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Düsseldorf
Stressfrei durch die Klausurphase

Düsseldorf. Semesterferienzeit ist für Studierende auch Prüfungszeit. Doch es gibt Tipps und Tricks, um sich auf die Klausuren vorzubereiten. Dabei ist eine optimale Vorbereitung facettenreich - von Lernplänen bis zur Ernährung. Von Jessica Balleer

Die vorlesungsfreie Zeit ist alles andere ist als eine entspannte Ferienzeit. Mit dem Semesterende beginnt die Klausurphase. Diese Zeit ist arbeitsintensiv, aber schädlichem Stress kann man vorbeugen. Die Prüfungstage erfolgreich zu überstehen, hat jeder Student selbst in der Hand. Eine gute Planung ist der erste Schritt. Davon ist auch Werner Heister überzeugt, Dozent an der Hochschule Niederrhein. Heister und seine Co-Autorin Margret Finke haben das erste Kapitel ihres Lernratgebers "Der Prüfungs-Coach" dem Thema Organisation gewidmet.

Darin berücksichtigen die Dozenten sowohl Aspekte des Zeitmanagements als auch der Neurowissenschaft und der Psychologie. Der erste Rat an die Studierenden lautet, eigene Ziele zu definieren und sich danach die Lernzeit einzuteilen: Material vorbereiten (20 Prozent), Lernstoff aufbereiten (40 Prozent), Einprägen (30 Prozent) und Wiederholen (10 Prozent) ist eine Grobplanung, als Basis für den Tagesplan.

Wie früh sollte man sich auf die Zeit der Klausuren vorbereiten?

Heister Prüfungsvorbereitung besteht aus verschiedenen Aspekten. Und die Lernzeit hängt vom jeweiligen Fach ab. Wenn Sie sich ernsthaft und akribisch auf vier, fünf Prüfungen vorbereiten müssen, sollten Sie vier Monate Vorlauf einplanen.

Wer mental und thematisch organisiert ist und seine Ziele kennt, gelangt in eine zweite Phase: das Bestimmen des Leitmediums. Meist sind das die eigenen Mitschriften oder Folien aus der Vorlesung. Eine crossmediale Vorbereitung mit Internetquellen kann ratsam sein - die richtige Auswahl der Materialien ist essentiell. Stress entsteht, wenn die Materialien unübersichtlich sind. In vielen Fällen darf man Prüfungsunterlagen mit in die Klausur nehmen. Doch wer das darf, für den minimiert sich der Lernaufwand keineswegs. Die "Open-Book-Prüfungen" fragen lediglich ein anderes Wissen ab: Hier heißt das Lernziel Begreifen und Anwenden. Es gilt, die Prüfungsaufgabe richtig zu verstehen und dann zu wissen, wo genau die Informationen in den eigenen Unterlagen zu finden sind.

Motivationsprobleme sind bei vielen Studierenden ein Thema. Die eigene Einstellung ist entscheidend für Erfolg oder Misserfolg. Das Lernsetting wechseln, dem Stoff eine Relevanz zuordnen und sich selbst für Fortschritte zu belohnen sind Tricks, die für ein gutes Gefühl sorgen können. Auch das Lernen in Gruppen kann dabei helfen, wie Hirnforscher Manfred Spitzer in seinen Studien nachweisen konnte.

Wie kann Gruppenlernen funktionieren?

Heister Entscheidend ist, dass die Gruppe gut ist. Es braucht Mitglieder, die zu einem passen. Wenn man sich unterhält oder Themen spielerisch erarbeitet, verändert sich das Nachdenken darüber und das Behalten fällt deutlich leichter.

Immer häufiger sind in Lernratgebern Tipps zum spielerischen Lernen zu finden. Heister und Finke favorisieren Mind-Maps, die das visuelle Lernen erleichtern, aber auch Gruppenspiele wie "Stadt, Land Fluss" (dem Thema angepasst), Lückentexte oder Lernquiz. Problemlos ist auch das Arbeiten auf Online-Plattformen wie "Google Docs" oder die kostenlose Mind-Map-Software "XMind".

All das aber erfordert viel Zeit. Aus Sicht der Studierenden erscheinen solche Ratschläge wenig realistisch, wenn man sich parallel auf mehrere Prüfungen vorbereitet. Zumal gerade Social-Media-Tools wie YouTube, Facebook oder Whatsapp weniger als Lernhilfe, als vielmehr eine Versuchung sind, sich abzulenken. Vor diesen "Fallen" ist aber geschützt, wer sich einen Tagesplan aufgestellt und den konsequent einhält.

Wie bereitet man sich auf mehrere Klausuren gleichzeitig vor?

Heister Die Einheiten sollten sich abwechseln. Sie könnten sich 20 bis 30 Minuten mit Thema 1 beschäftigen, und dann, nach einem kurzen Durchatmen, wechseln Sie für 30 Minuten zu Thema 2. Das Gehirn ist neugierig und liebt es, immer neue Aspekte im Wechsel zu behandeln. Wer mit Neugierde lernt, der behält den Inhalt auch nachhaltiger.

Insbesondere für den Tagesplan gibt es keine allgemeingültigen Aussagen von Wissenschaftlern und Autoren. Einigkeit herrscht darüber, dass der eigene Biorhythmus wichtig ist. Den Wecker auf sechs Uhr zu stellen, wenn man sonst erst um acht Uhr aufsteht, ist nicht lernfördernd. Beispielhaft gibt Heister an, dass man sich von morgens bis mittags auf zwei Klausuren vorbereitet - eine kurze Pause inklusive. Nach dem Mittagessen bis zum Abendessen könnten Prüfung 3 und 4 auf dem Plan stehen - wieder mit kurzer Pause dazwischen. Dieser Tagesplan wäre das Gerüst, allein die Uhrzeit der Blöcke (morgens Prüfung 3 und 4, nachmittags Prüfung 1 und 2) könnte variieren.

Wie kann man Pausen gestalten?

Heister Regelmäßige Erholung erhöht nachweislich den Arbeitserfolg. Bei zehnminütigen Pausen verlässt man den Schreibtisch nicht, schließt kurz die Augen und denkt an etwas Angenehmes. Alle 25 Minuten sollte man fünf Minuten durchatmen und alle zwei Stunden etwa 20 Minuten abschalten. Die Signale, die der Körper sendet, sollte man wahrnehmen.

Wer nebenher arbeiten geht, dem rät der "Prüfungs-Coach", sich pro Tag nur auf maximal zwei Prüfungen vorzubereiten. Eines gilt für alle: Spätestens nach dem Abendessen sollte Raum für Freizeit und Entspannung bleiben. Der Pädagoge Alfred Bandura spricht von "self-efficacy", der Selbstwirksamkeit.

Was hilft gegen Lampenfieber?

Heister Wer entspannt ist, der ist im Vorteil. Ich finde den bewährten Ratschlag gut, sich die Prüfer in Unterhosen vorzustellen. Sagen Sie sich: "Andere haben das geschafft, dann schaffe ich das auch!"

Die Vorbereitung ist also facettenreich. Lernratgeber können einen Anstoß geben und bei der Struktur helfen. Klar ist aber: Es sind nicht nur Lernpläne, sondern auch ausreichend Schlaf, sportliche Betätigung und eine gute Ernährung wichtig. Der Schokoriegel ist verführerisch, der Zucker darin aber hilft nur kurzfristig - belastet das Gewissen aber langfristig. "Brainfood" ist die bessere Alternative. Dazu zählen Nüsse, Obst und Gemüse.

Quelle: RP
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