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Neue Studie zur globalen Erwärmung
CO2-Emissionen nehmen rasant zu

Diese Kulturstätten sind vom Klimawandel bedroht
Diese Kulturstätten sind vom Klimawandel bedroht FOTO: AP
Washington (RPO). Die schlimmsten Befürchtungen, die Experten vor vier Jahren zur Geschwindigkeit der Erderwärmung äußerten, wurden überboten. Laut den jüngsten Zahlen des US-Energieministeriums ist der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid im vergangenen Jahr so rasant gestiegen wie noch nie.

Weltweit wurden über 564 Millionen Tonnen Kohlendioxid mehr als 2009 in die Luft geblasen, ein Anstieg um sechs Prozent. Diese zusätzliche Umweltverschmutzung stellt sogar die Emissionen einzelner Länder wie China, USA und Indien in den Schatten - und das sind die weltweit größten Produzenten von Treibhausgasen.

Experte spricht von "Monster"-Zuwachs

"Je mehr wir über die Kontrolle von Emissionen reden, desto mehr wachsen sie", klagte John Reilly, Co-Direktor des gemeinsamen Programms von Wissenschaft und Politik für globale Veränderung am Massachussetts Institut of Technology (MIT).

Der Geologie-Professor Gregg Marland von der Appalachian State University sprach von einem noch nie dagewesenen "Monster"-Zuwachs. Marland hat an den Untersuchungen des Energieministeriums mitgearbeitet. Nach seinen Angaben ist zusätzliche Luftverschmutzung in China und den USA die Ursache für mehr als die Hälfte des Anstiegs im vergangenen Jahr.

"Das ist ein großer Sprung", sagte Tom Boden, Direktor am Analysezentrum für Kohlendioxid des Energieministeriums am Oak Ridge National Laboratory. "Blickt man auf die Emissionen, so scheint die globale Finanzkrise beendet." Im Jahr 2010 hätten Reisen und Produktion weltweit zugenommen. Dies lasse den Verbrauch fossiler Brennstoffe anwachsen, die am meisten zu dem vom Menschen verursachten Klimawandel beitragen.

Kohleverbrennung ist größte Quelle

Indien und China verbrauchen immens viel Kohle. Die Kohleverbrennung ist die größte Kohlendioxid-Quelle weltweit, deren Ausstoß in 2010 um fast acht Prozent anstieg.

"Die gute Nachricht ist, dass diese Wirtschaften schnell wachsen. Da muss doch jeder dafür sein, oder?" fragte Reilly sarkastisch. "Das deutliche Wirtschaftswachstum in armen Ländern hat die Lebenssituation der Menschen dort verbessert." sagte er. "Doch wenn man das zunehmend auf die Kohle stützt, bringt man die Welt in Gefahr."

Als der Zwischenstaatliche Ausschuss über Klimaveränderungen (IPCC) im Jahr 2007 seinen letzten großen Bericht über die Erderwärmung herausgab, benutzte er verschiedene Szenarien für die Verschmutzung durch Kohlendioxid. Damals hieß es, der Grad der Erwärmung hänge vom Grad der Verschmutzung ab.

Boden berichtete nun, nach jüngsten Erkenntnissen überträfen die weltweiten Emissionen die schlimmsten Erwartungen des IPCC. Dieser sagte eine Erderwärmung von 2,4 bis 6,4 Grad Celsius bis zum Ende des Jahrhunderts voraus. Am wahrscheinlichsten seien vier Grad Celsius.

"Ein erschreckendes Erbe für unsere Kinder und Enkel"

Während die Zweifler an der globale Erwärmung dem IPCC Alarmismus vorwarfen, halten die Wissenschaftler ihre Vorhersagen heute für zu konservativ, wie Reilly sagte. Seine Universität arbeite an Emissionsszenarien und deren Wahrscheinlichkeit. Das Worst-Case-Szenario des IPCC liege nur im mittleren Bereich dessen, was das MIT errechnet habe.

Chris Field von der Stanford Universität, der eine IPCC-Arbeitsgruppe leitet, sagte, dessen Berechnungen würden auf lange Sicht immer präziser. Nach seiner Erfahrung lautet die Frage für Wissenschaftler heute, ob in Zukunft die schlimmsten Erwartungen sich erfüllen "oder etwas noch Schlimmeres". Granger Morgan von der Carnegie Mellon Universität sagte zu den neuen Erkenntnissen: "Wir bauen ein erschreckendes Erbe für unsere Kinder und Enkel auf."

Etwas Positives wird in dem neuen Bericht des Energieministeriums aber auch deutlich: Reilly und Andrew Weaver von der Universität von Victoria weisen darauf hin, dass die entwickelten Länder, die 1997 das Kyoto-Protokoll zur Reduzierung der Treibhausgase unterzeichneten, ihre Emissionen seitdem verringert und ihr Ziel erreicht haben, den Ausstoß um acht Prozent unter den Wert von 1990 zu reduzieren. Die USA hatten das Kyoto-Protokoll nicht unterschrieben.

1990 hatten die entwickelten Länder noch 60 Prozent zum weltweiten Treibhausgas-Ausstoß beigetragen, heute sind es nach Reillys Angaben weniger als 50 Prozent.

"Wir müssen mit der entwickelten Welt gleichziehen, sonst entgleitet und das Problem", warnte Weaver. "Und wir sind sehr nahe daran, dass es uns entgleitet."

(apd/felt)
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