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Himmels-Phänomene
Besuch aus dem All zu Halloween

Halloween-Phänomene: Flugzeug, Alien, Meteor?
Auch in Ungarn – hier am Schloss Salgo – war in der Halloween-Nacht der Feuerball zu sehen. FOTO: dpa, bip ase
Düsseldorf. Seltsame Leuchterscheinung über Mecklenburg-Vorpommern, ein Knall in Krefeld: Zu Halloween stand die Erde im Kreuzfeuer kosmischer Ereignisse – buchstäblich. Sehr wahrscheinlich waren Meteore die Ursache. Von Ludwig Jovanovic

Wenn plötzlich helle Lichter am Himmel erscheinen, muss etwas dahinter stecken, das nicht von dieser Welt ist. Erst recht, wenn es in der Halloween-Nacht am 31. Oktober passiert: In Deutschland, Polen, Südschweden und Weißrussland geschah Seltsames in der Nacht. Ein Feuerball erleuchtete den Himmel über Mitteleuropa und schreckte viele Bürger auf. Im Netz kursierten viele Bilder von dem Phänomen.

Doch was war die Ursache für den riesigen Feuerball?

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Die Antwort klingt nach "Krieg der Sterne": Wir stehen im kosmischen Kreuzfeuer. Weil die Erde auf ihrem Weg um die Sonne durch Staub und Trümmer rast, den zum Beispiel Kometen hinterlassen haben, prasseln am Tag etwa 100 Tonnen dieses Materials auf die Erde. Das hört sich nach einer ganzen Menge an. Die Erde aber ist viele tausend Billiarden Mal massereicher und verträgt den Beschuss ganz gut. Und meistens kriegen wir von dem Dauerfeuer auch kaum etwas mit. Es handelt sich um winzige Staubpartikel, die oft ungesehen vergehen.

Manchmal aber hinterlassen die Fragmente eine sichtbare Spur in unserer Atmosphäre. Dann, wenn die Teilchen etwas größer sind. Schon ein Partikel von der Größe einer Erbse oder Grapefruit kann zu einer beeindruckenden Lichtshow am Nachthimmel führen. Der Grund liegt in der enormen Geschwindigkeit, mit der die Teilchen in die Erdatmosphäre eintreten: rund 30 Kilometer pro Sekunde oder umgerechnet etwa 108.000 km/h sind kein Extremwert, sondern eher schon der Durchschnitt für diese sogenannten Meteore.

Diese Apps helfen beim Sternschnuppen-Beobachten FOTO: Thomas Hartmann

Und wenn so ein Körper mit dieser Energie auf die Lufthülle unseres Planeten trifft, dann drückt er die Gase vor sich zusammen. So wie bei einer Luftpumpe, bei der man schnell und heftig pumpt. Das Ergebnis kennt jeder: Die Pumpe wird heiß. Und etwas Ähnliches passiert in unserer Atmosphäre. Der Meteor presst die Luft vor sich so stark zusammen, dass sie sich erhitzt. Nicht um ein paar wenige, sondern gleich um ein paar Tausend Grad. Die Luft wird so heiß, dass sie zu glühen beginn. Der Meteor verträgt das nicht ganz so gut und verbrennt quasi in dem "Hochofen", den er selbst erzeugt hat.

Größere Brocken aber werden von der erhitzten Luft regelrecht geschält und ziehen so eine Kette von weiteren "Leuchtkörpern" nach sich. Auf einem Video aus Polen sieht man das deutlich. Die Farbe des Lichts verrät sogar, um welche Elemente es sich gehandelt hat: Nickel glüht grünlich, Magnesium dagegen sorgt für ein grün-blaues Leuchten. Auch das sieht man in einem weiteren Video gut.

Doch weil das alles in 40 bis 80 Kilometer Höhe passiert, wo die dünne Atmosphäre mit Temperaturen weit unter Null Grad kalt ist, ist die kosmische Lichtshow nur von kurzer Dauer. Schnell kühlen die erhitzte Luft und der Meteor samt seinen Splittern ab – sofern sie das Ganze überstehen. Wenn sie das tun, dann stürzen die stark abgebremsten Fragmente auf die Erde. Meist sind sie dann aber so klein, dass der Aufprall kaum noch auffällt.

Eine andere Begleiterscheinung kann ein Knall wie von einem Düsenjet sein – weil der Meteor mit mehrfacher Überschallgeschwindigkeit durch die Erdatmosphäre rast. Wenn man das Grollen hört, ist die Lichtshow aber längst vorbei. Was bleibt, ist der Schreck und die Frage, was die Ursache für das laute Geräusch gewesen sein mag.

So könnte es auch in Krefeld in der Halloween-Nacht gegen 22 Uhr gewesen sein, als ein plötzlicher Knall für Verwirrung sorgte. Eine irdische Ursache konnte bislang nicht gefunden werden. UPDATE: Nach Erscheinen dieses Artikels stellte sich heraus, dass ein lautes Feuerwerk in Kempen die Ursache für die lauten Geräusche in Krefeld war. 

Und es gibt tatsächlich Verdächtige für das mysteriöse Ereignis: Anfang November ist die Zeit, in der wir den sogenannten Tauriden-Schauer auf unserer Bahn um die Sonne kreuzen. Weil es so scheint, als ob die Meteore aus dem Sternbild Stier (Taurus) kommen, hat der Teilchenstrom diesen Namen erhalten. Tatsächlich handelt es sich um die Reste eines Kometen, der vor mehr als 10.000 Jahren zerbrach. Die Trümmerteile sind nur wenige Millimeter bis zu mehreren Metern groß – und könnten die Ursache für die Halloween-Phänomene gewesen sein.

Das vermutet auch der Astronom Phil Plait, Autor des leider schlecht ins Deutsche übersetzten Buches "Tod aus dem All". Er schätzt, dass der Halloween-Meteor weniger als einen Meter groß und die Ursache für die Beobachtungen gewesen ist. Und möglicherweise war er nur einer von vielen Teilchen, die in jener Nacht auf die Erde trafen. Damit hätten wir zu Halloween tatsächlich eine außerweltliche Erfahrung gemacht.

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