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Düsseldorf
Kohl-Biograf Schwarz wird 80

Düsseldorf. Der Historiker, Publizist, Biograf und begnadete Wissenschaftler wurde vielfach ausgezeichnet. Von Reinhold Michels

Hans-Peter Schwarz, der heute 80 Jahre alt wird, zählt zu der begnadeten Sorte von Wissenschaftlern, die nicht nur ihr Fach (Zeitgeschichte und Politik) beherrschen, sondern sich einem breiteren Publikum verständlich machen können. Manches ist dem ehemaligen Hochschullehrer in Hamburg, Köln, Bonn mehr als gut, nämlich glänzend gelungen: Da ist die doppelbändige Biografie des bundesrepublikanischen Gründungskanzlers Konrad Adenauer zu nennen - d a s Standardwerk über den "Wundergreis", wie Sebastian Haffner den "Alten von Rhöndorf" treffgenau titulierte. Einen weiteren biografischen Großbeitrag lieferte Schwarz mit seinem tausend Seiten umfassenden Buch über Kanzler Helmut Kohl. Er verstand sich als "Enkel" Adenauers und füllte im historischen Moment 1989/90 die großen Schuhe seines Vorbilds aus. Schwarz beschreibt Adenauer und auch Kohl als Riesen der Politik. "Beim Kanzler der Einheit" unterschlägt der konservative Publizist nicht "die maßgebliche Mitverantwortung" Kohls für die erst langsam abklingende Euro-Krise.

Schwarz ist aber zu sehr Menschenkenner und historisch-politischer Kopf, als das er nicht wüsste, dass selbst die wirkmächtigsten Akteure in der Politik nicht frei von Fehlern sind, dass es also, wo immer man gründlich auf einen Großen blickt, die "Abgründe der Größe" nicht übersehen kann. Schwarz hat neben wichtigen, manchmal maßgebenden Biografien (dem konservativen Anarchisten und Schriftsteller Ernst Jünger und dem genialischen Zeitungserfinder und Verleger Axel Springer galt ebenfalls sein Forscherinteresse) ein veritables Werk zur Erkundung der deutschen Innen-, Außen- und Europapolitik nach dem 2. Weltkrieg verfasst. Der nunmehr Achtzigjährige ist ein vielfach Ausgezeichneter mit der Begabung zum Essayistischen, zum treffenden Wort. Wenn es eine kleine Schwäche gibt, ist es womöglich Schwarz' beinahe hymnische Bewunderung für Adenauer und vice versa die Verachtung für dessen politischen Widersacher, "Spiegel"-Herausgeber Rudolf Augstein. Augstein, erst kürzlich Mittelpunkt eines eindrucksvollen Fernsehfilms, ist in Schwarz' Urteil ein Frechdachs, ein Mix aus Klassenprimus und Lümmel. Auch für Schwarz, der 2003 Deutschlands Nein zum Irakkrieg als Antiamerikanismus missverstand, gilt das oben Gesagte: Größe schützt vor Fehlern nicht.

Quelle: RP
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