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Studentenleben
Wer außen sitzt, kommt dran

Der Hörsaal sah so aus wie sonst nie - und schon das hätte mir zu denken geben sollen. Beinahe alle Plätze waren belegt, nur an den ganz äußeren Rändern war alles frei. Dabei sind die äußeren Stühle eigentlich die Sahnestückchen unter den Sitzgelegenheiten der Universität. Sie erlauben es einem, sich einfach schnell hinauszuschleichen. Wenn es einmal ganz unerträglich wird, müssen nicht gleich die zehn anderen in der Reihe auch aufstehen. Vom Abgang nimmt auf diese Weise kaum jemand Notiz.

Keine 15 Minuten später wurde mir dann aber auch klar, warum meine Kommilitonen besagte Plätze so großzügig frei gelassen hatten. Der Professor gehört zu der Sorte der Lehrenden, die einen einfach mal unvermittelt drannimmt. Und zwar nur die, die in seiner unmittelbaren Reichweite sind. Also diejenigen, die außen sitzen. Mich erwischte er natürlich auch gleich mehrfach auf dem kaltem Fuß.

Dabei ist das mit dem Drangenommenwerden gar nicht so schlecht. Es erspart einem, sich entscheiden zu müssen, ob es an der Uni Sinn ergibt, sich zu melden oder nicht. Da es keine Noten für mündliche Mitarbeit gibt, findet die breite Masse das nämlich unnötig und damit auch wahnsinnig uncool. Eine Minderheit erachtet es als gute Übung. Bei diesem Professor ist es aber egal, wie man zum Melden an der Uni steht, man kommt einfach dran.

Und wenn man doch mal das Bedürfnis zum Klugscheißen hat, geht auch das ohne aufzuzeigen. Dann guckt man ihn einfach so lange wissend an, bis er einen "unaufgefordert" drannimmt.

Quelle: RP
 
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