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Familienrezepte
Der süße Duft der Erinnerungen

Backen gehört zu Herbst und Winter, die Zeit ist verbunden mit Ritualen und Traditionen. Sechs Redakteure stellen Familienrezepte vor und erzählen, was sie mit diesem Gebäck verbinden.

Shortbread

"Meine Tante Monika war in den 60er Jahren mehrmals als Aupair in England und lernte dort das buttrige Gebäck der schottischen Nachbarn lieben. So sehr, dass sie sich nach ihrer Rückkehr - so erzählt es die Familienlegende - erstmal einer radikalen Kaffee-Zigarettendiät unterzog. Was für die Kekse spricht: nur drei Zutaten, einfache, schnelle Zubereitung (auch jüngere Kinder können mitmachen) und der verführerische Geschmack. Noch heute wird meine Tante immer wieder auf das Rezept angesprochen, sobald ein Gast einen ihrer Kekse probiert hat. Auch bei uns ist das Shortbread überaus beliebt - von der Oma bis zum Kater."

Daniela Buschkamp (46), Lokalredaktion Viersen

Zutaten 400 g Mehl, 300 g gesalzene Butter, 250 g brauner Zucker

Zubereitung Weiche Butter, Mehl und Zucker zu einem glatten Teig kneten und abgedeckt für eine halbe Stunde kühl stellen. Den Teig vierteln, mit Mehl an den Händen zu je einer zwei Zentimeter dicken Rolle formen. Rund zwei Zentimeter breite Stücke schneiden. Auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen, jeden Keks mit der Gabel einstechen. Etwa 20 Minuten bei 175 Grad (Ober-/Unterhitze) backen, bis das Gebäck hellbraun sind. Wer es raffinierter mag, kann die Kekse noch mit Ingwerstücken, Zimt oder Schokostücken aufpeppen.

 

Vanille-Schnitten

"In meiner Familie wird der Integrationsgrad von Neuaufgenommenen auch daran gemessen, ob sie verstanden haben, dass es bei uns keine Kekse gibt. Wir backen Plätzchen, Kekse kommen aus dem Supermarkt. Die Rezepte sind seit Generationen in der Familie, in Hochzeiten backte meine Oma 15 Sorten, darunter auch die Vanilleschnitten, die zart und knusprig sind – und in der Regel beim Essen den ganzen Pullover vollkrümeln. Aber so muss es sein. Meine Oma bewahrte die Plätzchen immer in Dosen und Töpfen auf, die bei ihr im kalten Schlafzimmer standen. Nach einigen Jahren hatten wir Enkel spitz, wie man einen Topfdeckel ohne das verräterische Klirren öffnet. Oma hat uns trotzdem ertappt, siehe oben, die Krümel . . .

Meine Eltern haben mit uns Kindern dann auch viel gebacken: Alte Sorten und manche Empfehlungen, aber irgendwie hat sich kein neues Rezept durchsetzen können, wir blieben und bleiben der Tradition treu. An was ich mich auch immer erinnere: Wenn wir früher Plätzchen backten, roch unser Dackel, der in seinem Körbchen in der Küche schlief, am nächsten Morgen immer nach Zimt und Karamell."

Martina Stöcker (43), Ressortleiterin Report/NRW

Zutaten 280 g Butter, 2 El saure Sahne, 370 g Zucker, 4 Eier, 420 g Mehl, 1 Vanilleschote, 280 g geschälte und gestiftelte Mandeln

Zubereitung Aus Butter, saurer Sahne, 90 g Zucker, vier Eigelb und Mehl einen Knetteig machen. Ausrollen, in fingerlange und fingerdicke Stücke schneiden (schön sieht es aus mit einem Teigrädchen) und über Nacht kühl stehen lassen. Aus vier Eiweiß einen steifen Schnee schlagen, 280 g Zucker und das Mark einer Vanilleschote hinzugeben. Die Mandelstifte unterziehen und dann die Masse mit zwei Löffeln als Häufchen auf die
Teigfelder setzen. Bei 150 Grad (Ober-/Unterhitze) etwa 18 bis 20 Minuten backen. Die Baiserhaube sollte noch weiß wirken.

 

Berliner Brot

"Mit meiner deutschen Oma Grete habe ich als Kind in der Adventszeit meist vier Sorten Plätzchen gebacken: Spritzgebäck, Kokosmakronen, Schwarzweiß-Gebäck und Berliner Brot. In der Küche wurde der Fleischwolf fürs Spritzgebäck aufgebaut, zum Abkühlen kamen die Bleche mit den Plätzchen auf die kalten Nachtspeicherheizungen. Das Rezept für Berliner Brot ist das Einzige, das handschriftlich erhalten ist. Es stammt von einer Nachbarin und Freundin meiner Oma. Meinem Vater war es offenbar nicht genau genug, er hat die Backzeit ergänzt und einen Teelöffel Ingwer hinzugeschrieben. Die beiden waren in punkto Geschmack häufiger anderer Meinung. Für meine Oma war es Weihnachten eine Wohltat zu wissen, dass wir auch ihre Plätzchen aßen. Von den Spezialitäten meines englischen Vaters, Mince Pies und Christmas Pudding, probierte sie meist nur eine Anstandsgabel, und dann griff sie in die Keksdose."

Leslie Brook (33), Redakteurin, Ressort Report/NRW

Zutaten 500 g dunkler Farinzucker, 2 Eier, 50 g Butter, 1 El Kakao, 1 Tl Zimt, 1 Tl Nelkenpfeffer/Piment, 500 g Mehl, 1/2 Pfund Mandeln oder Haselnusskerne, 1 Tl Backpulver, etwas Wasser (ca. eine halbe Tasse)

Zubereitung Zucker, Eier und Butter verrühren. Dann Kakao, Zimt, und Piment darunter mischen. Mehl, Backpulver und Nüsse einarbeiten. Maximal eine Dreiviertelstunde im Ofen backen, sofort schneiden.


Butterplätzchen

"Auf einem fleckigen Zettel in der Vitrine meiner Mutter stehen die Zutaten für unsere Weihnachtsplätzchen. Mein großer Bruder hatte ihn 1988 vom Backen in der Grundschule mitgebracht, säuberlich beschrieben mit grünem Filzstift. Weil die Zutaten simpel und die Zubereitung einfach waren, konnten wir – damals sechs und fast zwei Jahre alt – schon beim Rollen und Ausstechen helfen. Auch mein kleiner Bruder lernte später schnell. Immer am 1. Advent backen wir, in all den Jahren hat meine Mutter das Rezept nie verändert. Nur in einen Teil des Teigs streut sie für mich Kakaopulver. Mein großer Bruder lebt schon lange in Japan. Zu Weihnachten bekommt er wieder ein Päckchen aus der Heimat – darin auch eine große Portion Plätzchen."

Emily Senf (29), Ressort Report/NRW

Zutaten 250 g Butter, 500 g Mehl, 2 Eier, 125 g Zucker, 1 Tütchen Vanillinzucker, 1/2 Tütchen Backpulver

Zubereitung Die Zutaten vermengen und kneten. Teig ruhen lassen. Ausrollen (maximal vier Millimeter dick) und ausstechen. Bei 160 Grad (vorgeheizt) acht bis neun Min. backen.


Nussbusserln

"Bei uns gab es im Advent eher traditionelles Gebäck und eine strikte Aufteilung: Oma backte Spritzgebäck und Kleiebrötchen, Mama Vanillekipferl und Nussbusserln – und am Ende wurde getauscht. Als Kind habe ich mich besonders gefreut, wenn die Nussbusserln gebacken wurden. Denn dann konnte man immer so schön mit Teig rummatschen. Meine Mutter war allerdings nicht begeistert, als ich mit meinem Bruder – schon bevor die Plätzchen in den Ofen kamen – die Hälfte der Backoblaten aufgegessen hatte. In den kommenden Jahren hat sie dann immer darauf geachtet, dass jedes ihrer Kinder eine Packung Oblaten nur zum Essen bekommen hat, an die restlichen durften wir dann nicht mehr ran."

Ina Schwerdtfeger (32) betreut die Duu-App

Zutaten 3 Eiweiß, 200 g Zucker, 350 g gemahlene Haselnüsse, 1/3 Tl gemahlener Kaffee, 25 g Raspelschokolade, Mark einer Bourbon-Vanille-Schote, Backoblaten (50 mm Durchmesser), Schokoladen-Kuvertüre oder Marmelade

Zubereitung Das Eiweiß steif schlagen und dann den Zucke unterrühren. Die übrigen Zutaten hinzufügen. Aus dem Teig kleine Kugeln formen, die dann auf die Oblaten gedrückt werden. Dann am besten mit dem Stiel eines Kochlöffels kleine Mulden in die Kugeln drücken und die Busserln bei 150 Grad 15 Minuten bakken. Dann die Vertiefungen mit flüssiger Schokolade oder Marmelade füllen.


Engelsaugen

"Gute Weihnachtsplätzchen sind wie Uncle Ben's Reis: Sie gelingen immer und kleben nie. Sogar wenn Menschen wie ich den Backofen befüllen, die das Gerät an den 364 anderen Tagen im Jahr bloß dazu nutzen, eine Tiefkühlpizza aufzutauen. Deshalb schätzte ich die Engelsaugen schon, als ich noch keine eigene Familie hatte. Sie waren mein persönliches, kinderleichtes Erfolgsrezept. Seit die beiden Jungs da sind, habe ich aber ganz neue Qualitäten an dem Rezept entdeckt. Man braucht gar keinen bemehlten Kochlöffelstiel zum Kuhlenbohren! Das geht auch super mit dem Zeigefinger eines Zweijährigen! Und die eigentlich nervige Ruhepause des Teigs im Kühlschrank ist ideal geeignet, ein Schlachtfeld in eine Küche zurückzuverwandeln – und man hat Zeit, sich eine Antwort auf die Frage auszudenken: "Papa, warum haben Engel rote Augen?".

Martin Röse (43), Leiter Redaktion Viersen

Zutaten 600 g Mehl, 375 g Butter, 175 g Puderzucker, 5 Eigelb, 5 Tl Vanillezucker, 2 1/2 Citroback, 2 Prisen Salz, Johannisbeerkonfitüre

Zubereitung Alle Zutaten zu einem Teig verkneten und zwei Stunden im Kühlschrank ruhen lassen. Den Backofen heizen (200 Grad Ober-/Unterhitze). Aus dem Teig kleine Kugeln formen und auf Backpapier setzen. Mit dem bemehlten Ende eines Kochlöffels Kuhlen in den Teig bohren und dann die glatt gerührte Konfitüre (oder Gelee) mit Hilfe eines Spritzbeutels einfüllen. Zehn bis 15 Minuten backen. Abgekühlt mit Puderzucker bestäuben.

 

 

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Quelle: RP
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