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Düsseldorf
Wenn Studenten preiswürdig werden

Düsseldorf. Studenten und Doktoranden in Deutschland haben jedes Jahr durch besondere Leistungen die Chance auf einen von vielen Preisen. Von Isabelle de Bortoli

Er ist eine der höchstdotierten Auszeichnungen für Nachwuchswissenschaftler in Deutschland: Der Deutsche Studienpreis, der unter der Schirmherrschaft von Bundestagspräsident Norbert Lammert von der Körber-Stiftung jedes Jahr an die wichtigsten Dissertationen des Jahres vergeben wird. An Promotionen also, die Forschungsergebnisse mit besonderer gesellschaftlicher Relevanz vorweisen. Die drei Spitzenpreise in den Bereichen Sozialwissenschaften, Geistes- und Kulturwissenschaften sowie Technik und Natur- wissenschaften sind mit je 25.000 Euro dotiert.

"Unser Land ist dringend auf den Ideenreichtum und die Innovationskraft von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern angewiesen", sagt Bundestagspräsident Norbert Lammert. "Dabei brauchen wir Forscherinnen und Forscher, die nicht nur fachlich Exzellentes leisten, sondern die zugleich die gesellschaftliche Bedeutung ihrer Tätigkeit im Blick haben." Bewerben kann man sich für den Deutschen Studienpreis noch bis zum 1. März 2017 mit Forschungsarbeiten, die einen konkreten Anwendungsbezug haben, etwa eine neu entwickelte medizinische Therapie oder einen innovativen Gesetzesvorschlag.

In diesem Jahr konnten ein Jurist, eine Politologin und eine Maschinenbauingenieurin mit dem Studienpreis ausgezeichnet werden. Tom Pleiner von der Uni Augsburg beschäftigt sich mit dem Ausbau des Stromnetzes und hat eine klare Botschaft an Politik und Netzbetreiber: Statt - oft gegen den Willen der Bevölkerung - neue Stromtrassen zu planen, müssten bestehende ausgebaut werden. Astrid Séville von der Ludwig-Maximilians-Universität München untersucht die TINA-Rhetorik ("There is no alternative") als moderne Regierungstechnik, die jedoch eine offene politische Diskussion verhindert und zu Politikverdrossenheit führt. Elisabeth Wilhelm vom Karlsruher Institut für Technologie entwickelte ein Display, das digitale Grafiken wie Emoticons für Blinde fühlbar macht.

Aber nicht nur für herausragende Forschungsarbeiten gibt es Preise, sondern auch für ehrenamtliches Engagement. Beim Wettbewerb "Student des Jahres" vergibt das Deutsche Studentenwerk gemeinsam mit dem Stifterverband für die Deutsche Wirtschaft 5000 Euro für sozialen Einsatz. Ob politisches Engagement in Hochschulgremien, Deutschunterricht für Flüchtlinge oder die Betreuung von behinderten Jugendlichen: Das Ehrenamt der Nominierten kann, muss aber nicht, im direkten Bezug zur Hochschule stehen. Studierende können sich allerdings nicht selbst bewerben, sondern müssen bis zum Jahresende von Freunden, Familie, Lehrenden oder sozialen Einrichtungen beim Deutschen Studierendenwerk vorgeschlagen werden.

Ein Wettbewerb der ganz anderen Art ist die "Formula Student Germany": In diesem internationalen Wettbewerb bauen Hochschulteams Rennwagen und treten auf dem Hockenheimring gegeneinander an. Das beste Gesamtpaket aus Konstruktion, Rennergebnis, Finanzplanung und Vermarktung gewinnt. Und zwar nicht nur eine Menge Prestige und Anerkennung, sondern vor allem Kontakte zu den wichtigsten Automobilunternehmen und -zulieferern weltweit. Zudem gibt es für die Teilnehmer regelmäßig Workshops und Exkursionen mit bekannten Unternehmen. In diesem Jahr gab es für Konzepte zum autonomen Fahren außerdem Geldpreise von bis zu 3000 Euro. Viele der Studenten aus der Formula Student arbeiten heute als Ingenieure für Audi, Daimler, BMW oder Porsche.

Es lohnt sich außerdem, an der eigenen Hochschule nach Studienpreisen zu suchen. Es gibt uni-übergreifende Preise ebenso wie fakultätsspezifische. So können sich beispielsweise an der Heinrich-Heine-Uni in Düsseldorf Wirtschaftswissenschaftler für den Konrad-Henkel-Examenspreis, den Preis der Stadtsparkasse Düsseldorf oder den Brenntag-Award bewerben. Ersterer geht an den Jahrgangsbesten in der Betriebswirtschaftslehre und ist mit 2500 Euro dotiert. Den Brenntag-Award in Höhe von 2000 Euro, gestiftet von der Brenntag GmbH, gibt es für das beste Masterexamen im Studienfach Wirtschaftschemie. Und der Preis der Stadtsparkasse Düsseldorf, dotiert mit 1000 Euro, geht an das beste Bachelorexamen im Fach BWL.

Dass aber nicht nur Absolventen, sondern sogar Erstsemester Studienpreise gewinnen können, das beweist der Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik. Er prämiert jedes Jahr die besten Studienstarter im Fachbereich Elektrotechnik und Informatik an der Hochschule Niederrhein sowie der Hochschule Rhein-Waal. Die Preise in Höhe von jeweils 500 Euro erhalten die Studierenden, die ihre ersten Klausurprüfungen nach Studienbeginn als beste und mit einer Eins vor dem Komma schrieben.

Quelle: RP
 
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