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Xanten
Eintauchen in die Welt der Römer

Archäologische Park Xanten
Archäologische Park Xanten FOTO: Bauch Jana
Xanten. Der Archäologische Park Xanten beschert Besuchern eine Reise in die Vergangenheit. In der Werft wird gerade ein Segelschiff rekonstruiert. Von Saskia Nothofer (Text) und Jana Bauch (Fotos)

Die einheimischen Rinderrassen am Niederrhein waren kleinwüchsig. Erst die Römer züchteten deutlich größere Tiere, die mehr Fleisch gaben. Lustige und interessante Fakten wie diese und vieles mehr erfahren die Besucher im Römermuseum des LVR-Archäologischen Parks Xanten (APX). Die unterschiedlich großen Knochen der Rinder sind in einer Vitrine aufgereiht, in anderen Vitrinen ist das erste Geld der Römer zu sehen, daneben Schmuck, Werkzeug und ein großer Kochtopf.

Das Römermuseum ist nur eine Attraktion auf dem weitläufigen Gelände des APX, dem größten archäologischen Freilichtmuseum Deutschlands, das auf dem Gelände der einstigen römischen Stadt Colonia Ulpia Traiana errichtet wurde und seit 1977 die Besucher anlockt. Ein besonderes Highlight erwartet die Gäste derzeit in der Werft. Das Team um den Niederländer Kees Sars, einer der letzten historischen Schiffbaumeister in Europa, baut vor den Augen des Publikums an einem römischen Segelschiff - der Minerva Tritonia. Ihr historisches Vorbild stammt aus dem späten dritten Jahrhundert. Mit 18 Metern Länge und fast vier Metern Breite wird es das größte bisher im APX rekonstruierte Schiff. "Zum Ende des Jahres soll es fertig sein", sagt Sars.

Das Team um den Schiffbaumeister ist kein gewöhnliches, denn die jungen Menschen, die mit anpacken, haben eine Behinderung. "Wir geben ihnen die Chance, ein Praktikum in der Werft zu machen", sagt Sars. Sie arbeiteten voll mit, könnten sich sehr gut einbringen: "Wir legen den Fokus eben nicht auf ihre Einschränkungen, sondern auf ihre Möglichkeiten und Talente."

Laut Ingo Martell, Sprecher des APX, soll aus dem Praktikums- noch in diesem Jahr ein Ausbildungsangebot werden. Junge Menschen mit besonderem Förderbedarf sollen so eine voll anerkannte Ausbildung zum Holzarbeiter im Park abschließen können. "Mit einem solchen Abschluss haben sie auf dem realen Arbeitsmarkt eine Chance", so Martell. Doch schon jetzt können Neugierige dem Schiffbauerteam über die Schulter gucken und sich die Details seiner Arbeit erklären lassen. Und zu besonderen Gelegenheiten werden die rekonstruierten Schiffe sogar zu Wasser gelassen.

Weniger friedlich als in der Werft ging es bei den Römern in der Arena zu. Gladiatorenkämpfe waren ein beliebtes Schauspiel, zu dem Tausende Besucher kamen. Im direkt an den Resten der Stadtmauer gelegenen großen Amphitheater im APX können die brutalen Kämpfe nachvollzogen werden. Bis zu 10.000 Menschen hatten hier Platz, um dabei zuzusehen, wie Mensch gegen Mensch oder Mensch gegen Tier um Leben und Tod kämpfte. Freiwillig gingen jedoch die wenigsten Gladiatoren in den Kampf, die meisten waren Kriegsgefangene, Sklaven oder verurteilte Verbrecher. Gladiatorinnen gab es dagegen kaum. Lediglich Kaiser Domitian soll angeordnet haben, Frauen nachts im Fackelschein kämpfen zu lassen. Und der Dichter Martial berichtet von Frauen, die gegen Kleinwüchsige zum Kampf antraten.

Neben der großen Arena zeugt auch der strahlend weiße Hafentempel, der zweitgrößte Tempel der Stadt, von der Baukunst der alten Römer. Auf den Grundmauern des Originals gebaut, wurde das Monument mit den gleichen Materialien errichtet und macht so die Wirkung des antiken Originals begreiflich.

Doch es sind nicht nur die imposanten Bauten, die die Römer ausmachen. Schließlich mussten auch die ganz normalen Menschen irgendwo wohnen. Einen Einblick in dieses gewöhnliche Leben, den Alltag fernab von Pracht und Reichtum, bieten die Handwerkshäuser. Wo schliefen die Bürger, wie sahen ihre Toiletten aus, wie und wo lagerten sie ihre Vorräte? Hinter den Häusern erschließt sich so ein Labyrinth aus Parzellen und Höfen, in denen es viele Details zu entdecken gibt.

Ist der Wissensdurst gestillt, gibt es für Kinder verschiedene Möglichkeiten, ihrer Energie freien Lauf zu lassen. Auf dem großen Abenteuerspielplatz ist viel Platz zum Austoben. Gleich daneben bietet der Wasserspielplatz mit seinen Kanälen, Schleusen, Pumpen und einer großen Archimedischen Schraube Raum zum Entdecken. Und auch bei Regen wird es nicht langweilig. Im Spielhaus nämlich können römische Gesellschaftsspiele ausprobiert werden.

Kommt dann Hunger auf, ist die Verpflegung nicht weit. Im römischen Restaurant werden Gerichte nach antiken Rezepten serviert - je nach Wetterlage auch auf der weitläufigen Sonnenterrasse. Und im neuen Museumscafé in der restaurierten Mühle gibt es kleine Speisen und Kaffee. Aber auch diejenigen, die ihr Essen selbst mitbringen, sind im APX richtig. Wer will, kann picknicken und an ausgewiesenen Plätzen grillen.

Neben den festen Sehenswürdigkeiten des Archäologischen Parks Xanten werden auch immer wieder besondere Veranstaltungen angeboten. So finden beispielsweise vier Mal pro Jahr Live-Ausgrabungen statt, bei denen Besucher den Archäologen bei ihrer Arbeit zusehen können.

Quelle: RP
 
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