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Liebe auf dem Campus
Im Bachelor den Partner fürs Leben finden

Liebe auf dem Campus: Im Bachelor den Partner fürs Leben finden
Küsschen vor dem Hörsaal, verliebte Blicke im Seminar: Beflügelt das Anbandeln oder ist die Liebe eher hinderlich für das Studium? FOTO: shutterstock
In den vielen Reden, die bei der Erstsemesterbegrüßung zu Beginn eines neuen Semesters geschwungen werden, darf ein Satz nicht fehlen: "Die Universität ist wie eine große Partnerbörse. Viele lernen hier ihre große Liebe kennen." Dass es sich bei dem Satz nicht nur um eine leere Floskel handelt, zeigt ein Blick auf den Campus. Von Sarah Schneidereit

Ein Küsschen vor dem Hörsaal, Händchen haltend über das Gelände schlendern oder verliebte Blicke durch den Seminarraum schicken: Pärchen sieht man auf dem Campus häufig. Und es findet sich wohl kaum ein größerer Studiengang, in dem es nicht zwei Kommilitonen gibt, die zusammen sind. Zwischen den ganzen verliebten Pärchen muss man sich als Single aber nicht zwangsläufig einsam fühlen. Kristin ist mit ihrem Single-Dasein eigentlich ganz zufrieden.

"Es hat auch durchaus Vorteile, wenn man nicht vergeben ist", meint die Germanistik- Studentin. Das Uni-Leben mit all seinen Partys macht ihrer Meinung nach sogar mehr Spaß, wenn man nicht schon mit einem festen Partner zusammen ist. "Man weiß ja nie, wem man da noch so begegnet", sagt Kristin mit einem Augenzwinkern. Dass die Uni der perfekte Ort ist, um jemanden kennenzulernen, kann die 22-Jährige nicht abstreiten.

"Hier kommt man relativ schnell mit Gleichgesinnten ins Gespräch, egal ob in der Mensa, im Hörsaal oder in der Bibliothek. Wer es nicht zwanghaft darauf anlegt, jemanden kennenzulernen, hat auch gleich viel bessere Chancen, da er nicht so verkrampft wirkt", meint sie.

Angelika Wuttke von der Psychologischen Beratungsstelle der Heinrich-Heine-Universität kennt sich mit dem Thema Liebe im Studium bestens aus. Seit 26 Jahren berät sie in ihrer Sprechstunde kostenlos Studierende.

"Die Leistung im Studium kann negativ davon beeinflusst werden, wenn man sich aus Liebeskummer nicht mehr aufs Lernen konzentrieren kann", so Wuttke. Sie rät deshalb, über Probleme zu sprechen, sei es mit dem Partner, der besten Freundin oder einem gelernten Psychologen. Einer, der überhaupt nichts von Liebe auf dem Campus hören will, ist BWL-Student Lukas.

"Ich könnte mir nicht vorstellen, mit einem Mädchen aus meinem Studiengang zusammen zu sein. Wenn man dann nämlich privat Probleme hat, ist es ganz schwer, sich auch noch täglich in der Uni zu sehen", findet der 19-Jährige. Dass er dem Thema Verliebtsein auf dem Campus so negativ gegenübersteht, liegt daran, dass sein Freund erst vor Kurzem schlechte Erfahrungen gemacht hat.

"Er war mit einer Kommilitonin zusammen und am Ende haben sie sich nur noch gestritten. Das haben viele im Studiengang mitgekriegt und auch seine Leistungen haben darunter gelitten." Wenn die rosa Wolken des Verliebtseins verflogen sind, kommen auch die Schattenseiten am Partner zum Vorschein.

Für Diplom-Psychologin Angelika Wuttke steht aber fest, dass daraus entstehende Konflikte nicht unbedingt negativ sein müssen. Es sei nur wichtig, dass gemeinsame Gespräch zu suchen und sich über seine eigenen Vorstellungen klar zu werden. "Am sinnvollsten ist es, wenn man Ich-Botschaften formuliert und seinem Partner so mitteilt, was einem persönlich an ihm oder der Situation stört", sagt Wuttke.

So könne man miteinander über Konflikte sprechen, ohne dass das Gespräch mit gegenseitigen Schuldzuweisungen und Rechtfertigungen endet. Dass eine "Uni-Beziehung" gut funktionieren kann, zeigt das Beispiel von Kim. Die Anglistik-Studentin hat ihren Freund kennengelernt, als dieser selbst noch seinen Bachelor an der Heine- Uni gemacht hat. Mittlerweile studiert ihr Freund in Aachen. Die beiden sind aber immer noch ein Paar.

"Wir wussten genau, worauf wir uns mit einer Fernbeziehung einlassen. Da das Ganze aber nur für eine begrenzte Zeit ist, ist das schon machbar", meint die Studentin. Auch Psychologin Wuttke ist davon überzeugt, dass eine Fernbeziehung keine Beziehung zweiter Klasse sein muss. "Wenn beide Partner ein großes Vertrauen in ihre Beziehung haben und Gemeinsamkeiten auch über die Entfernung leben können, klappt das auch."

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