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Wismar/Drispeth
Literarischer Grenzgänger Joachim Seyppel tot
Wismar/Drispeth. Weder in den USA noch in West- und Ostdeutschland wollte er sich mit den herrschenden Verhältnissen abfinden.

93-jährig ist in einem Pflegeheim in Wismar der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Joachim Seyppel gestorben. Bis vor etwa einem Jahr habe der Autor noch abwechselnd in Hamburg und dem kleinen Dorf Drispeth bei Schwerin gelebt, teilte sein Sohn Jonas mit.

Dem 1919 in Berlin geborenen Literaten haftete das Image eines gegen den Strom schwimmenden Grenzgängers und Gesellschaftskritikers an. Weder in den Vereinigten Staaten, wo er von 1949 bis 1961 lebte, noch in West- oder später in Ostdeutschland wollte er sich mit den Verhältnissen abfinden und machte dies auch in seinen Werken deutlich. Seinen literarischen Arbeiten blieb aber die große öffentliche Resonanz weitgehend verwehrt.

Satiren über den Wiederaufstieg ehemaliger Nationalsozialisten fanden im Westen keinen Verleger, jedoch brachte sie der Ost-Berliner Aufbau-Verlag 1965 unter dem Titel "Als der Führer den Krieg gewann oder wir sagen Ja zur Bundesrepublik" heraus.

1973 siedelte Seyppel nach Ost-Berlin über und nahm auch die DDR-Staatsbürgerschaft an. Doch seine offene Kritik an Missständen brachte ihn in Konflikt mit der DDR-Staatsmacht.

1979 ließ man ihn wieder in den Westen ausreisen, wo er in Hamburg eine Gastprofessur annahm. Beachtung fand Seyppels Abrechnung mit dem DDR-Kulturbetrieb unter dem Titel "Ich bin ein kaputter Typ" (1982).

Nach der Wiedervereinigung erschienen noch drei Romane, darunter die brandenburgischen Impressionen "Die Streusandbüchse" (1990). In "Trottoir & Asphalt" setzte sich Seyppel kritisch mit der Wirkung der "Gruppe 47" auf die Literaturentwicklung im Nachkriegsdeutschland auseinander.

1997 war Seyppel unter harscher Kritik aus dem Verband deutscher Schriftsteller ausgetreten.

Quelle: dpa
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