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Studentenleben
Studieren in der Erasmusblase

Sie wirken fast wie Erstsemester, nur dass sie noch ein bisschen hilfloser durch die Flure der Uni in Lyon tapsen. Französisch sprechen sie kaum,welche Kurse sie brauchen, wissen sie auch nicht, aber ein Ziel haben sie trotzdem fest vor Augen: Sie wollen auf keinen Fall in die Erasmusblase. Dabei geht es ihnen natürlich nicht um das Organ eines gewissen Herrn von Rotterdam, sondern um ein unter uns Austauschstudenten verpöntes Phänomen: Das Leben in einer Parallelgesellschaft mit nur englisch sprechenden Freunden aus aller Welt aber ohne wirkliche Kontakte zu den Einheimischen. Von Eva Böning

Mit genau dieser Einstellung bin auch ich nach Lyon gekommen. Deshalb habe ich hier anfangs auch alle gemieden, die nicht zumindest Kanadier waren. Die Deutschen habe ich getrost ganz ignoriert. Wie peinlich wäre es auch gewesen, auf Facebook in einem Foto mit anderen verlinkt zu werden, die ebenfalls das typisch deutsche ä, ö oder ü im Namen haben, nachdem man noch zuhause mit dem Umzug in einen anderen Kulturkreis angegeben hatte. Doch Einstellungen ändern sich. Und sicher bin ich hier, um die Sprache zu lernen, aber den Kontakt zu interessanten Leuten, die etwas Interessantes zu sagen haben, sollte das nicht ausschließen.

Auf unserer letzten WG-Party hatten wir 30 Bekannte da, 20 Nationen waren vertreten. Die Themen waren interessanter, als wenn wir nur Franzosen eingeladen hätten. Und das Gefühl, dass ein solcher Abend für meine Großeltern noch undenkbar gewesen wäre, hat etwas Berauschendes. Kurzum: Dann und wann bin ich ganz gerne in ihr, der verpönten Erasmusblase.

Quelle: RP
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