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Literatur pur

Mit der Lit.Cologne-Spezial und der neuen Lit.Ruhr gibt es jetzt große Literatur im Doppelpack. Stargäste sind Daniel Kehlmann und Yasmina Reza. Von Lothar Schröder

Köln ist jetzt ein bisschen ausgewandert und liegt irgendwo im Ruhrgebiet: am Duisburger Dellplatz beispielsweise und in der Kokerei zu Essen oder auch in der Zeche Bochum. Dorthin ist jedenfalls das literarische Spektakel teilweise ausgewandert, das vor 16 Jahren in Köln geboren und so auch sinnigerweise Lit.Cologne genannt wurde. Die wurde dann immer größer, bekam einen kleineren Bruder mit der Lit.Cologne-Spezial und einen geistreichen Ableger mit der Phil-Cologne. Weil die Domstadt damit erst einmal gut bedient war, sind die Literaturversorger auf Wanderschaft gegangen und im Pott gelandet. In der kommenden Woche - genauer: vom 4. bis 8. Oktober - werden an vielen Spielorten neben vielen anderen Wladimir Kaminer, Martin Suter, Stefanie Sargnagel, Nick Hornby, Sven Regener und sogar Matthias Sammer (natürlich im Deutschen Fußballmuseum zu Dortmund) zu erleben sein.

Und da es ein Debüt ist, heißt das 80-seitige Programm schlicht und einfach "Eins.". Das ist zwar noch eine recht kleine Hausmarke, aber ein kräftiges Bekenntnis zur Literatur. Das haben vor den Kölnern auch andere Veranstalter im Ruhrgebiet schon abgegeben, die nicht gerade glücklich sind über das neue Angebot, das von einigen Stiftungen des Ruhrgebiets großzügig gefördert wird. Der Stunk ist da, was in der Kulturszene grundsätzlich nicht schlecht sein muss und die Hoffnung weckt, dass sich nach der Premiere alle an einen Tisch setzen und fürs neue Jahr etwas Gemeinsames planen werden.

Nicht umstritten sind die Kölner im heimischen Kölle, die ab dem 11. Oktober parallel zur Frankfurter Buchmesse ihre "Herbst-Kollektion" auflegen. Wie bunt das literarische Leben so ist, kann man schon an den Namen der auftretenden Autoren ablesen: Donna Leon liest aus "Stille Wasser" - das ist schon der Fall Nummer 16 von Commissario Brunetti -, der umtriebige Gregor Gysi kommt und behauptet in seiner Autobiografie, dass ein Leben einfach zu wenig sei; und dann lesen noch Salman Rushdie und Ulla Hahn. Zu vielen Lesungen kommt man nur noch mit Glück, da die Eintrittskarten zwar nicht rar, aber traditionell extrem begehrt sind. Mehr Hoffnung machen können wir Lesern auf folgende Lesungen:

Paula Hawkins

Die britische Bestsellerautorin und ehemalige Journalistin wird ihren neuen Roman "Into the Water" vorstellen. Nach "Girl on the train" von 2015 präsentiert sie einen weiteren sogenannten Spannungsroman. In der Kulturkirche von Köln-Nippes (Siebachstraße 85) wird sie am 12. Oktober im Gespräch mit Knut Elstermann ihren Roman vorstellen. Die deutsche Übersetzung liest Claudia Michelsen.

Daniel Kehlmann

Keine Übersetzung braucht man für Daniel Kehlmann, der mit "Die Vermessung der Welt" einen der erfolgreichsten deutschsprachigen Roman geschrieben hat. Diesmal entführt uns Kehlmann ins 17. Jahrhundert, in die finstere und heillose Welt des Dreißigjährigen Krieges. Und mittendrin lässt er den berühmten Tyll Ulenspiegel sein Wesen treiben, ein Spaßmacher, der den Leuten erbarmungslos den Spiegel vors Gesicht hält. Ein aufregendes, souverän erzähltes Buch, das Anfang Oktober in den Handel kommt und das der gebürtige Münchner am 13. Oktober im WDR Funkhaus seinen Lesern vorstellt.

Yasmina Reza

Sie ist der Star der französischen Gegenwartsliteratur - frech, geistreich, schonungslos und immens erfolgreich. Und wieder geht es bei ihr in "Babylon" um Paarbeziehungen, denen die Liebe längst abhanden gekommen ist und die nun in die Abgründe eines ziemlich tristen Alltags blicken. Yasmina Reza ist nichts für frisch Verliebte, oder vielleicht gerade für sie gedacht. Wer weiß das schon so genau? Erleben kann man die eigenwillige französische Schauspielerin, Dramatikerin und Erzählerin am 15. Oktober ebenfalls im WDR-Funkhaus.

Uwe Timm

Zurück in die deutsche Nachkriegszeit mit Uwe Timm. Das ist eins seiner großen Leitthemen, die er oft genug auch unterhaltsam zu erzählen wusste - etwa mit seinem Besteller "Die Entdeckung der Currywurst". In seinem neuen Buch "Ikarien" nimmt er den Leser an die Hand und führt ihn durch die auch moralische Trümmerlandschaft Deutschlands. Auch Uwe Timm - 1940 in Hamburg geboren - präsentiert sein Werk im Funkhaus des WDR.

Quelle: RP
 
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