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Landpartie
Der Garten Eden liegt in Arcen

Arcen. In wunderschönen Gärten spazieren, im Thermalbad saunieren und nach der Radtour ein Pils im Dorfkern trinken. So perfekt kann ein Tag im niederländischen Arcen aussehen. Von Jessica Balleer (Text) und Jana Bauch (Fotos)

Folgen Sie einfach den Autos mit den Fahrradträgern am Kofferraum. Ist das Willkommensschild an der deutsch-niederländischen Grenze in Sicht, dann ist die mächtige Kastanienallee auch nicht mehr weit. Die Kasteellaan führt direkt hinein in einen Ort, der ganz gewiss mit keinem weit und breit zu vergleichen ist. Denn beim Anblick der Schlossgärten von Arcen bekommen selbst Gartenmuffel große Augen. Ein Paradies auf Erden, in dem sogar der Gedanke nicht abwegig scheint, dass gleich hinter der nächsten Hecke Adam und Eva sitzen. In diesem Garten Eden der Niederlande sollte sie beginnen, die Tagestour durch Arcen.

Arcen ist eine kleine Festungsstadt nördlich von Venlo. Sie gehört zur Gemeinde Limburg, aber liegt so nah an der deutsch-niederländischen Grenze, dass es nicht einmal nötig ist, den Radiosender im Auto umzustellen. Die Schlossgärten liegen am Ortsrand und erstrecken sich auf mehr als 32 Hektar. Touren werden mindestens zweimal am Tag angeboten, sie beginnen immer an der Orangerie und dauern knapp zwei Stunden. Doch man kann den Garten Eden auch alleine erkunden.Gleich am Eingang besteht die Option, eine Kurzroute durch die Schlossgärten "Kasteeltuinen" zu gehen, die auch mit einem Kinderwagen oder Rollstuhl gut machbar ist. Für alle anderen empfiehlt sich die "All-you-can-see-Tour".

"Das ist der schönste Garten der Region", sagt Vera Craanen. Das sei ein Ort zum Wiederkommen, und das mache sie regelmäßig. Vera Craanen wurde in Arcen geboren. Der Liebe wegen ist sie nach Neuss gezogen. Aber die Verbundenheit zum Heimatdorf ist geblieben. Mit Tochter Vera-Anna und einer Freundin komme sie öfter her, um durch die Rosengärten zu spazieren "und Ruhe zu finden", sagt Craanen. Alles beginnt im Rosengarten. Bereits im "Rosarium" legt sich die Gartenanlage mächtig ins Zeug. Hinter der ersten Hecke sitzen nun zwar nicht Adam und Eva, doch liegt dort etwas versteckt eine Wendeltreppe. Steigen Sie unbedingt hinauf! Der Ausblick macht den Alltag vergessen. Die Gärten im Stil des 17. Jahrhunderts haben eine barocke Symmetrie, akurat angelegte Blumenbeete. Und Zierbrunnen plätschern vor sich hin. Die Route führt weiter Richtung "Watertuin", wo Wasserläufe und Skulpturen aus Stein die verschiedenen Gartenanlagen komplettieren.

Der Besucher wandert auf Wegen, die im Sommer von Flieder und im Herbst von Chrysanthemen gesäumt sind. Bienen und Schmetterlinge fühlen sich hier wohl. Dahinter liegen die Modellgärten, die wohl niemand verlässt, ohne neue Inspiration für den eigenen Garten mitzunehmen. Die "Casa Verde" steht hier am Wasser. Sie ist das Herz des Schlossgartens. Unglaubliche Baumbestände und japanische Koifische gibt es zu entdecken. Dieses tropische Gewächshaus beherbergt sogar einen jahrhundertealten Olivenbaum. Wem nun der Schweiß auf der Stirn perlt, dem sei ans Herz gelegt, auf jeden Fall weiterzugehen. Im hinteren Teil warten nämlich Bergpavillon, Minigolf und eine kühle, erschwingliche Erfrischung im Café. Wer unter der Woche statt am Wochenende kommt, findet verwaiste Wege und Ruhe und hört sogar die Vögel singen. Nach zwei Stunden Natur wartet Kulturgeschichte im Schloss - ein Schmuckstück, das 1753 erbaut wurde und weniger durch Architektur als vielmehr durch sein Mobiliar besticht. "Hier wird nicht nur an die Ausstellung, sondern auch an den Besucher gedacht", sagt Vera Craanen und nimmt auf einer der zahlreichen Parkbänke Platz, um die Aussicht zu genießen. Sie ist wenige Hundert Meter entfernt im Dorfkern aufgewachsen, auf der Raadshuisplein, wo das 1905 erbaute Elternhaus direkt gegenüber dem Rathaus steht. Das ist der Platz, wo sich auch heute das touristische Leben abspielt.

Kleine Häuser und rote Backsteinbauten. Ausreichend Parkplätze rund um die Kirche. Kein Lärm, denn Arcen und seine Besucher fahren "Fiets": Ihre Fahrräder lehnen zu Hunderten an Gasthöfen oder am Ufergeländer an der Maas. Auch Wanderer haben sich unter das Volk gemischt. Denn wer noch mehr Ruhe sucht und gut zu Fuß ist, findet Natur pur auf den zahlreichen Wanderrouten in Arcen. Entlang der Landschaft "De Maasduinen" führen gut ausgeschilderte Strecken sogar bis mitten hinein in die Nachbardörfer.

Zur Stärkung kehren die deutschen und niederländischen Touristen in den Cafés ein. Die Wanderer und Radfahrer haben am Nachmittag schon viele Kilometer in den Beinen. Arcens rund 2200 Einwohner kümmern sich liebevoll um die Gäste. Im Dorf riecht es im Frühsommer nach Spargel, und die Finger kleben vom Eis. Für manche Besucher geht es weiter zur Brauereiführung bei "Hertog Jan". Das Bier ist nach einhelliger Meinung "sehr in Ordnung" - selbst für den verwöhnten deutschen Gaumen. Erholung findet man etwas außerhalb des Dorfes im Thermalbad von Bad Arcen. Seit 1989 kann man in den Salzwasserquellen baden, regenerieren und relaxen. Hier riecht Arcen nach Waldkräutern, Limone oder Eukalyptus.

Es gibt keinen Grund, sich am Ende des erlebnisreichen Tages zu grämen, wenn die Heimat ruft. Stattdessen lieber die Kastanienallee nochmal befahren und bald wiederkommen. So halten es Alt-Arcener auch.

Quelle: RP
 
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