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Düsseldorf
Traumstudium: Medizin

Düsseldorf. Abiturienten, die die Zulassungsanforderung nicht erfüllen, können mit Boni ihre Note aufbessern. Von Karin Wilcke

Dass sich für Medizin nur jene Abiturienten einschreiben dürfen, die ein Zeugnis mit einem Einser-Schnitt vorzeigen können, ist ein Irrtum. Wer die Zeit investiert und auf der zentralen Bewerbungsplattform von Hochschulstart ein bisschen stöbert, der findet die Hochschulen, an denen die Chancen auf einen Studienplatz am besten stehen. Auf der Plattform gibt es die Liste mit den "Auswahlverfahren der Hochschulen". Über diese Verfahren werden 60 Prozent aller Studienplätze vergeben. 20 Prozent dieser Plätze gehen an die Abiturbesten, also die Abiturienten mit einem Notenschnitt von 1,0 oder besser, weitere 20 Prozent werden an Bewerber vergeben, die die enorm lange Wartezeit von 14 Semestern für Medizin oder zwölf Semestern für Zahnmedizin vorweisen können.

Im Auswahlverfahren der Hochschulen dürfen Universitäten eigene Kriterien für die Zulassung zum Studium aufstellen. Viele machen es sich leicht und sehen ausschließlich auf die Abi-Note. So war im letzten Jahr in Düsseldorf und Bonn ein Schnitt von 1,2 nötig, in Aachen und Köln sogar 1,1. Für Zahnmedizin hingegen konnte man sich in Aachen, Bonn, Marburg und an der Uni Saarland noch mit der Note 1,6 einschreiben.

Aber selbst einen Schnitt von 1,6 muss man erstmal schaffen. Aber keine Sorge: Es gibt auch noch andere Möglichkeiten, sich um das Fach zu bewerben. Die Bochumer Universität und weitere 20 Hochschulen belohnen die Abiturienten, die freiwillig den Medizinertest (TMS) absolvieren und darin besonders gut abschneiden. Der TMS wird immer Anfang Mai an mehr als 40 Orten in ganz Deutschland angeboten. Wer in unserer Region am TMS teilnehmen will - Oberhausen oder Bochum -, der sollte sich früh anmelden, schon im Dezember des Vorjahres. Der Test dauert einen ganzen Tag, kostet 73 Euro, und man darf ihn nur einmal ablegen. Das Gute am TMS: Man kann das Abi damit verbessern, verschlechtern kann man sich nicht. Die besten zehn Prozent der Testteilnehmer können ihre Abi-Note bei vielen Unis deutlich anheben, in Erlangen-Nürnberg, Marburg, München und Regensburg sogar um 0,8. Das heißt, wenn man mit einem Abiturdurchschnitt von 2,0 zu den Testbesten gehört, hat man rein rechnerisch an diesen Hochschulen einen Schnitt von 1,2 und damit einen Studienplatz. Manche Unis geben den Test-Absolventen einen Bonus, wenn sie zu den besten 40 Prozent gehören. Für Zahnmedizin gilt der TMS übrigens auch, hier sind es 15 Universitäten, die ein besonders gutes Abschneiden belohnen.

Die Unis Hamburg, Magdeburg und Berliner Charité haben einen eigenen Test mit naturwissenschaftlichen Fragen entwickelt, den man vor einer Bewerbung absolviert haben muss. Diesen HAM-Nat-Test darf man sogar wiederholen. Für gute Noten in den Fächern Mathematik, Physik, Chemie und Biologie gibt es an einigen Hochschulen ebenfalls einen Bonus.

Viele Universitäten rechnen eine abgeschlossene Ausbildung in einem medizinnahen Beruf mit einer Verbesserung der Abinote bis zu 0,5 an. Die anerkannten Berufe sind von den einzelnen Unis aufgelistet.

Das außergewöhnliche Engagement, für das eine Notenverbesserung in Aussicht gestellt wird, ist oft überschätzt. Wer hat schon einen ersten Preis bei "Jugend forscht" erhalten? Oder war gar Sportler in der Nationalmannschaft und nahm an olympischen Spielen teil? Dabei stehen die Spitzenathleten auch nicht besser da, als diejenigen, die einen Freiwilligendienst geleistet haben - maximal 0,2 Punkte Gutschrift gibt es dafür.

Durch die Kombination unterschiedlicher Bonusmöglichkeiten kann man an ausgewählten Unis die Abiturnote sogar um 1,1 verbessern. Zudem laden viele Hochschulen ihre Bewerber auch noch zu Auswahlgesprächen ein. Hier kann es um Wissen, die Motivation zum Studium und zum Arztberuf gehen. Und als wäre das alles noch nicht kompliziert genug, gibt es auch noch das Kriterium der Ortspräferenz.

Quelle: RP
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