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Familienwoche
Die kleine Tonhalle

Für die "Familienwoche" im September haben die Konzertpädagogen der Tonhalle ein feines Angebot ausgearbeitet. Die Karten sind überaus begehrt. Von Jessica Balleer

Ein Kinderkonzert in der Tonhalle hatte Michael Becker vor knapp zehn Jahren besucht, als seine Zeit als Intendant begann. Beckers Kinder, damals zwei und vier Jahre alt, brachten ihre Wahrheit auf den Punkt: zu unruhig, zu voll, zu laut. Es war ein Konzert, konzipiert für alle Kinder bis zwölf Jahre - und das "funktionierte so nicht", sagt Michael Becker heute. Seither sind die Konzepte gereift. Das Familienangebot der Tonhalle ist ein anderes. Es steht für Klangfarbe, Rhythmus und Bewegung - ein Erlebnis für alle Sinne. Und wenn vom 3. bis 11. September in der "Familienwoche" der Tonhalle wieder gestaunt, gewippt, gekrabbelt und gesungen wird, steckt dahinter ein exzellentes Konzept, denn kaum ein anderes Konzerthaus in Deutschland bietet ein so fein abgestimmtes Programm für Babys, Kinder und Eltern.

Ein Konzertsaal voller Kleinkinder, in dem Kultur funktioniert? Schwierig sei das, sagt Michael Becker, denn Babys und Einjährige erleben ganz anders als Dreijährige. Dass das in der Tonhalle funktioniert, ist vor allem auch die Leistung der Konzertpädagoginnen Ariane Stern und Stephanie Riemenschneider. Für jedes Alter sind die Konzerte in Inhalt, Länge, Lautstärke und auch in der Saalgröße angepasst. Die "Familienwochen" konnten in den vergangenen zehn Jahren zusammen mit der Nachfrage wachsen, und sie haben an Qualität gewonnen.

"Die Idee dahinter ist, Musik für die ganze Familie erlebbar zu machen", sagt Ariane Stern. Die Konzertformate stammen alle aus dem eigenen Haus. Sie werden in der Tonhalle entwickelt. "Laut und leise" heißt das Motto 2016. Die Hör-, Seh- und Fühlstücke für die Allerkleinsten finden im Kammermusiksaal statt. Babys krabbeln dann und entdecken die musikalische Klangwelt. "Himmelblau" heißt das, und es ist intim und entspannt zugleich, wenn Sängerin, Cellist und Tänzer den Raum einnehmen. Zehn Musikreisen für "Sterntaler" gibt es in der Familienwoche für alle Zwei- bis Dreijährigen. Ausgerechnet die vorwitzige Clara, eine redefreudige Handpuppe, führt durch das Programm. Angefangen bei riesengroßen Flügeln und klitzekleinen Xylophonen, endet die Reise mit dem Entdecken des vielfältigen Schlagzeugs. Handpuppe Clara sorgt schon bei den regelmäßig angebotenen Kindergartenvorstellungen in der Tonhalle dafür, dass diese mal mit mehr, mal mit weniger Tohuwabohu verlaufen. Die "Sternschnuppenkonzerte" sind für Fünf- bis Sechsjährige. Für große Kinder ist der große Saal vorgesehen. Eine Stunde lang dürfen sie Kultur erleben - und dürfen selbst ausprobieren.

Gute Kulturveranstaltungen bleiben selten ein Geheimtipp. Auf drei Festivalwochen im Jahr ist das Familienangebot der Tonhalle gewachsen, weil die Nachfrage ungebrochen groß ist. Meist sind die Karten innerhalb weniger Tage vergriffen. Die Tage sind gespickt mit Angeboten für sämtliche Altersgruppen. Zum ersten Mal konnte das Angebot nun aufgestockt werden. Doch was auf der Bühne der Tonhalle geschieht, kann längst nicht mehr über die Eintrittskarten finanziert werden. Die Kosten pro Ticket betragen für Kinder fünf und für Erwachsene zehn Euro.

Einfach mehr zu machen und dabei an Qualität einzubüßen, das wollten die Organisatoren nicht. In der Arag-Versicherung hat sich ein Düsseldorfer Familienunternehmen gefunden, das die Familienwochen fördert und finanziell unterstützt. Mehr als 70 Konzerte für Familien veranstaltete die Tonhalle in der vergangenen Saison. In dieser Spielzeit sind es fast 100. Für jede Reihe gibt es einen Newsletter, für den man sich anmelden kann. Der Vorverkauf ist verteilt auf drei Tage, auch das ist neu. Er beginnt am morgigen Dienstag, online ab 12 Uhr.

Dabei geht es nicht nur um den pädagogischen Wert. Das Kulturpaket für die ganze Familie ist ein Erlebnis. Selbst für die unter Einjährigen mache das Sinn, sagt Konzertpädagogin Stern. Die Musik wird körperlich vermittelt und nicht nur auf dem Instrument gespielt. Eine Tänzerin, eine Sängerin und ein Instrumentalist bilden das Ensemble. Das fordere die Darsteller auf der Bühne, "aber wenn das gelingt", sagt Stern, "schaffen es die Kinder problemlos, eine halbe Stunde lang die Klangwelt aufzunehmen".

Die einen schauen dann interessiert zu. Einige Mutige treibt es aber auf die Bühne. Sie krabbeln hinauf und entdecken die Musikwelt. Kein Wunder, dass viele Familien seit Jahren dabei sind und immer wieder den Weg in die Tonhalle finden. Es ist ein Erlebnis für Kinder und auch Eltern. Denn mit der Gründung einer Familie verändert sich auch für die Eltern die Teilnahme am kulturellen Leben in der Stadt. Die "Familienwochen" wollen also die Wünsche von Kindern und Erwachsenen in einem Raum erfüllen.

Quelle: RP
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