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Berlin
Erderwärmung in Deutschland stärker als im Weltdurchschnitt

Berlin. Der Klimawandel wird sich in Deutschlands Städten immer häufiger mit Starkregen bemerkbar machen. "Wir leben in Zeiten des beobachtbaren Klimawandels", erklärte Paul Becker, Vizechef des Deutschen Wetterdienstes (DWD), in Berlin. Mit verblüffenden Erkenntnissen zu den Überflutungsrisiken in Köln verwies er auf erste Ergebnisse eines neuen DWD-Projektes, das flächendeckend die Starkregengefahren aller Städte detailliert erfassen soll. Danach geht der jährlich mindestens einmal zu erwartende Starkregen vor allem im rechtsrheinischen Stadtteil Porz nieder, während das linksrheinische Rodenkirchen allenfalls die Hälfte der Wasserfluten abbekommt. Von Gregor Mayntz

Solche Informationen sollen den Rettungskräften bei der Erstellung von Notfallplänen helfen, aber auch Städteplanern Hinweise auf bauliche Vorkehrungen etwa bei Bordsteinhöhen, Straßengefällen oder Regenrückhaltebecken liefern. Die früheren Aufzeichnungen über Bodenmessnetze konnten nur grobe Orientierungen geben. Nun wertet der Wetterdienst das Echo auf Radarmessungen aus, wodurch sehr präzise und stadtteilgenaue Erhebungen über die Niederschlagsmengen möglich werden. Weitere Städte sollen binnen drei Jahren untersucht sein und die Starkregenrisiken dann mit jährlichen Folgeanalysen präzisiert werden.

Überdurchschnittliche Regenmengen verzeichnen die Wetterforscher unter anderem in Nordhessen, in der Eifel und im Westerwald und vor allem in den Nordwestausläufern der Mittelgebirge in Nordrhein-Westfalen. Insgesamt fällt inzwischen in Deutschland ein Zehntel mehr Regen als zu Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881.

Das Klima zeigt sich auch in anderer Hinsicht regional sehr vielfältig. In Nordrhein-Westfalen scheint im Schnitt mit 1440 Stunden im Jahr die Sonne am wenigsten, da dürfen sich die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern auf 208 jährliche Sonnenstunden mehr freuen. Allerdings brachte das letzte Jahr für Deutschland insgesamt einen deutlichen "Sonnenüberschuss": 142 Stunden mehr als im aktuellen vieljährigen Vergleich.

Den stärksten Temperaturanstieg in den letzten 135 Jahren haben Rheinland-Pfalz, das Saarland und Bayern mit plus 1,5 Grad zu verzeichnen. Auch der Mittelwert für das gesamte Bundesgebiet liegt mit plus 1,4 Grad klar über der weltweiten Erderwärmung. "Land erwärmt sich schneller als Wasser", erläuterte DWD-Meteorologe Thomas Deutschländer. Das vergangene Jahr brachte es mit durchschnittlich 9,9 Grad auf Platz zwei in 135 Jahren. Das lag vor allem am November (plus 3,5 Grad über normal) und am milden Dezember (plus 5,7 Grad). Das wiederum sorgte für Tiefdruckgebiete, die vom Westen über den Atlantik kamen, erneut vor dem europäischen Festland nach Norden abdrehten und in Großbritannien für Überschwemmungen sorgten. Von den 25 Jahren seien, so Deutschländer, 23 eindeutig "zu warm" gewesen. Das sei "erlebter Klimawandel".

Für den Deutschen Wetterdienst hat sich damit die These von der angeblichen Erderwärmungspause erledigt. Und auch die natürlichen Einflüsse seien relativiert. Nach den Worten von Deutschländer sind sich die Klimaforscher inzwischen sicher: "Langfristig überwiegt der Einfluss des Menschen."

Quelle: RP
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