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Klima-Risiko-Index vorgelegt
Deutschland unter den Top Ten der Klimaopfer

Die Klimaopfer der vergangenen zehn Jahre
Die Klimaopfer der vergangenen zehn Jahre FOTO: German Watch
Bali (RPO). Die Umweltschutzorganisation German Watch hat am Dienstag einen Klima-Risiko-Index vorgelegt. Überraschendes Ergebnis: Deutschland gehört zu den zehn Ländern, die in den vergangenen zehn Jahren am meisten unter Klimakatastrophen gelitten haben.

German Watch stellte den Index am Dienstag auf Bali vor, wo derzeit 189 Staaten auf der Weltklimakonferenz um Lösungen ringen. Hintergrund für die Platzierung Deutschlands ist die extreme Hitzewelle 2003. Am meisten betroffen von Katastrophen wie Stürmen oder Überflutungen sind jedoch die Entwicklungsländer.

In den zehn Jahren 1997 bis 2006 waren Honduras, Nicaragua und Bangladesch die Länder, die wegen solcher Katastrophen - jeweils bezogen auf die Bevölkerungszahl und das Bruttosozialprodukt - die größte Zahl von Todesfällen und die größten finanziellen Verluste hatten. Danach folgen Vietnam, die Domenikanische Republik, Haiti, Indien und Venezuela. "80 Prozent der Todesopfer in Naturkatastrophen sind in Entwicklungsländern zu verzeichnen", sagte Thomas Loster, Chef der Münchner Rück Stiftung, bei der Vorstellung der Studie.

Auch Frankreich vertreten

Doch sind auch Frankreich und Deutschland auf der Negativrangliste vertreten, auf Platz neun und zehn. In beiden Fällen geht dies zurück auf den außergewöhnlich heißen Sommer 2003. Nach Daten der Münchner Rück starben wegen der großen und langen Hitze in ganz Europa 30.000 Menschen vorzeitig, wie Germanwatch-Experte Sven Harmeling sagte.

Für Deutschland werde eine Zahl von 8000 angenommen. Damit kommt die Bundesrepublik auf durchschnittlich etwa 730 Klimatote pro Jahr für die Zeit von 1997 bis 2006. Zwar handle es sich um ein Extremereignis, sagte Harmeling. Doch mache der Index damit deutlich, dass für solche Ereignisse noch nicht vorgesorgt sei. Insgesamt wurden für Deutschland in den zehn Jahren 258 Katastrophen registriert.

Extreme Wetterereignisse nehmen zu

Betrachtet man nur das vergangene Jahr, litten die Philippinen, Nordkorea und Indonesien am meisten unter Naturkatastrophen, sowohl gemessen an den Todesfällen als auch am finanziellen Schaden. Deutschland kommt in dieser Einzelbetrachtung auf Platz 17 von mehr als 100 betrachteten Ländern. 2006 war nach Angaben von Loster ein "durchschnittliches" Jahr mit rund 850 Katastrophen, 20.000 Toten und 50 Milliarden US-Dollar Schaden.

Dass extreme Wetterereignisse zunehmen, lässt sich nach Worten Losters eindeutig an den analysierten Daten ablesen. Die Zahl starker Stürme hat sich demnach seit 1950 verdoppelt, die Häufigkeit von Überschwemmungen und Dürren sogar vervierfacht. "Wir sehen bereits einen starken Klimaeffekt", sagte Loster.

(ap)
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