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Kleines Schatzhaus

Aachen. Die Sammlung des Kunsthauses NRW in Kornelimünster ist kostbar. Seit 1948 dokumentiert die Ausstellung das, was wichtig und neu war im Land. NRW hat seine Außenstelle gerettet, aber hält sie zu kurz. Von Annette Bosetti

Wer sich ehrlich für die Geschichte der jüngeren Kunst in Nordrhein-Westfalen interessiert, der sollte sich unbedingt einmal zu einen Kulturausflug nach Kornelimünster aufmachen. "Kunsthaus NRW" heißt das Museum, nur 20 Minuten von Aachen entfernt, das dem Kultusministerium von Nordrhein-Westfalen zugeordnet ist. Dort ruht ein fast verborgener Schatz, einer der identitätsstiftendsten im Lande: Seit den ersten Nachkriegstagen haben engagierte Kunsthistoriker mit bescheidenen Mitteln und Kennerblick dafür gesorgt, dass das, was an junger Kunst im Rheinland entstand - alles, was vielversprechend und wegweisend schien -, angekauft wurde.

Anders als die legendäre NRW- Sammlung der Klassischen Moderne in Düsseldorf, die Werner Schmalenbach kühn und kenntnisreich zusammenstellte, umfasst diese Sammlung mehrere tausend Werke aus einer anderen Zeit. Es ist ein repräsentativer Querschnitt des jungen Rheinland. Damals noch unbekannte Künstler wie K.O. Götz, Emil Schumacher, Wilhelm Nay, Gerhard Richter, Sigmar Polke oder Günther Uecker wurden durch die Ankäufe gefördert. Heute stehen diese Künstler als Helden des Neubeginns nach dem Zweiten Weltkrieg da. Sie alle sind marktbeherrschend, Weltstars wie auch die im Kunsthaus vertretene Generation der 1980/90er Jahre mit Andreas Gursky, Gregor Schneider, Mischa Kuball oder Thomas Ruff. So ist im historischen Gemäuer der Reichsabtei mit den Jahrzehnten ein zwar kleines, doch sehr ereignisreiches Museum gewachsen.

Idyllisch gelegen ist das Kunsthaus noch dazu in einer ehemaligen Reichsabtei. Durchs prächtige Fachwerkörtchen rauscht die Inde, man kann nach dem Museumsbesuch in die erste Etappe des mehrtourigen Wanderweges "Eifelsteig" einsteigen (www.eifelsteig.de) oder sich mit dem Fahrrad auf den Vennbahnradweg einklinken (www.vennbahn.eu). Ein Sterne-Restaurant mit jungem Koch gibt es übrigens am Marktplatz (empfehlenswert: St. Benedikt).

Fast wäre diese Kulturinstitution mit einem Federstrich geschlossen worden. Noch unter Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) gab es erste Bestrebungen, die ganze Sammlung nach Brauweiler zu verlegen, Kornelimünster zu schließen. Tatsächlich ist es der Nachfolgeregierung unter Hannelore Kraft und der ehemaligen Kultusministerin Ute Schäfer (SPD) zu verdanken, dass das Haus eine Zukunft hat. Man bestellte mit Marcel Schumacher, der vom Folkwang-Museum Essen in die Voreifel wechselte, einen neuen engagierten Leiter, und Schäfers Nachfolgerin Christina Kampmann (SPD) weihte im Herbst 2015 das Kunsthaus NRW offiziell ein. Die Zukunft scheint gesichert, man hat den Wert erkannt und die Sammlung in gute Hände gegeben. Nur mit Mitteln und Personal wurde gegeizt, so dass alle Innovationsfreude und -bereitschaft des Direktors ihre natürlichen Grenzen in den Kapazitäten eines Zwei-Personenbetriebs finden muss.

Schnell hat Schumacher die Homepage aktualisiert, wer dort herumstöbert, findet den Weg und sieht gleich, was ihn erwartet (www.kunsthaus.nrw.de). Auf eine anregende erste Ausstellung stoßen die Besucher in dem Barockbau mit Seitenflügeln und zwei Ausstellungsetagen. 100 Schritte muss man über holpriges Pflaster von den Parkplätzen bis zum Eingang zurücklegen, dann gelangt man durch ein Portal mit Schelle ins Haus.

Zwei Welten der Kunst greifen in der Präsentation ineinander, zum einen die Systematik der "Sammlung mit losen Enden", zum andern das Quirlige der Gegenwartskunst unter dem Titel "Aussichten - Einsichten". Schumacher will Vergangenheit und Gegenwart miteinander verweben oder verlinken.

Spannende Räume hat er mit jungen Künstlern aus NRW und Belgien belegt: Hannelore van Dijck verputzte einen Saal mit Kohlenstaub, Juergen Staack hat Fotos auftapeziert über chinesische Geheimzeichen, was am Ende wie expressionistische Malerei wirkt. In einem kleinen Seitenflügel des Erdgeschosses öffnet Schumacher sein Depot, wählt besondere Exponate aus, die er eng gehängt und gestellt zeigt. Ab April werden dort Vertreter der Düsseldorfer Photoschule zu sehen sein.

Auf der Beletage residieren die Altstars, empfindsam arrangiert. Mal wird barocke Pracht gebrochen, mal landen Porträts wie das von Gerhard Richter im Porträtraum.

 

Info: Anreise über A 44 Richtung Aachen/Lüttich, Ausfahrt AC-Brand.

Ort: Abteigarten 6, Aachen-Kornelimünster. www.kunsthaus-nrw.de

Laufzeit: Wechselausstellung bis Ende Februar, die Sammlungspräsentation bis 18. September.

Eintritt: frei, nicht barrierefrei

Tipps: Sehenswert sind der historische Ortskern und die spätgotische Abteikirche St. Kornelius

Führung: mit Marcel Schumacher am 31. Januar um 15 Uhr.

Öffnungszeiten: Do., Fr., Sa. 14-18 Uhr, So. 12-18 Uhr

Quelle: RP
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