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Düsseldorf
Wenn ein Dr. med. den apl. Prof. operiert

Düsseldorf. Als Student begegnet man an der Universität vielen verschiedenen Titeln und Graden: Was ist eigentlich ein Juniorprofessor? Wie bekommt man den Doktor ehrenhalber? Wir beleuchten die verschiedenen Bezeichnungen. Von Isabelle de Bortoli

Als Ulrich von Alemann, Professor der Universität Düsseldorf, sein Studium in Bonn begann, war der "Dr." der einzige akademische Abschluss an seiner Fakultät. Diplom, Master, Bachelor - alles noch nicht bekannt an vielen Universitäten. "Man studierte also, um am Ende den Doktortitel zu erlangen." Heute ist das anders - das Doktorandenstudium schließt sich erst an den Master-Abschluss an. Ulrich von Alemann erläutert die wichtigsten Titel und Grade im universitären Alltag.

Doktor

Der höchste akademische Grad. Promovieren kann nur, wer ein abgeschlossenes Hochschulstudium von mindestens acht Semestern vorweist. Wie lange die Promotion dauert, ist nicht genau festgelegt - je nach Fachkultur können das zwei bis fünf Jahre sein, in denen man selbstständig forscht und an seiner Dissertation - der Doktorarbeit - schreibt. "In den Wirtschaftswissenschaften beispielsweise wird eher in kurzer Zeit promoviert, während eine Doktorarbeit in Geschichte oder Philosophie schon mal 500 Seiten lang sein und fünf Jahre beanspruchen kann", sagt von Alemann. Eine Ausnahme seien Mediziner: "Dort arbeitet man seine relativ kleine Forschungsarbeit schon während des Studiums aus." Auch bei den Juristen sei die Doktorarbeit meist nicht lang, aber für den späteren Karriereweg seien die Noten der Staatsexamen entscheidend.

Dr. des.

Der doctor designatus bedeutet, dass der Doktorand alle nötigen Prüfungen bestanden hat und auch die Doktorarbeit bereits erfolgreich anerkannt wurde - sie ist lediglich noch nicht veröffentlicht. Das konnte vor dem Internetzeitalter auch schon mal Jahre dauern - so lange bleibt der Dr. "des."als Überbrückung, aber nicht alle Fakultäten lassen ihn zu.

Dr. h.c.

Der doctor honoris causa bezeichnet den Doktor ehrenhalber. Er kann von einer Fakultät an Menschen verliehen werden, die sich um die Wissenschaft verdient gemacht haben. Hinter der Auszeichnung steht ein langwieriges Verfahren - es müssen manchmal alle Professoren einer Fakultät über den Antrag für die Verleihung des Titels befinden.

Honorarprofessor

Wie der Dr. h.c. - ein Professorentitel ehrenhalber. Der Honorarprofessor bekommt also kein Honorar.

PD

Steht für den Privatdozenten. Wer promoviert hat und weiter die wissenschaftliche Karriereleiter erklimmen möchte, der habilitiert sich. "Die Habilitation erfordert eine weitere wissenschaftliche Arbeit, die umfangreich ist und mindestens fünf Jahre Aufwand erfordert", so Ulrich von Alemann. Auch mehrere, herausragende Publikationen sind im Sinne der kumulativen Habilitation möglich. Die Habilitation wird oft benötigt, um sich auf Professorenstellen zu bewerben. Solange er diese nicht innehat, bleibt der Habilitierte Privatdozent.

apl. Prof.

Ähnlich wie der Privatdozent. Steht für außerplanmäßiger Professor. Ist habilitiert, hat aber keine (planmäßige) Professorenstelle. "Fünf Jahre nach der Habilitation kann man beantragen, sich apl.-Prof. nennen zu dürfen", sagt Ulrich von Alemann. "Damit hat man den Titel, aber keine Stelle an der Universität." In Österreich heißen diese Professoren auch "außerordentliche" Professoren.

Professor

Er hat eine offizielle Professur an einer Hochschule inne und dafür promoviert, habilitiert sowie außerordentliche Forschungsleistungen erbracht und nicht zuletzt seine pädagogischen Fähigkeiten in der Lehre bewiesen. Manchmal findet man beispielsweise die Bezeichnung "W3" vor dem betreffenden Titel - sie bezeichnet eine bestimmte Besoldungsstufe im Beamtenrecht. "Früher gab es die C-Professuren, heute heißt die Besoldungsstufe W wie Wissenschaft", sagt Ulrich von Alemann. Die höchste Stufe in dieser Berechnung ist der W3-Professor, er ist der Lehrstuhlinhaber und hat mehr Mitarbeiter als beispielsweise ein W2-Professor.

Juniorprofessor

Eine Promotion und die pädagogische Eignung sind wichtige Voraussetzung für eine Juniorprofessur. Sie ist eine Alternative zur Habilitation - und kann ein schnellerer Weg zum eigenen Lehrstuhl sein. Sie ist meist auf sechs Jahre befristet, anschließend kann man sich dann direkt auf eine ordentliche Professur bewerben.

Ph.D.

"Hinter der lateinischen Abkürzung für philosophiae doctor verbirgt sich der amerikanische Doktor", sagt von Alemann. "Für den Ph.D. ist eine anspruchsvolle wissenschaftliche Arbeit anzufertigen - und wer diesen Weg geht, bleibt oft auch an der Uni und strebt eine wissenschaftliche Karriere an. Anders als in Deutschland, wo der Doktortitel ja auch oft in außeruniversitäre Jobs führt." Ein weiterer Unterschied: Während der Doktor in Deutschland vor dem Namen getragen wird, steht der Ph.D. immer dahinter.

Quelle: RP
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