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Eine Küche, über der bald ein Stern stehen könnte

Das Restaurant Kasteel im Hotel Lindenhof in Mönchengladbach-Hardt ist ab heute kein Geheim-Tipp mehr. Die Qualität darf sich an der von Sterne-Köchen messen.

Gut gelegen? Nun ja - Mönchengladbach hat (abgesehen vom Fußball) in den vergangenen Jahren wenig gute Schlagzeilen gehabt. Und die Stadt gilt auch nicht gerade als Ausflugsziel. Dabei hat sie sehr schöne, idyllische Stadtteile. Hardt gehört dazu. Mitten drin, an einer alten Handelsstraße liegt das Restaurant Kasteel. Es ist seit weit mehr als 100 Jahren im Familienbesitz, ursprünglich wurde es im 17. Jahrhundert als Gasthaus für fahrende Kaufleute errichtet. Wer hinfährt und Mönchengladbach nicht kennt, wird sich an der grünen Umgebung und den zum Teil alten und gepflegten Häusern erfreuen. Gut geschmeckt? Ohne Zweifel! Hätte uns ein Freund nicht das Lokal empfohlen, wir hätten es nie kennengelernt, und das wäre bedauerlich. Nun raten wir den Schmeckleckern von Michelin, Gault-Millau und Aral-Atlas, mal das Kasteel zu testen. Einige waren wohl schon da, wie ein paar dezente Schilder am Eingang verkünden. Die bis ins Detail liebevoll, kreativ und handwerklich perfekt bereiteten Speisen, das Ambiente mit feinen Ledermöbeln, Stoffservietten, Gebinden aus frischen Blumen müssten den Anforderungen der sehr pingeligen Tester entsprechen. Anders gesagt: Es würde nicht verwundern, wenn da demnächst mal ein Stern aufginge über dieser Küche in Hardt. Ob Koch und Inhaber Volker Kasteel das will, ist allerdings nicht gesagt . . . Schon der anfangs gebrachte Brotkorb mit verschiedenen, frischen Sorten und die dazu gereichten Schälchen mit Kräuterquark, Lachscreme und selbstgemachtem Schmalz kamen gut an. Der Gruß aus der Küche - eine Kombination aus kalter Melonensuppe und einer Spargelcreme in einem winzigen Röhrchen aus geliertem Apfel - machte Appetit auf mehr. Das Carpaccio vom Spargel (18,90 Euro) hatten wir so noch nie genossen, das vom Rind (16,90) war perfekt - nicht zuletzt, weil die Küche den Parmesan sparsam darüber gehobelt hatte, so dass der kräftige Käse die hauchdünnen Scheiben des in grünem Pesto marinierten Rinderfilets geschmacklich nicht erdrückte. Danach wählten wir Steinbutt mit einem winzigen Klecks Kaviar (20,80) und waren mit der als Zwischengericht angebotenen Portion angesichts der bereits üppig genossenen Leckereien davor sehr zufrieden. Ein Lammrücken (29,50) hätte, wenn man denn was monieren will, innen einen Tick mehr rosa sein können. Die dazu servierten, selbst gemachten Kartoffelkroketten sollte man aber zwingend all jenen geben, die Kroketten sonst nur aus der Tüte kennen. Überraschend? Uns fiel die sehr kleine Karte auf - zusammen mit den durchaus angemessenen Wartezeiten ein klares Indiz für die löbliche Abneigung der Küche gegen Convenience.

Den Preis wert? Das Kasteel ist nicht billig, wir hatten am Ende (mit Wein, Wasser, einem Espresso) und einem köstlich-leichten Dessert aus gratinierten Erdbeeren (13,90) insgesamt 136 Euro auf der Rechnung. Angesichts der Leistung angemessen. Gut bedient? Der Service mit Susanne Kasteel, der Frau des Inhabers, an der Spitze war angenehm zurückhaltend, aufmerksam und kompetent. Fazit Gruß an die Küche mit Daumen nach oben und dem Versprechen, wieder zu kommen. Und einen Stern vom Michelin muss man heutzutage nicht mehr haben, um die Gäste zu überzeugen.

Info Hotel Lindenhof, Restaurant Kasteel, Vorster Str. 535, 41169 Mönchengladbach. Tgl geöffnet ab 18 Uhr www.lindenhof-mg.de

Quelle: RP
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