Miriam Seidler beginnt gute Hochschullehre immer bei der Motivation, und zwar auf beiden Seiten. Die 36-Jährige setzt auf forschendes Lernen, das heißt: Die Studierenden bilden in einem Seminar etwa verschiedene Expertengruppen, um Fragen zu beantworten. Oder: Sie bekommen erste kleine Forschungsaufgaben.

"Genauso habe ich auch das Seminar, für das ich ausgezeichnet wurde, angelegt", sagt sie. In "Weibliches Schreiben zwischen Aufklärung und Romantik: Sophie von La Roche und Bettine von Arnim" untersuchten die Studenten in kleinen Forschungsgruppen verschiedene Fragestellungen. Parallel organisierten sie eine internationale Tagung mit führenden La-Roche- und Von-Arnim-Forschern, die nach Düsseldorf kamen. Ihnen präsentierten sie ihre Ergebnisse und stiegen in die Diskussion ein. "So lernen die Studenten gleichzeitig typische Arbeiten eines Wissenschaftlers kennen und können eine Hochschulkarriere besser einschätzen", so Miriam Seidler. Sie selbst nutzt übrigens das "wirklich hervorragende Hochschuldidaktik- Programm" der Heinrich-Heine-Uni, um sich weiterzubilden.

(spol/chk)
 
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