| 09.31 Uhr

Studentenleben
Sprünge, Sprints und lange Wege

In unserem Freundeskreis tritt seit längerem ein interessantes Phänomen auf: Treffen, die zur vollen Stunde geplant waren, beginnen regelmäßig 15 Minuten zu spät, weil sich das akademische Viertel in unsere Freizeitplanung eingebrannt hat. Im Uni-Alltag entwickelt sich dieses Viertel jedoch manchmal zu einem akademischen Drittel oder mehr, und man fällt, ob selbst verschuldet oder nicht, in die Gruppe der Unpünktlichen. Die meisten sind dabei bemüht, ihre Verspätung zu einer Vorlesung möglichst zu überdecken. In der Regel geschieht das, indem sie mit einem peinlich berührten Gesichtsausdruck die Hörsaaltür behutsam schließen und sich dann dezent auf einen freien Platz schleichen. Doch nicht jedem gelingt das. Manchmal fehlt offenbar schon der gute Wille, etwa bei diesem Beispiel: Mit einer Viertelstunde Verspätung betrat ein Kommilitone den Hörsaal, ging bis in die erste Reihe und begrüßte die dort sitzenden Freunde einzeln mit Handschlag. Erst dann suchte er sich einen Platz in einer der hinteren Reihen. Von Anne Blauth

Doch auch, wenn der gute Wille vorhanden ist, kann die Unpünktlichkeit manchmal nicht so kaschiert werden, wie geplant: Vor einigen Tagen präsentierte ein verspäteter Kommilitone uns während der Vorlesung eine seltsame Mischung aus einem Sprint und mehreren Sprüngen, die ihm offenbar dabei helfen sollte, möglichst schnell auf einen freien Platz zu gelangen und dann in der Anonymität der Masse zu verschwinden. Ersteres gelang. Angesichts des känguruartigen Auftritts zog er aber die Aufmerksamkeit des gesamten Publikums auf sich und ließ auch den Dozenten verdutzt zurück. Der nahm den Faden jedoch mit routinierter Gelassenheit schnell wieder auf. Dass das nicht selbstverständlich ist, zeigte eine andere Vorlesung: Dort kam ein Kommilitone zu spät und vergaß dabei, die Tür zu schließen. Die Reaktion des Dozenten war der Ausruf: "Tür zu! Das ist ja wie bei meinen Kindern, denen muss ich das auch immer sagen!" Mit hochrotem Kopf legte der Kommilitone daraufhin einen sehr langen Weg durch den Hörsaal zurück, um dem Befehl Folge zu leisten.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Studentenleben: Sprünge, Sprints und lange Wege


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.