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Das Ausstellungsjahr 2016

Von Hieronymus Bosch bis zu Tony Cragg - Museumsbesucher dürfen sich auf eine Reihe hochrangiger Ausstellungen freuen. Wir geben sieben Empfehlungen. Von Bertram Müller

Museum Kurhaus, Kleve

Das Museum abseits der rheinischen Metropolen beweist immer wieder, dass es alles andere als provinziell ist. Vom 30. Januar an wird der amerikanische Künstler Stephen Prina (Jahrgang 1954) dort ein neues Projekt vorstellen. Es trägt den Titel "Galesburg, Illinois+" und nimmt damit Bezug auf seine Geburtsstadt im Mittleren Westen der USA. Mit Hilfe von Buchstützen, Vitrinen und Fotografien wird der Künstler, wie das Museum ankündigt, den Ort anhand von historischen, politischen, kulturellen und persönlichen Referenzen abtasten und dabei ein Lokal im Art-déco-Stil in den Mittelpunkt rücken, in dem er als Musiker auftrat. Ältere Arbeiten werden die Schau ergänzen.

Het Noordbrabants Museum, 's-Hertogenbosch

70 Kilometer westlich von Kleve liegt die kleine Stadt, die im Kunstjahr 2016 vermutlich am meisten Aufsehen erregen wird: 's-Hertogenbosch. Dort starb vor 500 Jahren Hieronymus Bosch, einer der bedeutendsten Künstler des Mittelalters. Eine Ausstellung im Noordbrabants Museum wird vom 13. Februar an die größte Übersichtsausstellung zu Bosch zeigen, die es je gegeben hat - mit voraussichtlich 20 Gemälden und 19 Zeichnungen. Die Leihgaben mit den typischen Teufelchen stammen aus aller Welt. Bosch hat bis ins 20. Jahrhundert Spuren in der Kunst hinterlassen: Die Maler des Surrealismus bedienten sich gern seiner Bildschöpfungen aus dem Reich zwischen Mensch und Tier.

Bundeskunsthalle, Bonn

Der Gegensatz zu Bosch und den Surrealisten könnte kaum größer sein: Das Bauhaus setzte auf Strenge. Nach dem Motto "Lieber zu früh als zu spät" feiert die Bundeskunsthalle in Bonn das 100-Jahr-Gründungsjubiläum dieser weltweit ausstrahlenden europäischen Kulturinstitution schon vom 1. April dieses Jahres an, also drei Jahre zu früh. In ihrer Ausstellung wird sie einen Überblick über den Design-Begriff des Bauhauses geben und veranschaulichen, wie der Geist von Weimar bis in die Kunst der Gegenwart wirkt. Marcel Breuer, Lyonel Feininger, Walter Gropius und Oskar Schlemmer sind Namen, denen man in der Schau begegnen wird.

Kunstsammlung NRW, Düsseldorf

Von der Kunstsammlung des Düsseldorfer Chemie-Konzerns Henkel wussten die meisten bislang nur, dass es sie gibt. Lediglich Mitarbeitern und Besuchern der Konzernzentrale war gelegentlich ein Einblick in den riesigen Bilderschatz gegönnt. Vom 9. April an wird die Kunstsammlung NRW in Düsseldorf erstmals öffentlich einen repräsentativen Querschnitt durch die Kollektion bieten. Leitmotiv ist die Abstraktion von der klassischen Moderne über die amerikanische Nachkriegskunst bis zu Objekten nichtwestlicher Kulturen. Auf der Künstlerliste finden sich Namen wie Frank Stella, Gerhard Richter und Imi Knoebel - und über allem der Name Gabriele Henkel. Sie hat die Sammlung über Jahrzehnte zusammengestellt.

Museum Ludwig, Köln

So schnell kann die Zeit vergehen: Das Kölner Museum Ludwig wird in diesem Jahr schon 40 Jahre alt! Aus diesem Anlass wird es vom 9. April an ein Bild in den Mittelpunkt rücken, das die Mäzene Peter und Irene Ludwig vor 30 Jahren speziell für den Neubau am Dom erwarben: Fernand Légers Wandgemälde "Les Plongeurs" (Die Taucher) von 1942. Der französische Künstler hatte es ursprünglich für das Privathaus des New Yorker Architekten Wallace K. Harrison konzipiert. Jetzt soll es die Besucher zusammen mit anderen Werken Légers dazu anregen, das Thema "Malerei im Raum" zu erkunden. Von der Heydt-Museum, Wuppertal

Seit der 66-jährige Tony Cragg vor drei Jahren sein Amt als Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie in jüngere Hände gelegt hat, findet er wieder mehr Zeit für seine eigenen künstlerischen Arbeiten. Das wird man auch der Ausstellung anmerken, die das Wuppertaler Von-der-Heydt-Museum dem bedeutendsten britischen Bildhauer der Gegenwart vom 19. April an ausrichten wird: die erste umfassende Retrospektive. Auf drei Etagen wird die Schau einen Überblick über das gesamte Schaffen bieten, von Craggs Studienzeit bis zu den Werken aus dem zurückliegenden Jahr. Blickfänge werden dabei seine Freiluft-Skulpturen sein - plastische Formen von einer Komplexität, die kein Schulkind jemals wird nachzeichnen können. Wer diese Werke erleben will, wird in Craggs privaten Skulpturenpark Waldfrieden aufbrechen müssen, ebenfalls in Wuppertal.

Museum Kunstpalast, Düsseldorf

Die scheppernden Maschinen-Plastiken des Schweizer Künstlers Jean Tinguely (1925-1991) zählen zum Unterhaltsamsten dessen, was der internationale Museumsbetrieb zu bieten hat. Das Düsseldorfer Museum Kunstpalast wird vom 23. April an zu einer großen Retrospektive einladen. Deren Bogen spannt sich von den frühen, poetischen Draht-Plastiken bis zu den spektakulären Werken seiner Spätphase, zu denen die begehbare Monumentalskulptur "Große Méta-Maxi-Maxi-Utopia" und der legendäre Mengele-Totentanz zählen. Die tragische Geschichte, die aus ihm spricht, beweist, dass Tinguelys Kunst über bloßen Jux weit hinausgeht. Das soll aber niemanden davon abhalten, in die Ausstellung seine Kinder mitzunehmen. Sie werden an vielen Kunstwerken ihre Freude haben.

Quelle: RP
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