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Ludwig van Beethoven - verzweifelt gesucht

Klassik-CD Beethoven und das Klavier - das ist für den Musikliebhaber mit einschlägig geweitetem Horizont ein einschüchterndes Kompendium. Es besteht nach allgemeinem Kenntnisstand aus den 32 Sonaten, den fünf Klavierkonzerten und den Diabelli-Variationen, eventuell noch den späten Bagatellen. Manchem dämmert es, dass es daneben - jedenfalls dem Hörensagen nach - noch einige Kleinwerke gibt. Ob sie ebenfalls das Zeug zum Größten in sich tragen, lässt sich nur ahnen.

Zum Teil handelt es sich um Kompositionen mit, zum Teil ohne Opuszahl; sie geistern wie Treibgut durch die Beethoven-Rezeption und werden nicht nur von den Kennern auf dem Konzertpodium heiß ersehnt. Man könnte auch sagen: Ludwig van Beethoven - verzweifelt gesucht. Nun hat der Musikfreund die herrliche Gelegenheit, diese Preziosen am Rande des Beethoven-Kosmos näher zu begutachten. Der holländische Pianist Ronald Brautigam, Experte für das Hammerklavier, hat eine Fuhre dieser unbekannten Werke für das schwedische Label BIS aufgenommen (BIS 1942/Klassik Center Kassel).

Beim Hören dieser kostbaren CD kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus: etwa über die Meisterschaft, mit der Beethoven einen angeblich bescheidenen und aufwendigen Variationszyklus zum großen Debattenkino formt; zu abwechslungsreichen Etappen aus Reflexion, Kolorierung, Ausweichung, Überhöhung; zum Spielplatz der Temperamente, die zwar nicht gen Himmel stürmen, aber auf Erden mit Elan viel Begeisterung auslösen.

Die Vermutung, Beethoven arbeite hier sozusagen auf der Sparflamme des Handwerksbetrieb, ist abwegig. Zwar steckt in den "Sechs Variationen über ein eigenes Thema" op. 34 nicht die Wucht der "Hammerklaviersonate", aber selbst in Momenten naiver Zartheit schimmert Beethovens Genie durch. Geheimer Höhepunkt sind die beiden "britischen" Variationszyklen über "God save the King" und "Rule Britannia". Der Hörer fühlt sich wie bei den legendären Londoner Prom's: erhaben und überaus festlich.

Brautigam spielt das aber auch mit gehörigem Schwung und mit Majestät. Wolfram Goertz

Quelle: RP
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