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Corelli, Superstar des musikalischen Barock

Klassik Heute haben wir von einem Rekord zu berichten: nämlich vom inoffiziellen Ehrentitel des am meisten verkauften und in Noten verlegten Komponisten zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Man würde nie auf ihn kommen, wenn die Zahlen nicht eine eindeutige Sprache sprächen: Es war der Italiener Arcangelo Corelli (1653-1713), der Menschheit vor allem durch ein unvergessliches Concerto grosso mit dem Beinamen "Weihnachtskonzert" bekannt.

Von Corellis erster Komposition, seinem Opus 1, erschienen bis 1800 nicht weniger als 39 Auflagen, von seinem Opus 5 sogar 42. Diese enorme Verbreitung ist ein Indiz dafür, wie beliebt dieser famose Italiener damals war. Seine Werke wurden in nahezu allen europäischen Staaten verlegt und begründeten dadurch Corellis Ruhm und seinen Ruf als vermutlich kompetentester Violinvirtuose und Komponist seiner Zeit. Die Concerti grossi op.

6 wurden in England bis ins 19. Jahrhundert gespielt und selbst denen Händels vorgezogen; das wollte etwas heißen. Corelli war also ein Fulltime-Musiker mit mehreren Kompetenzbereichen, wie es damals üblich war: Künstler, die vom Komponieren leben konnten, waren damals die Ausnahme. Viele wirkten noch als Geiger oder als Cembalisten, und singen konnten und mussten die meisten auch. Arcangelo Corelli führte den Spitznamen "der Bologneser", weil er in Bologna seine ersten relevanten musikalischen Gehversuche unternommen hatte und von dort in die weitere italienische Welt startete.

Wie diese Welt aussah und was andere angesehene Musiker von damals (Bassani, Cazzati, Bononcini, Arresti, Torelli, Gabrieli, Vitali) von Corelli lernten, das lässt uns eine vorzügliche neue Platte der deutschen harmonia mundi wissen. Das Ensemble Musica Antiqua Latina unter Giordano Antonelli musiziert diese Musik - lauter Triosonaten, also feingliedrigste Kammermusik - unter dem Motto "Corelli und seine Nachfolger" keine Sekunde als barocke Meterware; die Musiker lauschen den Eigenheiten der Werke nach, verlieben sich in sie, verlieren aber nicht den Verstand.

Über allem thront Meister Corelli, der seinen Vornamen nicht grundlos trug: Erzengel. Wolfram Goertz

Quelle: RP
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