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Studie
Das Treibhausgas CO2 macht auch Seen saurer

Studie: Das Treibhausgas CO2 macht auch Seen saurer
Der Möhnesee im Landkreis Soest voller Segelboote. Auf dem Luftbild sieht man im Hintergrund die Ortschaft Möhnesee. Vor 100 Jahren wurde nach fünfjähriger Bauzeit der zehn Quadratmeter große Stauseee eingeweiht. FOTO: dpa, sr pzi Ken lof
Bochum. Nicht nur in den Meeren und Ozeanen steigt der Kohlendioxid-Gehalt. Auch Süßwasserseen können betroffen sein. Das hat Folgen, zeigen Bochumer Forscher auf. Sie haben dazu vier Talsperren in Nordrhein-Westfalen untersucht.

Das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) macht nicht nur Ozeane saurer sondern auch Seen. Biologen der Ruhr-Universität in Bochum haben anhand von Langzeitdaten nachgewiesen, dass sich der CO2-Gehalt in vier Talsperren in Nordrhein-Westfalen innerhalb von 35 Jahren verdreifacht hat.

Die Gewässer wurden durch den CO2-Anstieg saurer: Der pH-Wert ging um durchschnittlich rund 0,3 zurück. Er sank jedoch noch nicht unter den Wert von reinem Wasser, das als neutral gilt. Untersucht hatten die Forscher die Talsperren Möhne, Henne, Lister und Sorpe.

Sie nehmen einen solchen Effekt auch bei vielen anderen Süßgewässern weltweit an, bei einzelnen wurde er bereits nachgewiesen. Je nach Kalkgehalt werde er vermutlich verschieden groß ausfallen, schreiben die Forscher um Linda Weiss am Lehrstuhl Evolutionsökologie und Biodiversität der Tiere in der Fachzeitschrift "Current Biology".

Verschwinden der Wasserflöhe hätte Konsequenzen

Als Folgen des CO2-Anstiegs in den Talsperren befürchten die Forscher nachlassende Verteidigungskräfte von Wasserflöhen (Daphnien) gegen Fressfeinde. Im Labor konnten sich die als Überlebenskünstler geltenden Krebstierchen bei sehr hohen CO2-Konzentrationen nicht mehr ausreichend gegen Räuber verteidigen. Diese Konzentrationen könnten bei unvermindert steigendem CO2-Ausstoß eintreten.

Ein chemischer Sinn erlaubt es den Wasserflöhen nach Auskunft der Biologen, Signalstoffe von Fischen und Mückenlarven aufzuspüren. Typische Abwehrreaktionen seien dann das Aufstellen von Nackenzähnen oder die Änderung der Körpergröße. Das CO2 beeinflusse sehr wahrscheinlich das Nervensystem.

Mitverantwortlich für den sinkenden pH-Wert sei vermutlich der Eintrag von organischem Material wie Blättern in die Stauseen und der anschließende Abbau zu CO2. Sollten die Algen-fressenden Wasserflöhe als Folge aus den Gewässern verschwinden, könnte das Auswirkungen auf größere Wassertiere haben.

Höherer CO2-Gehöt nicht immer negativ

Die Bochumer Biologen wollen weiter an diesem Thema forschen. Bekannt ist laut Weiss, dass auch in Seen in anderen Ländern steigende CO2-Werte gemessen wurden, so in den USA. Zu diesen Werten lägen aber keine Langzeitdaten vor.

Andere Seen in den USA, in Australien oder im Lake District in England könnten ausreichendes Datenmaterial liefern, so Weiss. Ziel sei es, Erkenntnisse zum CO2-Anstieg in Süßwasser-Seen weltweit und zu dessen möglichen Auswirkungen auf Wasserlebewesen zu erhalten.

Die Deutsche Gesellschaft für Limnologie (DGL) hält die Folgen durch einen CO2-Anstieg für logisch. Mit den Auswirkungen auf die Gewässer müsse man sich jetzt mehr beschäftigen, sagte der Präsident Mario Sommerhäuser.

Das Phänomen des höheren CO2-Gehalts sei nicht neu und nicht immer negativ, wenn man an die Moore und ihre Nutzung denke. Eine hohe Absorption von CO2 aus der Luft, wie sie besonders in Ozeanen vorkomme, binde auch das klimaschädliche Gas CO2.

>>>Die Studie im Netz

>>>Weitere Forschungsergebnisse zu Wasserflöhen

Die Studie ist in englischer Sprache mit dem Titel "Rising pCO2 in Freshwater Ecosystems Has the Potential to Negatively Affect Predator-Induced Defenses in Daphnia" in der Fachzeitschrift "Current Biology" erschienen.

(csr/lnw)
 
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