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Jobsuche nach dem Studium
Top-Examen, 170 Bewerbungen, kein Job

So schwer kann die Jobsuche nach dem Studium sein
Für Geisteswissenschaftler ist die Jobsuche nach dem Studium teils schwer. FOTO: Kublin
Düsseldorf. Statistisch gesehen haben Studienabsolventen auf dem Arbeitsmarkt immer bessere Chancen. Drei bis vier Monate dauert die Jobsuche im Schnitt. Politikwissenschaftlerin Sandra aber sucht bereits seit anderthalb Jahren - vergeblich. Von Nicole Scharfetter

Ihr Studium hat Sandra mit der Note 1,3 abgeschlossen. Mit ihrem Bachelor in Politikwissenschaften bewarb sie sich gleich danach bei unterschiedlichen Unternehmen, auf ausgeschriebene Stellen und initiativ. Eineinhalb Jahre sind vergangen, 170 Bewerbungen verschickte sie. Doch es hagelte nur Absagen. "Mit Ausnahme einiger Aushilfsjobs hat mir bislang niemand eine feste Arbeitsstelle angeboten", sagt Sandra. Sie schrieb einen Brief an unsere Redaktion, weil sie nicht mehr weiterweiß.

Arbeitslosengeld II steht nicht zur Debatte

"Langsam aber sicher resigniere ich", sagt sie. Arbeitslosengeld I steht ihr nicht zu, weil sie nie zwölf Monate gearbeitet hat. Arbeitslosengeld II steht nicht zur Debatte, weil noch ein paar Ersparnisse da seien. "Wenn die aufgebraucht sind, geht ein junger Mensch vom Studium direkt in die Sozialhilfe", klagt die junge Frau.

Glücklicherweise teilen Sandras Schicksal inzwischen aber nur noch wenige Akademiker. "Die Zahl Erwerbstätiger mit Hochschulabschluss stieg 2014 auf 8,3 Millionen. Die Arbeitslosenquote ist mit 2,6 Prozent sehr gering", sagt Christoph Löhr von der Bundesagentur für Arbeit. "Dass Geisteswissenschaftler nach ihrem Abschluss Taxifahren müssen, stimmt heute nicht mehr", so Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk. Zwischen drei und vier Prozent der Absolventen seien ein Jahr nach ihrem Hochschul-Abschluss arbeitslos, sagt Grob, der sich auf Zahlen des Statistischen Bundesamts beruft.

Das Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird, hat jetzt eine Studie zu den Werdegängen der Bachelor- und Masterabsolventen des Prüfungsjahrgangs 2013 veröffentlicht. Befragt wurden 75.000 Akademiker, die im Wintersemester 2012/13 oder Sommersemester 2013 ihren Bachelor oder Master an einer Universität oder Fachhochschule gemacht haben.

Fachhochschul-Abschlüsse mit besseren Chancen

Innerhalb der ersten 18 Monate nach dem Abschluss haben neun von zehn Masterabsolventen einen Arbeitsvertrag unterschrieben. Wer an einer Fachhochschule studiert hat, hatte bessere Chancen auf einen unbefristeten Vertrag.

Jeder zweite FH-Bachelor trat bereits mit der ersten Anstellung in ein solches Arbeitsverhältnis, bei den Mastern waren es sogar 60 Prozent. Nur 32 Prozent der Bachelor-Absolventen von der Uni fanden gleich nach dem Studium einen unbefristeten Job, bei den Mastern war es sogar nur jeder Vierte.

Trotzdem: "Der Einstieg ins Berufsleben gelingt den Bachelor- und Masterabsolventen immer besser", sagt Bundesbildungsministerin Johanna Wanka. Besonders nachgefragt seien Absolventen der "MINT"-Bereiche, das heißt Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Weniger gefragt dagegen seien Absolventen von Studienfächern, für die es keine maßgeschneiderten Berufsbilder gebe.

Übergang vom Studium in den Beruf nicht immer reibungslos

Das DZHW hat in seiner Studie außerdem herausgefunden, dass die Absolventen beider Hochschultypen im Schnitt drei bis vier Monate nach einer Stelle suchten. Mehr als 60 Prozent der FH-Absolventen finden einen Job, der dem Abschlussniveau entspricht oder sogar darüber liegt. Bei den Master-Absolventen der Unis waren es sogar 76 Prozent. Von den Bachelor-Absolventen dagegen fand nicht mal die Hälfte einen entsprechenden Beruf.

"Der Übergang vom Studium in den Beruf ist nicht immer reibungslos", sagt Christoph Löhr von der Bundesagentur für Arbeit. "Aber Akademiker werden gebraucht." Einzig die fehlende Erfahrung könne ein Hindernis sein. Löhr empfiehlt Praktika schon während des Studiums. Am häufigsten haben sich die Hochschulabsolventen auf eine ausgeschriebene Stelle beworben und so eine Anstellung gefunden. Die Suche nach einer Stelle aus einem studienbegleitenden Praktikum heraus ist nach Angaben des DZHW vor allem für die Bachelor zielführend gewesen.

Am meisten verdient ein FH-Master

Andere Absolventen fanden über Freunde und Bekannte einen Job, und wieder andere - insbesondere Ingenieurwissenschaftler - waren erfolgreich bei der Stellensuche aufgrund einer spezifischen Studien- und Abschlussarbeit. Insgesamt sind die Master-Absolventen mit ihrer Position zufriedener als Bachelor-Absolventen. Unter anderem, weil sie ein höheres Bruttoeinkommen haben. Am meisten verdient ein FH-Master - im Schnitt 40.200 Euro im Jahr.

Als Politologin könne Sandra eine akademische Karriere anstreben oder auch Lehrerin werden, empfiehlt Christoph Löhr. Außerdem hat sie die Möglichkeit, einen Master zu machen und sich damit zu spezialisieren. "Andere auf Politologie zugeschnittene Berufsbilder gibt es kaum", sagt Löhr.

Immerhin hätten Politikwissenschaften gemessen an der Entwicklung der Erwerbstätigen in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Etwa 57.000 Politologen seien im Jahr 2014 tätig gewesen, was gegenüber 2005 eine Zunahme von zwei Dritteln bedeutet.

Quelle: RP
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