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Ufos, Geheimbünde, Feng Shui
Erforscher des Irrglaubens

Düsseldorf (RP). Seit 20 Jahren kämpft die "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften" gegen den Irrglauben an fliegende Untertassen, Horoskope oder Homöopathie. Von Ludwig Jovanovic

Nur ein schmaler Grat trennt das Reich des Phantastischen von der Wirklichkeit, die oft so profan erscheint - aber bisweilen nur schwer zu durchschauen ist. Und an der Grenze zwischen beiden Welten tummeln sie sich: Ufos und Außerirdische, Geheimbünde und Schicksalsmächte, Parawissenschaften und esoterische Überzeugungen, getragen von einem Fundament aus Halbwahrheiten und verdrehten Tatsachen. An diesem rüttelt seit 20 Jahren die "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften" - auch bekannt als Verein der Skeptiker.

Mehr als 780 Natur- und Geisteswissenschaftler, Zauberkünstler oder Mitglieder mit einer wissenschaftlichen Ausbildung haben sich in dem Verein zusammen geschlossen, weil "uns in der Diskussion mit Esoterikern irgendwann die Argumente ausgingen", sagt Martin Mahner, Gründungsmitglied und Biologe.

"Wir wussten ganz einfach zu wenig von den Überzeugungen, um mitreden zu können", so Mahner weiter, der das das gesellschaftseigene Zentrum für Wissenschaft und kritisches Denken in Roßdorf leitet. Dort werden esoterische oder parawissenschaftliche Erkenntnisse gesammelt und kritisch geprüft. Das Ergebnis in den meisten Fällen: Desillusionierung und Entzauberung.

Ein Beispiel: Ufo-Sichtungen. Sie lassen sich meistens sehr bodenständig mit Wetterphänomen oder menschlichen Flugobjekten erklären. In anderen Fällen handelt es sich um Fälschungen oder Übertreibungen, mit denen ganz irdisch Geld verdient werden soll.

Immer ein Thema ist Feng Shui, hinter dem sich in Europa ein Mischmasch zweier chinesischer Schulen verbirgt. Als "Meister" bezeichnen sich Menschen, die einen 14-tägigen Kurs mitgemacht haben. Doch das Interesse ebbt langsam ab, sagt Mahner. Denn die "paranormale" Modewelle schwappt mittlerweile in eine andere Richtung: homöopathische Heilmethoden für Haustiere.

Rund 20 Prozent der "Skeptiker" sind Ärzte, weil alternative Medizin ein wiederkehrendes Thema ist. Darunter vor allem die Homöopathie. Ein Begriff, hinter dem sich mittlerweile viele verschiedene Heilmethoden verstecken. Der Grundgedanke ist, dass dieselben Stoffe, die bei Gesunden Krankheitssymptome auslösen, diese auch bekämpfen können. Was nicht sehr wissenschaftlich klingt, hat in keiner sauber durchgeführten klinischen Studie bestehen können: Die Wirksamkeit homöopathischer Medikamente geht nicht über den Placebo-Effekt hinaus.

Zudem hat die Gesellschaft aus der "fachkundigen Literatur" eine Liste von Inhaltsstoffen zusammengestellt, die den Mythos der "sanften Natürlichkeit" zerstört und sich wie ein Kochbuch aus dem Gruselkabinett liest: Es reicht von Eiter bis hin zu Taranteln, dem Speichel tollwütiger Hunde, faules Rindfleisch und giftigem Blei. Diese Stoffe werden zum Glück extrem verdünnt - so sehr, dass Wasser mehr natürliches Kalk und Eisen als "Medizin" enthält.

Es gibt aber auch Themen, bei denen die "Skeptiker" sich noch kein abschließendes Urteil gebildet haben. Wie Akupunktur, die bei bestimmten Schmerztherapien Wirkung zeigt. Eine Ausnahme - in einer langen Reihe erklärter Phänomene. So ist Phantasie der Motor des Bermuda-Dreiecks, das sich rein statistisch erklären lässt: Die Zahl der Unglücke ist nicht höher als in vergleichbaren Gebieten mit ähnlichem Verkehrsaufkommen. Und den Gefahren des Elektro-smogs halten die "Skeptiker" Tatsachen entgegen-wie drei Generationen Elektrotechnik ohne schädlichen Einfluss auf die Menschheit.

"Wir wissen, dass wir Gläubige nicht überzeugen können", gibt Mahner zu. Doch vielleicht lassen sich Leute aufklären, die unsicher sind, was wirklich dran ist: Parawissenschaften und Esoterik leben von ihren "einfachen Antworten", während die echte Wissenschaft schwerer zugänglich und "niemals definitiv" ist. Zudem kann mit dem "Religionsersatz" die Welt nach den eigenen Vorstellung geformt werden- oder er enthebt "von der Verantwortung für sein Leben".

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