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Sahara-Staub in der Luft
Warum "Blutregen" so selten ist

Warum Blutregen in Deutschland selten ist und wie Saharastaub damit zusammenhängt
Das Satellitenbild aus dem Jahr 2014 zeigt eine typische Wetterlage für "Blutregen". FOTO: dpa, lof
Düsseldorf. Wieder mal ist in Medien und im Netz vom Wetter-Phänomen "Blutregen" die Rede. Dahinter steckt eine seltene Klima-Konstellation, bei der Sahara-Staub eine wichtige Rolle spielt. Wir haben beim Wetterdienst nachgefragt. Von Henning Bulka

"Den Begriff Blutregen verwenden wir beim Deutschen Wetterdienst nicht", erklärt Diplom-Meteorologe Andreas Friedrich. Das Phänomen gebe es aber durchaus. Jedes Jahr trete es in Deutschland ein bis drei Mal auf – und zwar dann, wenn Sand aus der Sahara in die Atmosphäre gelangt, mit dem Wind nach Europa getragen wird und dann hier abregnet.

"Autobesitzer ärgern sich, Waschanlagenbesitzer freut es"

"Der Sand hat verschiedene Farben und schlägt sich zum Beispiel auf Autos als rot-bräunliche Schicht nieder", sagt Friedrich. Deshalb habe sich im Volksmund der Begriff "Blutregen" entwickelt. "Die Autobesitzer ärgern sich, die Waschanlagenbesitzer freut es." Den letzten Fall des Phänomens habe es am Mittwochnachmittag in Bayern gegeben.

Damit es bei uns rot regnet, müssen laut Friedrich drei Faktoren stimmen:

  1. Zunächst muss es über der Sahara eine aufgerichtete Luftströmung geben. Die Luft wird also nach oben gesogen. "Das passiert im Falle eines Tiefdruckgebiets", sagt Friedrich. Dieses sorgt für Stürme und saugt den Sand bis in eine Höhe von drei bis fünf Kilometern. Dieser Effekt tritt aber meist nur im Winterhalbjahr zwischen Oktober und April auf, da sich im Sommer vor allem Hochdruckgebiete über der Sahara befinden.
  2. "Zweitens muss es eine Luftströmung über einen längeren Zeitraum in Richtung Mitteleuropa geben", erklärt der Wetterdienst-Meteorologe. "Die Staubkörnchen, die so zu uns gelangen, sind mikroskopisch klein und schweben wie Wolken mit."
  3. In Mitteleuropa angekommen muss es dann regnen. "Typische Regenwolken befinden sich meist in sechs bis zehn Kilometern Höhe", sagt Friedrich. Regnen diese ab, fallen die Regentropfen durch die Sandwolke. "Der Staub heftet sich dabei an die Tropfen an und fällt mit ihnen nach unten."

Kein "Blutregen" bis zum 12. April

Dass diese drei Faktoren zusammenkommen, ist laut dem Deutschen Wetterdienst selten. "Das liegt daran, dass es selbst dann, wenn genug Staub in der Atmosphäre ist, nicht immer gleich regnet", sagt Friedrich. Stattdessen kann Sahara-Staub in der Luft für "blutrote" Sonnenuntergänge in Europa sorgen.

2008: Sahara-Sand in Düsseldorf FOTO: RPO

Mindestens bis zum 12. April wird es dazu nach den aktuellen Messungen aber nicht kommen. "Wir stellen zwar auch unsere eigenen Berechnungen an, Hauptquelle ist aber die Universität von Athen", erklärt der Meteorologe. Diese veröffentlicht im Sechs-Stunden-Takt Prognosen über die Konzentration von Sahara-Staub in der Luft - und auch über möglichen "Blutregen". Die interaktive Karte finden Sie hier.

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