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Berlin
Sportstudenten sind seltener gestresst

Berlin. Einer neuen Studie zufolge fühlt sich die Hälfte aller Studenten überfordert.

Rund 2,8 Millionen Studierende starten ins Wintersemester. "Von wegen lange schlafen und Party machen" - so warnt das Deutsche Studentenwerk vor Klischees. Eine aktuelle Umfrage ermittelt massive Stressgefühle bei gut der Hälfte aller Studenten.

Vorurteile über das Studentenleben halten sich dennoch hartnäckig. "Die schlafen lange" und "machen viel Party" - solche Einschätzungen hörte das Deutsche Studentenwerk (DSW) kürzlich bei einer Sozialerhebung. Diese soll bis Sommer 2017 aktuelle Daten und Fakten zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Studenten in Deutschland liefern. Was weiß man derzeit?

Die Anzahl der Studenten steigt: 2,8 Millionen Studenten gibt es im Wintersemester 2016/17, und zwar überwiegend an den rund 240 staatlichen Hochschulen - Tendenz steigend. Seit Jahren strömen jeweils 500.000 Erstsemester an die Unis, auch immer mehr Ausländer, für die Deutschland ein attraktiver Hochschulstandort ist. Etwa ein Viertel der Studierenden hat einen Migrationshintergrund - und immer noch die Hälfte hat Eltern mit akademischem Abschluss. Etwa die Hälfte der Studenten (53 Prozent) fühlt sich nach einer Umfrage massiv überfordert, ihr Stressgefühl ist also ausgeprägter als bei Beschäftigten in regulären Jobs (50 Prozent). Tiermedizinerin an einer staatlichen Uni in Nordrhein-Westfalen - so beschreibt ein neuer Bericht der AOK den typischen Stress-Studenten; das relaxte Gegenstück ist männlich und studiert Sport an einer privaten Hochschule in Rheinland-Pfalz.

Einen Grund für den hohen Belastungsgrad bei Studenten sehen Wissenschaftler aus Potsdam und Hohenheim in der "Bologna-Reform" von 1999 zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulraumes, die mit verstärktem Prüfungsstress einherging. Allerdings sei in Deutschland die Widerstandsfähigkeit im Umgang mit Belastungen bei Studierenden auch besonders gering ausgeprägt.

Laut DSW wenden Studenten in Deutschland im Schnitt 35 Wochenstunden für Vorlesungen, Seminare, Hausarbeiten und Recherchen an ihrer Uni auf, hinzu kommen etwa sieben Stunden für Nebenjobs. Und gut jeder Fünfte muss neben der Hochschule für seinen Lebensunterhalt so viel arbeiten, dass er "faktisch Teilzeit" studiert, ergab die Sozialerhebung 2012. Zugleich soll ein Bachelor-Student nach nur sechs Semestern den ersten akademischen Abschluss erreichen - im Prüfungsjahr 2014 schafften es gleichwohl nur 46 Prozent in der Regelstudienzeit.

Knapp drei Milliarden Euro ließ sich der Staat die Ausbildungsförderung im Vorjahr kosten. Damit wurden nach neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes 611.000 Studierende gefördert - vor vier Jahren waren es 60.000 mehr. Mit der zum Wintersemester 2016/17 umgesetzten Bafög-Reform wird nun manches besser: Es gibt mehr Geld und so steigt der Höchstsatz für Studierende, die nicht bei den Eltern wohnen, von 670 auf 735 Euro. Der Kreis der Geförderten soll um 110.000 Studenten wachsen.

Ein weiteres Problem ist der aktuell bundesweit schwierige Wohnungsmarkt: Gut 37 Prozent mehr Miete als vor sechs Jahren müssen Studierende für eine Wohnung in Berlin bezahlen, selbst in Osnabrück sieht es ähnlich aus. "Der Anteil derjenigen, die als Studenten noch bei den Eltern wohnen, könnte anwachsen", sagte DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde.

Trotz steigender Kosten werden immer weniger Studienkredite in Anspruch genommen. Die Zahl der 2015 abgeschlossenen Kreditverträge sank im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent. "Es gibt in Deutschland eine Mentalität, sich möglichst wenig zu verschulden", sagte Meyer auf der Heyde. Stipendien haben eine eher durchwachsene Bilanz: So erhielten im Vorjahr gerade mal 24.300 Studierende das vom Bund geförderte "Deutschlandstipendium".

(dpa)
 
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