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Kolumne Professoren-Leben
Weg mit den Büchern?

Gedichte werden heute bereits von Algorithmen geschrieben: Aus Twitter-Nachrichten werden Sonette, in die man sogar Sinn hineinlesen kann. Google-Books erschließt die Inhalte von Millionen von Büchern - kostenlos, per Mausklick. Video-Lectures sind die Lehrbücher der Zukunft. Ausgerechnet ein Bibliotheksdirektor hat angesichts des Siegeszugs digital verfügbarer Wissensbestände das Ende der klassischen Bibliothek verkündet. "Mit der Volksbildung sind die öffentlichen Bibliotheken gekommen, mit dem Internet gehen sie wieder. Ist das ein Problem?", fragte der Direktor der Bibliothek. Wahrscheinlich ist es richtiger vom Funktionswandel statt vom Ende der Bibliotheken auszugehen. Vielleicht sind wir gerade angesichts unüberschaubarer Informationsfluten immer mehr auf verlässliche Lotsen angewiesen, auf digitale Hilfsmittel und Einführungsangebote, die dabei helfen, das Relevante eines Fachgebiets vom Angebot kommerzieller Trittbrettfahrer zu unterscheiden. Und vielleicht brauchen wir gerade in Zeiten allgegenwärtiger Erreichbarkeit das Bibliotheksambiente als einen ein bisschen Ehrfurcht einflößenden Ort disziplinierter geistiger Arbeit. Gleichsam als symbolisches Funkloch. Von Heiner Barz

Noch schützt das Urheberrecht davor, dass Bücher komplett online zur Verfügung gestellt werden dürfen. Sie dürfen nur innerhalb der Bibliotheken selbst an elektronischen Leseplätzen angeboten werden - auch ohne Einwilligung des Verlags, so die höchstrichterliche Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs im letzten Jahr. Hochschulen, deren Bibliotheken die neuen Herausforderungen nicht bejammern, sondern ihre Nutzer durch neue zukunftsfähige Service-Leistungen in der Bewältigung unterstützen, dürfen sich glücklich schätzen. Wenigstens in diesem Punkt haben wir in Düsseldorf übrigens Glück gehabt. Regelmäßig steht unsere Universitäts- und Landesbibliothek im "BIX", dem deutschlandweiten Bibliotheksindex in den Top Ten, in NRW unangefochten auf Platz eins. Es wäre fatal, wenn dieser Schatz kurzsichtiger Sparpolitik geopfert würde.

Quelle: RP
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