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Wie sich die Blitze in Deutschland verteilen
Richtung Süden nehmen die Gewitter zu

Juni 2012: Golfball-Hagel, Blitzschlag, Sturm über Deutschland
Juni 2012: Golfball-Hagel, Blitzschlag, Sturm über Deutschland FOTO: dpa, Sven Grundmann
Düsseldorf. Der Informationsdienst eines Technologie-Konzerns erstellt binnen Sekunden nach einem Einschlag eine Karte über die Blitz-Verteilung. Richtung Süden nimmt die Zahl der Gewitter deutlich zu – so wie am vergangenen Wochenende, als in Baden-Württemberg 22.200 Blitze einschlugen. Von Christian Spolders

Am vergangenen Wochenende hat es in Deutschland so oft geblitzt wie selten zuvor. Als eines der wenigen Bundesländer blieb Nordrhein-Westfalen jedoch von der Gewitterfront verschont: Am Samstag und Sonntag gab es in NRW lediglich 23 Blitze, die in die Erde einschlugen – in ganz Deutschland waren es etwa 73.700, allein in Baden-Württemberg an beiden Tagen knapp 22.200.

Dabei heißt die deutsche Blitz-Hauptstadt eigentlich Chemnitz. In Sachsen, genauer gesagt im Mittleren Erzgebirgskreis, hat es in den vergangenen 13 Jahren die höchste Dichte an Funkenentladungen in der Erde gegeben. Mehr als 5,8 Blitze sind in diesem Landkreis pro Quadratkilometer und Jahr eingeschlagen – so viele wie nirgendwo sonst in Deutschland. Das hat der Blitz Informationsdienst des Technologie-Konzerns Siemens (BLIDS) ermittelt.

Je südlicher, desto mehr Blitze

Der BLIDS untersucht seit 20 Jahren, wo in Deutschland wann wie viele Blitze in die Erde einschlagen. "Dabei erfassen wir mehr als 99 Prozent aller Blitze", erklärt Stephan Thern, Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik. Das funktioniert mit Hilfe von radioähnlichen Messempfängern im Mittel-Langwellenbereich. In weniger als 30 Sekunden nach einem Blitz sind Ort und Stärke schon in der Firmen-Zentrale in Karlsruhe eingetragen – bis auf 200 Meter genau.

So erstellt der BLIDS eine Karte, die zeigt, wie sich die Gewitter in Deutschland verteilen. Die Faustregel: Je südlicher ich in der Bundesrepublik reise, desto mehr Blitze und Donner sehe und höre ich – so wie am vergangenen Wochenende in Baden-Württemberg. In Hamburg gab es im vergangenen Jahr nur 1,4 Erdblitze pro Quadratkilometer, in Berlin 2,3, in Düsseldorf 2,59 und in München 3,96.

Das liegt daran, dass die Luft Richtung Süden wärmer ist als im Norden. "Gewitter entstehen, indem warme Luft nach oben steigt und sie in der Höhe schnell abkühlt", sagt Stephan Thern. "Mittelgebirge sind wahre Sprungbretter für Gewitterwolken." Diese finden sich hinter Siegen, im Schwarzwald – oder eben bei Chemnitz.

Die deutsche Gewitter-Saison hat begonnen

Logisch, dass es flächenmäßig im Alpenvorland die meisten Blitzeinschläge gibt. "Im Süden ist es einige Grad wärmer als in Norddeutschland", sagt Thern. Zudem fördert das Vorland der Alpen, das von den Wolken verlangt, dass sie aufsteigen, die Bildung von Gewitterwolken. In diesen trennen sich aufgrund des schnellen Aufstiegs verschiedene elektrisch geladene Teilchen, was zu Spannungen führt – die sich in Blitzen entladen.

Durch die steigenden Temperaturen in den vergangenen Tagen hat nun die deutsche Gewitter-Saison begonnen. Sie hat ihren Höhepunkt, so wie jetzt, meistens im Juli – 2010 gab es sogar mehr als zehn Prozent aller Blitzeinschläge in Deutschland an einem Tag, dem 17. Juli. Die Saison der Blitze endet Anfang September, also in etwa zwei Monaten.

(RP/das/pst)
 
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