| 08.21 Uhr

DC Open
Kunst-Hopping am Rhein

Die DC Open in Köln und Düsseldorf versammelt ab Freitag 45 Galerien mit ihren Herbsteröffnungen. Im Angebot: Altstars und junge Entdeckungen. Von Annette Bosetti

Wer einfach nicht genug bekommen kann von Kunst, wer kaufen, sammeln, schauen oder sich nur begeistern lassen will, der macht sich am kommenden Wochenende auf zum Galerien-Rundgang in Düsseldorf und Köln. 45 Adressen kann man bestenfalls abklappern, was ganz schön anstrengend ist. Aber genauso anregend.

In New York hat man immer schon die Eröffnungen der Herbst-Ausstellungen zelebriert. Berlin zog nach. Und vor acht Jahren haben sich rheinische Galeristen zusammengesetzt, um Berlin Paroli zu bieten. Weil die Hauptstadt drohte, immer gewichtiger zu werden auf dem Kunstmarkt. Der erste Vorstoß kam aus Köln, die "cologne open" waren geboren. Dann verbündete man sich. Das städteübergreifende Unternehmen DC Open wurde mit der Premiere schon ein Erfolg. Rückenwind in Form von Förderung gibt es vom NRW-Wirtschaftsministerium, Abteilung Kreativwirtschaft. Auch die Städte zogen mit. Der wichtigste Gradmesser des Erfolgs bleibt indes das Publikum. Niemals sonst werden so viele Gäste - Sammler, Kuratoren, Galeristen und anderes interessiertes Kunstfußvolk - in den Galerien gesichtet. Es gibt gastfreundliche Vernissagen, Sehen und Gesehenwerden heißt das Gesetz des Freitagabends.

Ljiljana Radlovic betreut die DC Open von Anfang an und kennt das Publikum. Ein paar hundert Kunstinteressierte werden von DC Open angeschrieben. Die Galerien selber haben dazu ein Einladungskontingent. Am Ende sind rund 600 Menschen an den drei Tagen unterwegs. Aus den Beneluxländern stoßen sie ins Rheinland, aus der Schweiz und aus Österreich. Viele Sammler sind darunter, die die Breite des Angebots an diesen Tagen genießen - sogar aus USA reisen Liebhaber der rheinischen jungen Kunstszene an.

Das Interessante ist das Angebot, das exquisiter und abwechslungsreicher nicht sein könnte. Geheimtipps kann man nicht geben, denn der eine liebt die jungen Positionen, der andere schaut lieber auf Altstars, von denen er Neues, Unerwartetes erhofft. Sicher ist, die Galeristen in Düsseldorf und Köln zeigen das Beste, was sie haben. Beck&Eggeling gibt eine Schau, die dem gemalten Bild gilt, doch Heribert C. Ottersbach überrascht mit ungewohnten Formaten. Conrads setzt auf Anna Vogel, Cosar auf Sara Sizers "Leaves", und Philine Cremer lädt die Berliner Kuratorin Tina Sauerländer ein, die eine Gruppenausstellung zum Thema "Layeres Landscapes" arrangiert. Bei Konrad Fischer breitet Bildhauerstar Thomas Schütte neue Arbeiten aus, bei Kadel Willborn ist Ayan Farah zu Gast, Linn Lühn bringt Jon Savage mit "Uninhabited London" heraus, bei Hans Mayer am Grabbeplatz ist die Japanerin Yuko Shiraishi mit Bildern und Installationen eingezogen. Sohn Max Mayer zeigt Jef Geys mit "San Michele, 2009", Galeristin Ute Parduhn - in Kaiserwerth abseits des Stroms - stellt ein ungewöhnliches Projekt von Dürs Grünbein und Via Lewandowsky vor.

In der Poststraße ist Yvonne Roeb bei Rupert Pfab zu Gast, in Flingern zeigt Petra Rinck "Time after Time" von Emma Talbot. Die Galerie Setareh ist ab 2. September mit einem weiteren Showroom in Düsseldorf präsent, in der Hohe Straße sind Vivian Greven und Natscha Schmitten zu sehen, an der Kö Gregor Gleiwitz. Wilhelm Mundt bei Schönewald ist ein weiterer Meilenstein, Clara Maria Sels zeigt Michael Aerts, Sies + Höke Julian Charriere, die TZR Galerie von Kai Brückner hält Schwergewichte wie Johannes Brus und das Künstlerpaar Blume vor. Daniela Steinfeld hat Claus Föttinger in die Ackerstraße eingeladen mit seinen Installationen. Erstmals sind Off-Spaces im Programm: das Capri in der Ackerstraße und das Good Forever auf der anderen Straßenseite.

Schon an Düsseldorf erkennt man die Internationalität und Breite des Angebots, in Köln klotzt man nicht minder. Das ganze Programm steht unter www.dc-open.de.

Doch am Ende fragt man sich, welche Strategie den Rundgang erleichtert? Geheimtipps gibt es nicht, aber Vorlieben. Am Freitagabend muss man sich für eine Stadt entscheiden, und dann für ein Viertel, in Düsseldorf für Flingern oder die Altstadt. Shuttles gibt es nicht. Mit dem Fahrrad schafft man gute Strecken, für die Autofahrer gibt es Sonderparkplätze in Flingern. Und erstmals sind Führungen im Angebot: einmal, um die Schwellenangst der Newcomer zu senken, außerdem, um auf den verschlungenen Parcours durch die Straßen kunsthistorische Erklärungen geschenkt zu bekommen. Die begleiteten Führungen sind unbedingt empfehlenswert und unentgeltlich.

Selbst wenn man alleine unterwegs ist, ist man doch nie alleine. Die Szene kennt sich. Manch einer freut sich beim Kunst-Hopping auf ein hellblondes Kölsch oder andersrum auf das tizianbraune Alt.

Quelle: RP
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