Unterstützung für Studienpioniere
Als Erste an die Uni

Unterstützung für Studienpioniere: Als Erste an die Uni
Bei Arbeiterkind.de helfen sich Studierende aus Nicht-Akademiker-Familien gegenseitig. FOTO: Markus Brenneis
Wenn noch keiner aus der Familie studiert hat, ist es für Erstsemester oft schwer, an der Hochschule Fuß zu fassen. Aber es gibt Unterstützung für die sogenannten Studienpioniere. Von Katharina Hamacher

Viele Eltern, die selbst studiert haben, erwarten ein Studium von ihrem Kind. Junge Erwachsene aus Familien ohne akademische Tradition hingegen, haben auf dem Weg an die Hochschule und im Studienverlauf häufig mehr Hürden zu überwinden.

Nach dem Abitur, das bereits erheblich von der sozialen Herkunft abhängt, nehmen sie seltener ein Studium auf. An der Hochschule angekommen, stehen sie vor besonderen Voraussetzungen: Von der Studienfinanzierung bis zum Zurechtfinden in den akademischen Strukturen können die Hürden größer sein als bei Kommilitonen aus Akademiker-Familien.

Um den sogenannten Studien-Pionieren, also der ersten Familiengeneration von Studierenden, den Weg an die Hochschule, durch das Studium und anschließend in den Beruf zu erleichtern, haben der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und die Stiftung Mercator ein besonderes Projekt auf die Beine gestellt.

Zehn ausgewählte Hochschulen werden über einen Zeitraum von vier Jahren mit jeweils 300.000 Euro gefördert. Jede Hochschule wählt 18 Studienpioniere mit überdurchschnittlicher Leistungsfähigkeit aus, die maximal acht Semester lang mit 150 Euro im Monat unterstützt werden. Zu den Wettbewerbsgewinnern gehört auch die Fachhochschule Düsseldorf, die bereits alle verfügbaren Stipendien vergeben hat.

"Der Gedanke hinter dem Projekt ist, dass Studienpioniere oft länger brauchen, um sich an der Hochschule zurechtzufinden. Das heißt aber nicht, dass sie weniger leistungsfähig sind", sagt Bettina Jorzik, Programmleiterin "Lehre und akademischer Nachwuchs" beim Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft.

Deshalb legt der Verband großen Wert darauf, dass die Studierenden nicht nur finanziell gefördert werden: "Im Vordergrund stehen Strategien zur Rekrutierung, Unterstützung und Begleitung. Dafür müssen die Hochschulen ihre Strukturen grundlegend ändern."

Studien zufolge bilde die Gruppe der Studienpioniere im bundesweiten Durchschnitt die Mehrheit der Studierenden an Fachhochschulen. Diese größte Gruppe werde allerdings von FHs teilweise wie eine Minderheit behandelt. "Leider werden die Fachhochschulen ungern daran erinnert, dass sie einst gegründet wurden, um sozialen Aufstieg durch Bildung zu ermöglichen", kritisiert Jorzik. Unterstützung könnten die FHs etwa durch Seminare im akademischen Schreiben oder durch Mentoren- oder Tutoren-Programme bieten.

Um die Pioniere überhaupt erst für die Hochschulbildung zu rekrutieren, müssten die Jugendlichen bereits in den Schulen und Berufsschulen abgeholt werden. Als großes Vorbild gilt die Westfälische Hochschule, die bereits vor Jahren eine Stelle für einen ehemaligen Pionier geschaffen hat. Er sucht in den Schulen gezielt das Gespräch mit Jugendlichen und zeigt auf, welche Möglichkeiten sie haben. Bei Elternabenden werden zudem die Familien über die Chancen eines Studiums informiert. "Für junge Menschen aus nicht akademischen Familien ist es häufig schwer, die Eltern zu überzeugen", sagt Bettina Jorzik.

Kostenlose Unterstützung für alle, die als Erste in ihrer Familie einen Studienabschluss anstreben, bietet auch das Internetportal ArbeiterKind.de. Getragen wird das Netzwerk von rund 6000 ehrenamtlich Engagierten, die deutschlandweit in den mehr als 70 Ortsgruppen im Einsatz sind.

"Seit der Gründung vor sieben Jahren ist das Portal stark gewachsen; allein in Nordrhein-Westfalen gibt es inzwischen 20 Gruppen", sagt NRW-Koordinatorin Cara Coenen. Telefonisch, per Mail, in den Sprechstunden oder bei regelmäßigen Stammtisch-Terminen beantworten die Ehrenamtler alle Fragen rund um die Finanzierung oder den Ablauf eines Studiums.

Quelle: RP
 
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