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Berlin
Was Engagement an der Uni bringt

Berlin. An den Hochschulen bestehen vielfältige Chancen, sich einzubringen.

Seit der Bologna-Reform rasen viele Studenten durchs Studium. Das Ziel: ein Bachelorabschluss in der Regelstudienzeit. Mancher ist mit den Studienbedingungen unzufrieden, doch die wenigsten engagieren sich. Für Ronja Hesse war schon in der Einführungswoche klar: Sie wollte sich in der Hochschulpolitik engagieren. "Ich habe mich sehr darüber geärgert, wie meine Einführungswoche organisiert war", erzählt die Studentin von der Leuphana-Universität in Lüneburg. Bei einer Art Planspiel ging es darum, ein Konzept zur Unternehmensgründung vorzulegen. Bis zu neun Stunden täglich, kaum Pausen, strenge Abgabefristen - die Einführungswoche beschreibt sie als "Mega-Power-Programm", bei dem zu viel Druck gemacht wurde. Sie wurde nach der ersten Uni-Woche aktiv und ließ sich ins Studierendenparlament wählen. Dort lernte sie die Arbeit des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) kennen. Inzwischen ist sie Sprecherin des Astas an ihrer Uni.

Der Asta ist die Studierendenvertretung der Hochschule. Er wird in der Regel vom Studierendenparlament gewählt und ist das ausführende Organ des Parlaments. Themen sind oft in sogenannten Referaten organisiert - beispielsweise im Finanzreferat oder im Referat für Sozialpolitik. Darüber hinaus organisiert der Asta häufig Hilfsangebote für Studenten, etwa die Bafög-Beratung oder Beratungen für Studierende mit Kind. Das Angebot hängt von der Hochschule ab. An manchen Unis gibt es anstelle des Astas einen Studentenrat (StuRa). In Bayern existieren sogenannte unabhängige Studierendenschaften.

Finanziert wird die Arbeit des Asta durch den Studierendenbeitrag, den jeder Student pro Semester entrichten muss. An der Technischen Universität Berlin sind das beispielsweise 9,10 Euro von insgesamt 303,39 Euro Semesterbeitrag. Die Beträge variieren allerdings von Hochschule zu Hochschule.

"Als Student ist man mitgestaltendes und mitbestimmendes Mitglied und nicht etwa Kunde", erklärt Stefan Grob, Sprecher des Deutschen Studentenwerks. Alarmierend findet er, dass die Beteiligung an studentischen Parlamentswahlen regelmäßig mit rund zehn Prozent extrem niedrig ausfällt.

Dass aktuell viele Studenten Desinteresse bei Studierendenparlamentswahlen zeigen, führt Eckhard Priller auf den Bologna-Prozess zurück. "Die Verringerung der Studienzeiten und Erhöhung der Anzahl der wöchentlichen Lehrbelastung hat zu Einschränkungen von Freiräumen für das Engagement geführt", sagt der Soziologe. Grob weist aber darauf hin, dass Studenten sich nach wie vor stark ehrenamtlich einbringen. Allerdings werde das Engagement sprunghafter, und Studenten engagierten sich kurzfristiger. Studierende erhalten beim Asta für gewöhnlich kein Geld. Bei der Mitarbeit in Referaten kann es je nach Hochschule anders aussehen: Ein Engagement beim Asta kann unter Umständen die Bezugsdauer des Bafögs verlängern.

Soziales Engagement kann sich für Studenten auch auf die Bewerbungssituation bei potenziellen Arbeitgebern auswirken. "Wenn jemand sein Studium in einer gewissen Zeit abgeschlossen hat und sich dazu noch sozial engagiert hat, ist das positiv zu bewerten", erklärt Karriereberaterin Susanne Rausch.

(dpa)
 
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