| 14.06 Uhr

Chemie-Nobelpreis
Wie sich die Zellen unseres Körpers selbst reparieren

Chemie-Nobelpreis 2015 geht an drei DNA-Forscher
Tomas Lindahl, Paul Modrich und Aziz Sancar sind die Chemie-Nobelpreisträger 2015. FOTO: afp, bb
Stockholm. Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr an Tomas Lindahl (Schweden), Paul Modrich (USA) und Aziz Sancar (USA/Türkei) für Erkenntnisse über die Erbgut-Reparatur. Das gab die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Mittwoch in Stockholm bekannt. Von Rainer Kurlemann

Die Zellen des menschlichen Körpers befinden sich ständig in Reparatur. Denn das wichtigste Element für das Überleben einer Körperzelle ist sehr fehleranfällig: Es ist die DNA, der genetische Code des Erbguts, der in jeder Zelle vorhanden ist und ihre Aufgaben steuert. Selbst ein winziger Fehler im Erbgut (Mutation) kann fatale Konsequenzen haben. Die Zelle kann ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen, häufig stirbt sie sogar ab. Manchmal verwandelt der Fehler in der DNA eine gesunde Zelle in eine Krebszelle.

Die drei Wissenschaftler, die in diesem Jahr den Chemie-Nobelpreis bekommen, haben die natürlichen Mechanismen aufgeklärt, mit denen Zellen ihre eigene DNA reparieren können. Der Schwede Tomas Lindahl (77) arbeitet am Francis-Crick-Institut in London. Die beiden anderen Preisträger forschen in North Carolina in den USA. Paul Modrich (69) am Howard Hughes Medical Institute in Durham, der gebürtige Türke Aziz Sancar (69) an der University of North Carolina in Chapel Hill. Zum ersten Mal geht ein Nobelpreis für Naturwissenschaften an einen türkischen Forscher.

Fotos: Die Nobelpreisträger 2016 FOTO: afp

Forschungsergebnisse soll in Medizin Anwendung finden

Zellen stehen ständig unter Stress. Fehler in der DNA sind ganz natürlich, sie treten täglich hundertfach auf. Und sie haben sehr viele Auslöser. Das können externe Faktoren sein, aber auch körpereigene Fehler. Das von Aziz Sancar analysierte Verfahren verwenden Zellen nach einer Beschädigung, wie sie beispielsweise durch Strahlung, das UV-Licht der Sonne, Umweltgifte oder Zigarettenrauch entstehen.

Paul Modrich entdeckte die Reparaturmechanismen nach einer fehlerhaften Zellteilung. Denn damit der menschliche Körper funktioniert, müssen Zellen sich ständig teilen. Weil das so oft passiert, entstehen auch Fehler: bei einer von einer Million Zellteilungen besitzt die neue Zelle eine fehlerhafte DNA, die dann repariert werden muss. Auch Thomas Lindahls Forschung beschäftigt sich mit der Reparatur von natürlichen DNA-Schäden. Denn das Molekül mit der Erbinformation ist allein wegen seiner Größe bei weitem nicht so stabil, wie man glauben könnte. Immer wieder zerbröseln einzelne Bausteine oder zerbrechen wichtige Bindungen.

2015: Diese TV-Charaktere haben die Auszeichnung verdient FOTO: Warner Bros. Television

Die drei Wissenschaftler hoffen, dass ihre Ergebnisse in der Medizin Anwendung finden. Denn wenn die Reparatur einer Zelle nicht funktioniert, wird ihr Besitzer krank. Möglicherweise lassen sich die Enzyme und Proteine, die an der Reparatur beteiligt sind, in der Zukunft als Medikament verwenden. Ihre Entdeckungen betreffen nicht nur menschliche Zellen, sondern gelten gleichermaßen für Tiere und Pflanzen.

Die höchste Auszeichnung für Chemiker ist mit umgerechnet rund 850.000 Euro (acht Millionen Schwedischen Kronen) dotiert.

Nobelpreis: Fragen und Antworten zum Nobelpreis

Die feierliche Überreichung der Auszeichnungen findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

Im vergangenen Jahr erhielten der deutsche Forscher Stefan Hell sowie die US-Amerikaner Eric Betzig und William Moerner die Auszeichnung für die Erfindung superauflösender Mikroskope. Damit kann man in lebende Zellen blicken und Abläufe bei Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson beobachten.

Hier finden Sie eine Liste aller diesjährigen Nobelpreisträger.

Mit Material von dpa.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Chemie-Nobelpreis 2015 geht an drei DNA-Forscher


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.