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Vogelgrippe
Höhn wirft Behörden Fehler vor

Vogelgrippe: Höhn wirft Behörden Fehler vor
Grünen-Politikerin Bärbel Höhn warf den Behörden schwere Fehler im Umgang mit der Vogelgrippe vor. FOTO: ddp, ddp
Frankfurt/Main (rpo). In Deutschland wächst die Angst vor einem Übergreifen des Vogelgrippe-Virus auf den Menschen. Grünen-Politikerin Bärbel Höhn erklärte in einem Interview, bei einer Pandemie müsse vermutlich eine Absage der Fußball-WM in Betracht gezogen werden. Sie warf den Behörden Fehler im Umgang mit dem Virus vor. Auf Rügen wurde bei 22 weiteren Tieren die Seuche nachgewiesen.

Damit erhöhte sich die Gesamtzahl der auf der Insel gefundenen, positiv auf Vogelgrippe getesteten toten Tiere auf 101. Nach Ansicht des Leiters des WHO-Influenza-Programms, Klaus Stöhr, steigt mit der Dauer der Vogelgrippe unterdessen die Gefahr einer Ausbreitung auf Menschen.

Je länger das Virus existiere, desto "mehr Chancen" gebe es, "auf den Menschen überzugehen", sagte Stöhr am Montagabend im Fernsehen. Deutschland sei im weltweiten Vergleich besser auf die Seuche vorbereitet als andere Länder, räumte er ein. Dennoch sei nun "Klotzen wichtiger als Kleckern", um eine Übertragung des Virus von Wild- auf Nutztiere zu verhindern. "Wenn dieses Virus sich verändert, haben wir nichts in der Hand, um den weltweiten Zug hinauszuzögern", wurde er zitiert. Nach drei Monaten wären dann alle Kontinente davon betroffen.

Eine Mutation des Virus H5N1, die andere Tiere oder Menschen gefährde, gibt es nach den Worten der Münchner Professor Rüdiger Korbel aber bisher nicht. "Das grundsätzliche Risiko besteht natürlich, aber das ist bislang nicht der Fall", sagte Leiter des Instituts für Vogelkrankheiten an der Universität München.

Wie der stellvertretende Institutsleiter des Friedrich-Loeffler-Instituts, Timm Harder, erläuterte, stammen die meisten der neuen H5N1-Fälle in Rügen aus dem Bereich Wittower Fähre. Ab sofort will das Institut seine Untersuchungen auf die im Bereich des Festlands in den Kreisen Ost- und Nordvorpommern tot aufgefundenen Tiere konzentrieren. "Es kommt jetzt darauf an, genau zu untersuchen, wo es das Festland erreicht hat und wie es sich dort gegebenenfalls ausbreitet", erklärte Harder. Bei den neuen Fällen auf Rügen handelt es sich den Angaben zufolge um 13 Singschwäne, vier Höckerschwäne, drei Kanadagänse, einen Mäusebussard sowie einen weiteren Schwan.

Mögliche Folgen für Fußball-WM

Im Falle einer Pandemie müsste nach Ansicht der Vorsitzenden des Agrarausschusses im Bundestag, Bärbel Höhn, vermutlich auch die Fußball-WM abgesagt werden. Stöhr sagte dazu, dies sei "keine Schwarzmalerei". Sollte während der Fußball-WM in Deutschland eine Pandemie ausbrechen, "muss man sich ganz genau überlegen, was man tut".

Die deutschen Landwirte fürchten unterdessen eine Übertragung der Vogelgrippe auf Nutztiere und fordern Entschädigungen vom Staat. Es müsse "alles unternommen werden, um dies zu verhindern", sagte Verbandspräsident Gerd Sonnleitner. Und der Generalsekretär des Bauernverbandes, Helmut Born, erklärte: "Bund und Länder müssen solidarisch einstehen, falls sich die Seuche weiter ausbreitet." Der Schweriner Landesbauernverband forderte, in diesem Fall nicht nur den Wert der getöteten Tiere, sondern auch den Ertragsschaden zu ersetzen. Die Vorsitzende des Agrarausschusses im Bundestag, Bärbel Höhn, warf den Behörden unterdessen schwere Fehler im Umgang mit der Vogelgrippe vor.

Am kommenden Donnerstag wollen die Länder-Gesundheitsminister Medienberichten zufolge auf einer außerordentlichen Sitzung in Berlin prüfen, ob sie ihre Vorräte an antiviralen Medikamenten für den Fall einer weltweiten Grippe-Epidemie ausbauen. Das Land Sachsen stockt seinen Etat für Grippe-Medikamente für den Fall einer Pandemie auf zwölf Millionen Euro auf.

(ap)
 
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