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München
Tipps gegen Prüfungsstress

München. Wenn alles zu viel wird kurz vor dem Examen, muss man für Ausgleich sorgen und Rat einholen. Von Friederike Ebeling

Bald schon steht das Hammerexamen an. Sechs Prüfungen à fünf Stunden, in denen der komplette Inhalt eines Jura-Studiums abgefragt werden kann. Seit über einem Jahr wälzt Marie-Therese Ziereis nun schon Paragrafen, löst Rechtsfälle und schreibt regelmäßig Probeklausuren. Auch am Wochenende. Zeit für sich und Freunde bleibt da kaum. Die Studentin der Ludwig-Maximilians-Universität in München weiß, wofür sie das macht. Wer im Staatsexamen nicht glänzt, hat später im Berufsleben schlechte Karten. In kaum einem anderen Studienfach spielt die Examensnote eine so große Rolle. "Nur mit einem Prädikatsexamen hat man eine Chance auf bestimmte Berufe im juristischen Bereich", erklärt Ziereis. Das baut Druck auf.

Der Leistungsdruck im Jura-Studium ist sicherlich extrem. Aber auch in vielen anderen Studiengängen haben Studierende zum Teil großen Stress. Manchem macht das hohe Lernpensum zu schaffen, andere plagen Geldsorgen. Nicht alle halten das auf Dauer aus: Der Druck kann zu Kopf- und Rückenschmerzen, zu Herz-Kreislauf-Problemen oder Depressionen führen, sagt Alfred Leurpendeur. Er hat die psychologische Beratung an der Technischen Hochschule Ingolstadt aufgebaut. In seiner Sprechstunde sitzen immer wieder Studenten, die über Einschlaf- oder Durchschlafprobleme klagen. Andere weinen regelmäßig vor Überforderung.

Dass Studenten zum Teil unter großem Druck stehen, ist laut einer Studie des Deutschen Studentenwerks keine Ausnahme. Danach hat mehr als jeder Zweite häufig Stress. Laut Leurpendeur liegt das auch daran, dass sich der Alltag vieler Studierender durch neue Technologien enorm beschleunigt und das zu einer permanenten Belastung führt.

Ziereis hat hier bewusst gegengesteuert. Sie hat ihren Freiversuch im Staatsexamen im vergangenen Jahr ausgelassen. Beim Freiversuch können Studierende zur Prüfung antreten. Ob das Ergebnis zählen soll, können sie hinterher frei entscheiden. Sie empfiehlt, das Studium schon ab dem ersten Semester ernstzunehmen. Das nehme den Druck am Ende. Außerdem steht sie um 8 Uhr auf. Das gibt Struktur. Im Lernalltag achtet sie darauf, dass sie sich Zeit für die Mittagspause nimmt. Um nicht zu vereinsamen, verabredet sie sich meist mit Freunden in einer Lerngemeinschaft.

Aber auch Ziereis kennt Momente, in denen die Konzentration nachlässt. Dann liest sie einen Paragrafen zum fünften Mal und hat ihn immer noch nicht verstanden. In solchen Situationen hilft nur, Pause zu machen. Ein kleiner Spaziergang um den Block kann die Denkblockade lösen, rät Psychologin Hanna Feld. Wichtig sind Phasen, in denen Studenten nicht erreichbar sind: also das Handy ausschalten und den Laptop zuklappen. Feld rät zu einem ausgewogenen Mix aus Sport, Schlaf, guter Ernährung und Entspannung. Und zu regelmäßigen Auszeiten. Falls Stresssymptome dennoch auftreten, sind die Experten in den Beratungsstellen der Studentenwerke gute Ansprechpartner.

(dpa)
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