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Bilder vom Nordpol
Das Eis geht, der Müll bleibt

Nasa dokumentiert Wandel an der Arktis
Nasa dokumentiert Wandel an der Arktis FOTO: afp, mt/mb
Hannover. Die Temperaturen steigen, Gletscher und Packeis schmelzen, Plastikflaschen liegen herum: Polarforscher Karsten Piepjohn beobachtet Jahr für Jahr die Veränderungen in der Arktis infolge von Erderwärmung und Umweltverschmutzung.

Seit 1988 fährt der Geologe jeden Sommer in die nördlichen Polarregionen. "Bereiche der Nordküste von Spitzbergen zum Beispiel sehen aus wie eine Müllhalde. Da wird so viel Plastik angespült. Es ist traurig", sagt der 59-Jährige. Piepjohn forscht aber nicht selbst zum Klimawandel und seinen Auswirkungen auf das sensible Ökosystem, sondern versucht in einem internationalen Team, das Geheimnis der Entstehung des riesigen Arktischen Ozeans zu lüften.

Aktuell bereitet der Wissenschaftler, der bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) beschäftigt ist, mit "CASE 19" die größte Arktis-Expedition in der Geschichte seiner Behörde vor. Insgesamt werden 50 Teilnehmer aus zehn Nationen im eigens aufgebauten Camp an der äußersten Nordspitze des amerikanischen Kontinents für zwei Monate leben und forschen. Expeditionsleiter Piepjohn bleibt die komplette Zeit vom 25. Juni bis zum 5. September auf Ellesmere Island.

In seinem Büro im BGR-Hochhaus in Hannover breitet der Geologe eine große Karte aus. Mit gelben Kreuzen sind alle Standorte markiert, wo er schon geforscht hat. "Es gibt wohl keinen anderen Menschen in der Welt, der das alles gesehen hat", sagt Piepjohn und schwärmt von der Stille der Arktis, der atemberaubenden Landschaft und der überraschend reichen Tier- und Pflanzenwelt. "Man sieht Eisbären, Rentiere, Moschusochsen, Schneehasen, Schneefalken bis hin zu Schmetterlingen und Hummeln."

Der Polarforscher Karsten Piepjohn vor der Abreise in Hannover. FOTO: dpa, pst jol fpt

Müll stört die Idylle

Ende der 80er Jahre hoben die Polarforscher noch eigenhändig die Grube für ihr Plumpsklo im gefrorenen Boden aus, kochten selbst und zückten das Gewehr, wenn sich ein Eisbär oder Moschusochse näherte. In diesem Sommer begleiten sie bewaffnete Guides, auch eine Köchin reist mit. Die Geologen lassen sich mit dem Hubschrauber für Untersuchungen ins Gelände fliegen und nehmen Gesteinsproben, die später im Labor untersucht werden.

Doch Müll stört die Idylle: "Es liegen immer mehr von diesen leichten Plastikflaschen herum", beobachtet Piepjohn. Besonders mitgenommen hätten ihn bei der letzten Expedition "elendig verendete Rentiere" am Strand, die sich beim Seetangfressen in angespülten Fischernetzen verfangen hatten. Das Alfred-Wegener-Institut stellt eine zunehmende Vermüllung der Arktischen Tiefsee fest, welche die Meeresforscher mit Hilfe ferngesteuerter Kamerasysteme beobachten.

Vor 55 Millionen Jahren herrschte in der Arktis ein warmes, subtropisches Klima. Heute ist der Arktische Ozean von Packeis bedeckt - allerdings schmilzt es im arktischen Sommer immer mehr. Vor kurzem verkündeten die US-Raumfahrtbehörde Nasa und die Klimabehörde NSIDC einen neuen Negativrekord sei Beginn der Messungen vor 38 Jahren. Zwar betrug die Ausdehnung der Eisdecke immer noch 14,42 Millionen Quadratkilometer, dies waren jedoch etwa neun Prozent weniger als der Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010.

Die Gier nach den Rohstoffen

Gleichzeitig rücken die Rohstoffe, die in der Arktis schlummern, in den Fokus. "Obwohl wir als Polarforscher dagegen sind, dass Rohstoffe in der Arktis abgebaut werden, ist die Existenz von Rohstoffen ein Thema, über das selbstverständlich gesprochen werden muss", sagt der Forscher. In vielen Gebieten seien bereits Diamanten, Gold, Platin oder Erze gefunden worden. Vor der Küste Alaskas, in der Barentssee und in Westsibirien wird bereits Erdöl und Erdgas gefördert.

Bis auf die USA haben die Anrainerstaaten der Arktis die Erweiterung ihrer Interessensgebiete in den Arktischen Ozean hinein im Rahmen des Internationalen Seerechtsübereinkommens (SRÜ) bei den Vereinten Nationen beantragt. "In diesem Fall würden nur zwei kleine Gebiete im zentralen Polarmeer als "freies" Meer übrig bleiben, und es besteht die Sorge, dass marine Polar-Expeditionen in der Zukunft die Genehmigungen der Anrainerstaaten einholen müssten", sagt Piepjohn. Dabei sei es vor allem hinsichtlich der Erderwärmung unabdingbar, dass der Arktische Ozean auch in Zukunft für die freie Forschung zur Verfügung steht.

 

(felt/dpa)
 
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