| 10.49 Uhr

Klassik-CD
Die Bratsche schmiedet Musikerfreundschaften

In der Geschichte der Philosophie wurde der Wert der Freundschaft vor allem und zuerst von dem großen Griechen Epikur verfochten. Für ihn bedeutete Freundschaft die ideale Stärkung des Menschen im Alltag; sie schützte ihn vor Anfeindungen von außen, und sie wärmte seine Seele. Es schien, als hätte Wolfgang Amadeus Mozart, der fraglos zu den Epikuräern zu zählen ist, diesen Begriff der Freundschaft sehr ernst genommen. Von Wolfram Goertz

Unter den vielen Musikern, mit denen er zu tun hatte, fühlte er sich einigen nahe und tief verbunden, vor allem dem legendären Klarinettisten Anton Stadler. Den hatte Mozart in Wien kennengelernt. Stadler war offenbar das Gegenteil einer robusten und selbstbewussten Persönlichkeit, er trank, ging dem Glückspiel nach und pumpte ausgerechnet Mozart, dessen finanzielle Verhältnisse selbst alles andere als geordnet waren, um erhebliche Mengen Geld an.

Aber er verstand es zu feiern und war ein ausgezeichneter Musiker. Bekannt war er vor allem dafür, dass er die tiefen Register der Klarinette beherrschte. Um den Tonraum zu erweitern, ließ er das Instrument sogar durch Verlängerung zur Bassettklarinette weiterentwickeln. An dieses Bündnis für Kunst und Leben fühlt man sich jetzt bei der wunderbaren neuen CD des Bratschisten Nils Mönkemeyer erinnert (bei Sony), der erstens drei berühmte Freunde um sich geschart hat und mit ihnen zweitens an jene Stadler-Mozart-Allianz erinnert.

Die Musiker sind die Klarinettistin Sabine Meyer, die Geigerin Julia Fischer und der Pianist William Youn, und man stellt sich beim Hören vor, wie die Interpretationen nicht nur an Instrumenten, sondern auch in geselliger Runde gereift sind. Kostbar ist die Liste der Werke, und Entdeckungen sind auch zu machen. Man begegnet dem wonnigen Klarinettentrio KV 498 ("Kegelstatt") oder den frühen Violasonaten KV 14 und 30. Auch das weitere Repertoire des Albums ist reizvoll - so erklingen extra für diese Aufnahme arrangierte Auszüge aus dem Londoner Skizzenbuch oder die Sonate in F-Dur in einer Version für Viola und Klavier, also Werke, die Mozart mit neun und elf Jahren geschrieben hat.

Quelle: RP
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