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Hochschule Rhein-Waal
Zum Studium von Mumbai nach Kleve

Hochschule Rhein-Waal: Zum Studium von Mumbai nach Kleve
Laut Angaben der Hochschule Rhein-Waal sind Studierende aus etwa 100 verschiedenen Nationen eingeschrieben. Die meisten Studiengänge sind komplett in englischer Sprache. Oliver Pacheco (li.) hat als erster Inder den Master Maschinenbau abgeschlossen. Auch Kuschbo Bahadour (Mitte) und Sujit Shetty zog es von Indien an den Niederrhein. FOTO: Gottfried Evers
Kleve. Studierende aus über 100 verschiedenen Ländern besuchen die Hochschule Rhein-Waal. Auch die Inder Oliver Pacheco, Kuschbo Bahadour und Sujit Shetty haben sich für ein Studium am Niederrhein entschieden. Von Lena Köhnlein

Die Hochschule Rhein-Waal zählt 6000 Studenten, 2500 kommen aus den Ausland in die Kleinstadt. 451 Studierende stammen aus Indien. Häufig würden die Studenten durch die Internetseite des Deutschen Akademischen Austausch Dienstes (DAAD) auf Kleve aufmerksam, erzählt Masterstudent Sujit Shetty. "Dass ich in Deutschland studieren möchte, war früh klar. In meiner Heimat Pune sind viele deutschen Firmen angesiedelt, das war auch ein Grund für mich, warum ich in Deutschland studieren wollte." Bekannte oder die Studienberatung würden Kleve als englischsprachigen Hochschulstandort empfehlen.

50.000-Einwohner-Stadt am Niederrhein

An den Moment, als Shetty zum ersten Mal in der Klever Innenstadt stand, kann er sich noch gut erinnern: "Ich dachte: 'Wo sind die ganzen Menschen'", erinnert sich der 25-Jährige, der seit zwei Jahren in der knapp 50.000-Einwohner-Stadt am Niederrhein wohnt und den Master Mechanical Engineering (Maschinenbau) studiert. Er kommt aus Pune, einer Millionenstadt in der Nähe von Mumbai. Wenn er dort aus dem Haus gehe, sei er immer von sehr vielen Menschen umgeben, sagt er und lacht. Sein Freund Oliver Pacheco aus Mumbai nickt zustimmend. Dem 24-Jährigen erging es ähnlich: "Ich habe mich sonntags in Kleve gefragt, warum denn alle Geschäfte geschlossen sind", sagt der Master-Absolvent in Mechanical Engineering.

Die beiden Inder sind nach Kleve gekommen, um dort - wie 489 andere junge Menschen aus ihrem Land - zu studieren. Denn die Hochschule Rhein-Waal bietet 75 Prozent ihrer Studiengänge komplett auf Englisch an - auch Maschinenbau. Das ist selten in Deutschland. Das war auch der Hauptgrund für Oliver Pacheco, sich für die Hochschule Rhein-Waal zu entscheiden. "Es ist schwierig, einen kompletten Studiengang auf Englisch zu bekommen", sagt er. Denn häufig seien mindestens ein oder zwei Kurse auf Deutsch. Da er aus Mumbai kommt, war seine Familie von Kleve nicht wirklich begeistert. "Meine Mutter wollte nicht, dass ich gehe, weil ich hier niemanden kannte und auch der deutschen Sprache nicht mächtig war. Sie hatte Angst", sagt Pacheco. Mittlerweile könne er bis auf wenige Worte immer noch kein Deutsch auch wenn die Hochschule Kurse anbietet - denn für das Studium braucht er es nicht.

Mit den anderen Studierenden kann er sich auf Englisch unterhalten, immerhin stammen sie laut Angaben der Hochschule aus etwa 100 verschiedenen Nationen. "Wir sind in der Region Niederrhein verwurzelt und mit der Welt vernetzt", sagt Präsidentin Heide Naderer. "Die Hochschule Rhein-Waal wird mit ihrer Weltoffenheit zum Dreh- und Angelpunkt für viele Kulturen aus aller Welt." Auch internationale Gastwissenschaftler lehren und forschen an der Hochschule. Damit der Austausch zwischen den Kulturen einfacher wird, hilft das Welcome Center. Dazu gehört die 22-jährige Bahadur Kuschbu. Sie ist zwar in Deutschland geboren, hat jedoch indische Wurzeln. Viele Studenten wenden sich auch an sie. "Ich habe viele Freunde durch das Welcome Center gefunden", sagt die 22-Jährige, die versucht, den internationalen Studierenden das Leben an der Uni zu erleichtern.

Gründung 2009

Oliver Pacheco ist nun seit zweieinhalb Jahren in Deutschland. Gerade hat er seinen Master in Maschinenbau abgeschlossen und ist damit der erste Inder, der das Masterprogramm beendet. Das liegt auch daran, dass der Standort noch jung ist. Die Hochschule Rhein-Waal wurde 2009 gegründet, davon profitiert auch die Stadt. Es gibt mehr Kneipen und Cafés. "Das Stadtbild wird internationaler", sagt Christin Hasken, Sprecherin der Hochschule. Auch die Wohnungsnachfrage sei in Kleve jetzt groß. Nicht nur Studentenwohnheime, auch einige Bürger hätten bereits ihren Dachboden umgebaut, um den jungen Menschen Platz zu bieten.

Ob der Masterabsolvent nach seinem Studium in Kleve bleiben möchte? "Ich möchte eines Tages zurück nach Indien gehen, aber erst einmal möchte ich hier Arbeitserfahrungen sammeln", sagt Oliver Pacheco. Und auch Sujit Shetty möchte zurück in sein Heimatland. Die Erfahrungen aus der Zeit in Kleve möchten die Inder aber trotzdem auf keinen Fall missen.

Quelle: RP
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