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Rock
Die Rückkehr der Gitarrenband Ride

Verzeihung, aber jetzt muss man sich mal aufregen. Der Anlass ist das neue Album der britischen Band Ride, das an sich ganz in Ordnung ist, ein bisschen langweilig vielleicht, aber gut gemeint. Hätte eine beliebige andere Band es aufgenommen, könnte man es unkommentiert durchwinken. Aber es stammt nun mal von Ride, jener Gruppe, die eines der schönsten Alben aller Zeiten aufgenommen hat. "Nowhere" heißt das Meisterstück, es erschien 1990, und zu hören war jene Gitarrenmusik, die man einst Shoegaze nannte. Von Philipp Holstein

Shoegazing bedeutet, dass man auf seine Füße blickt, und die Jungs, die hier spielten, taten das, während sie ihre Gitarren so bearbeiteten, dass sie geradezu eingewickelt wurden von ihrem Sound. Die Plattenhülle schmückt das Bild einer Welle im Meer, und genau so wirkte die Musik von Ride: Man wurde schwerelos, tauchte ein, man verschwand darin. Das war zwar noch Rock, aber Shoegaze hatte zugleich etwas von Ambient, weil der Klang mehrerer Gitarren so ein Rauschen ergab, von dem man sich durch die Stücke tragen ließ.

Dazu erzählte der Sänger Geschichten von Seemöwen und Kondensstreifen, und wer die Platte nicht kennt, möge sie sich rasch besorgen und zu Lied acht skippen: "Vapour Trail". Vier Minuten Perfektion. Es gibt weitere tolle Stücke von Ride, "Unfamiliar" etwa, aber dieses ist der Gral. Eine großartige Band also, prägend für ihre Zeit. Umso erfreulicher war das Comeback, das sie 2017 nach 20 Jahren Pause feierte. Allerdings klang die Platte, mit der sie zurückkehrte, doch ziemlich egal.

Die neue, die "Tomorrow's Shore" heißt und soeben veröffentlicht wurde, ist sogar ärgerlich. Ride imitieren nämlich Tame Impala, eine jüngere Gruppe aus Australien, die die Tradition des Shoegaze mit Elektronik verbindet und zu einem unwiderstehlichen und gegenwärtigen Sound verarbeitet. Rihanna hat bereits ein Stück von ihnen gecovert. Man könnte also sagen, Ride haben den ehrenwerten Versuch unternommen, sich weiter zu entwickeln, und sind dabei zu Imitatoren ihrer Erben geworden.

Traurig, einerseits. Anderseits ändert das natürlich nichts an der Größe dieser Band.

Quelle: RP
 
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