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Bonn
Erst Königin der Löwen, heute Operndiva
Bonn. Miriam Clark begeistert an der Oper Bonn. Gerade hat sie den Förderpreis des Landes NRW erhalten. Von Regine Müller

Vincenzo Bellinis "Norma" ist Kult. Ihr berühmtester Ohrwurm "Casta diva" ist ein Prüfstein für Sopranistinnen, die Titelrolle gilt als eine der schwierigsten Sopran-Partien des Repertoires. Denn sie verlangt sowohl perlende Agilität als auch dramatische Durchschlagskraft – eine sängerische Quadratur des Kreises. Es versteht sich daher, dass diese Rolle eigentlich den Gipfel einer Sopranistinnen-Karriere markiert, aber nicht ihren Anfang.

Miriam Clark ist ganz unüberhörbar die Ausnahme dieser ehernen Regel: Gerade 31 Jahre war die deutsch-amerikanische Sängerin erst alt, als sie im vergangenen Jahr an der Dortmunder Oper erstmals die Druidenpriesterin verkörperte. Um das "Norma"-Angebot anzunehmen, brauchte sie jedoch zunächst Bedenkzeit: "Mein Vorbild in dieser Rolle ist Joan Sutherland. Und ausgerechnet an dem Tag, als sie starb, kam der Anruf aus Dortmund. Ich habe das dann nach reiflicher Überlegung als gutes Zeichen verstanden." Miriam Clark wurde in Frankfurt am Main geboren und wuchs mit Gesang auf, und zwar mit Gospel. Mit Fünf ging sie in den Kinderchor, den ersten Gesangsunterricht erhielt sie mit Sieben. Sie sang lange fröhlich gleichzeitig Klassik und Pop, bis in der Pubertät der Pop die Überhand gewann. Dann studierte sie an der Theaterakademie in München Musical und war ein Jahr Hauptdarstellerin in Hamburg beim "König der Löwen".

"Das war super, aber nicht das, was mich erfüllt", stellte sie irgendwann fest. Die Entscheidung fiel in Bregenz, als sie dort einen kleinen Gastspielvertrag hatte. Rolando Villazon feierte damals in "La Bohème" Triumphe und Clark sang ihm vor, um seinen Rat zu hören. "Er sagte, 'Du hast eine reine Opernstimme. Wenn Du Deinen Traum leben möchtest, glaub an Dich und mach es!'" Und so fing Miriam Clark noch einmal von vorne an und stellte die Stimme im Studium bei Fenna Kügel-Seifried in München von Musical auf Oper um. "Das war schwierig, aber ich bin sehr ehrgeizig!" Bereits während der Studienzeit trat sie in zahlreichen Solo-Partien im Prinzregententheater in Erscheinung, darunter in Operettenrollen von Johann Strauß, aber auch mit Zeitgenössischem wie etwa in Peter Eötvös' "Radames". Danach war gleich das erste Vorsingen erfolgreich, Bernd Loebe an der Frankfurter Oper engagierte die Sängerin sozusagen vom Fleck weg, und Clark debütierte mit der "Königin der Nacht".

Miriam Clarks Stimme vereint Stimmfächer, die einander sonst ausschließen, nämlich Leichtigkeit und Fülle, sichere und glanzvolle Spitzentöne und ein dunkelrotes, reizvoll verhangenes Timbre. Seit 2011 ist Clark Ensemblemitglied der Oper Bonn, wo sie in der selten zu hörenden "Lakmé" von Léo Delibes zu erleben war und nun auch dort "Norma" singt.

Clark singt am Theater Bonn, Kartentelefon: 0228 / 778008

Quelle: RP
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