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Lüneburg
Bildungsexperte hält Schulnoten für unsinnig

Lüneburg. Matthias von Saldern plädiert für Kompetenzraster. Von Arnd Gaudich

Schulnoten gehören abgeschafft. Diese These hat der Lüneburger Erziehungswissenschaftler Matthias von Saldern in einem Interview mit der Lüneburger Landeszeitung vertreten. "Noten sind ein altbackenes Überbleibsel der Vergangenheit", sagte der Experte. Aus erzieherischen Gesichtspunkten seien sie nicht sinnvoll. Der Professor am Institut für Bildungswissenschaften an der Leuphana-Universität zweifelt weitere deutsche Schultraditionen an: Sowohl das Wiederholen von Klassen erfülle nicht seinen Zweck als auch das Verteilen von Grundschulabsolventen auf verschiedene Schulformen.

Als Experte ist Matthias von Saldern auch im Fachausschuss Bildung der Deutschen Unesco-Kommission gefragt. In seinem Buch "Schulnoten 2.0 – Von der Note zum Kompetenzraster" befasst er sich mit Sinn und Unsinn von schulischer Leistungsbeurteilung.

Von Saldern zitiert in seinem Buch Ex-Bundespräsident Roman Herzog: "Wer Noten aus Schulen verbannt, schafft Kuschelecken, aber keine Bildungseinrichtungen, die auf das nächste Jahrtausend vorbereiten." Dem widerspricht er. Noten seien zwar einfach zu verstehen und deshalb bei manchen Menschen beliebt, sagt er im Interview: "Aber pädagogisch sind Noten nicht sinnvoll." Das Erreichen von Schulzielen lasse sich nicht durch Noten ausdrücken, betont der Experte. Als Beispiel von Zielen nannte er das Erreichen einer starken und demokratiefesten Persönlichkeit.

Von Saldern meint, dass Noten nicht ausreichend aussagekräftig sind: "Was heißt denn eine Drei in Mathe? Das heißt, ich werde versetzt, und die Eltern regen sich nicht auf." Viel wichtiger sei für Schüler, zu erfahren, in welchem Bereich sie sich verbessern müssten, um sicherer ins nächste Schuljahr zu gelangen. Dass es auch ohne Noten gehe, zeigten einige Privatschulen, integrierte Gesamtschulen und Grundschulen, so von Saldern. Dort würden Lehrer ständig die Leistung ihrer Schüler beurteilen, ohne dabei gezwungen zu sein, auf Noten zurückzugreifen.

Die Alternative sieht von Saldern in "Kompetenzrastern", also Tabellen, die zeigen, was der Schüler kann und was er noch lernen könnte: "Gegliedert sind sie in Unterrichtsabschnitte, für Mathe zum Beispiel in die Bereiche Grundrechenarten, Brüche in Dezimalzahlen umwandeln und so weiter."

Nicht nur Noten würde von Saldern abschaffen, sondern auch das Sitzenbleiben. Das sei "pädagogisch nicht zweckmäßig" und zudem sehr teuer. Sinnvoller sei es, das Geld in eine intensive Förderung der betroffenen Schüler zu stecken. Auch die zunehmende Beschleunigung im Schulwesen müsse eingestellt, und Bildungsprozessen müsse mehr Zeit gewährt werden.

So sei es unsinnig, Zehnjährige auf verschiedene Schulformen aufzuteilen. Von Saldern: "Grundschullehrkräfte können zwar die Leistung der Viertklässler sehr gut einschätzen, aber die Prognose ist ausgesprochen unsicher, weil sich die Kinder auch nach dem zehnten Lebensjahr weiterentwickeln."

Quelle: RP
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