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Jazz
Der Spitzenklöppler: Peter Weiss' neue CD

Diese Kritik dürfte bei einer seriösen Zeitung wie dieser gar nicht erscheinen. Der Text hat - der Leser merkt's bald - ein G'schmäckle. Es geht darum, dass ein Kritiker über die neue Platte eines Freundes überaus wohlwollend schreibt. Eigentlich gehört sich das nicht. Eigentlich gehört es sich aber doch. Der Autor dieser Zeilen hat sich nämlich vergeblich gequält bei dem Versuch, die neue CD des Jazz-Schlagzeugers Peter Weiss objektiv und nüchtern zu besprechen. Von Wolfram Goertz

Das geht nicht, denn Nüchternheit wäre ein noch größeres Unding bei einer CD, über die man jubilieren möchte. Man hätte die CD natürlich einem Mitarbeiter geben könne, auf dass er sie bespreche. Aber dann hätte sich der Autor dieser Zeilen erst recht geärgert, wenn das Lob des Kollegen ihm nicht aus dem Herzen spräche. Deshalb schreibt er lieber selbst. In gewissen Situationen muss die Trennung zwischen Staat und Kirche, zwischen Dienstlichem und Privatem, zwischen Pflicht und Neigung wegfallen dürfen - hier zum Beispiel.

Zudem hat Weiss nicht um eine Rezension gebeten, deshalb handelt es sich nicht um den verwerflichen Fall von Auftragsjournalismus. Der Düsseldorfer Peter Weiss ist ein famoser Schlagzeuger; ich schätze ihn seit langem, nicht nur vom Engstfeld-Weiss-Quartett. Seine Platte heißt "The Good View" und ist ein Blick von der souveränen Warte des gereiften Schlagzeugers auf jüngere Musiker; dazu zählen einige flammend begabte Pianisten (Omer Klein, Pablo Held, Sebastian Sternal) oder der Saxofonist Denis Gäbel.

Sie alle legen unter Weiss' animierender rhythmischer Aufsicht und differenziertem Timing eine feine Mischung aus Standards und Neukompositionen vor. Meine Lieblingsstücke sind Monks "Ask Me Now" und Pieranunzis "Don't Forget The Poet" . In vier Sätzen spielt Peter Weiss ohne Band oder nur mit Bass - kleine artistische Solostücke (etwa "Poet's Ground"), die nachhaltig beweisen, dass gute Schlagzeuger sogar Melodien spielen können.

Ein wahrer Spitzenklöppler! Mit einem letzten Wort des Rezensenten, der sich als Freund freut, dass die CD so gut ist: Kaufen und genießen!

Quelle: RP
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